Trennungsstress - Ein häufig unerkanntes Problem

Trennungsstress – Ein häufig unerkanntes Problem

Hunde-ABC „T wie Trennungsstress“

Die Kehrseite der Mensch-Hunde-Beziehung und der sozialen Wesen unserer Hunde ist häufig Trennungsstress. Ein Problem mit weitreichenden Konsequenzen, dass Lebensqualität auf beiden Seiten drastisch verringert und nicht selten die Basis für weitere Problemverhalten ist.

Trennungsstress ist im Prinzip die fehlende Strategie des Hundes ohne seine Bezugsperson für Wohlbefinden zu sorgen. Mehr dazu, sowie häufige Symptome, Ursachen und natürlich eine Prävention und erste Wege aus dem Trennungsstress verraten wir dir in dieser Podcast Episode.

Du willst die Hunde-Oase Schritt für Schritt mit unserer Anleitung aufbauen? Dann schau in den Kurs „Halt & Sicherheit – nicht nur für Problemhunde“ und wenn du einen Hund hast, der bereits unter Geräusch-, Gewitterangst oder Trennungsstress leidet, dann werde doch Teil unseres betreuten Programms „Ein echtes Team“ und lass uns gemeinsam Schritt für Schritt daran arbeiten.
Wir laden dich ein, Teil der „Anders mit Hund“ Community zu werden und Trainingsinspirationen, Tipps und Austausch mitzugestalten und zu erleben.
(Bitte beachte, dass wir dich nur freischalten, wenn du die 3 Fragen beantwortest.)
Folge uns auch gern auf Facebook und Instagram
Trennungsstress - Ein häufig unerkanntes Problem

Hier kannst du den Podcast „Anders mit Hund“ mit Anja Landler & Anne Bucher abonnieren:

Meine besten Tipps, Tricks und Ideen direkt in Dein Postfach.

Trage dich hier zu meinem Newsletter ein und erhalte ungefähr wöchentlich E-Mails mit Anregungen, Angeboten und wertvollen Inhalten als Dankeschön. Details zum Newsletterversand findest du in der Datenschutzerklärung.

Hinweis zur Datenverarbeitung in den USA

Deine Anmeldedaten, deren Protokollierung, der Mailversand, sowie statistische Auswertungen des Leseverhaltens, werden über ActiveCampaign (USA) verarbeitet. Nach der Rechtsprechung des EuGH (Urteil vom 16.07.2020, Az.: C-311/18 („Schrems II“)) besteht in den USA kein angemessenes Datenschutzniveau. Ferner kann es in den USA zu staatlichen Überwachungsmaßnahmen  kommen, bei denen kein hinreichender Rechtsschutz gegen diese Maßnahmen in Anspruch genommen werden kann. Die Datenverarbeitung in den USA im Zusammenhang mit meinem Newsletter basiert insoweit auf deiner Einwilligung i.S.d. Art. 49 Abs. 1 lit. a) DSGVO. Du kannst deine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen.

Transkript zur Podcast Episode:

#22 Trennungsstress – Ein häufig unerkanntes Problem
Hunde-ABC „T wie Trennungsstress“

[00:01] – Anja

Wir haben für dich zu jedem Buchstaben des Alphabets einen Begriff aus der Hundewelt herausgepickt und geben dir dazu auf Instagram, Facebook, im Blog und natürlich auch hier im Podcast Input. Abonniere auch unbedingt den Newsletter, wenn du vertiefende Infos haben magst. Und heute geht es um „T“ wie Trennungsstress. Anne, was ist Trennungsstress?

[00:27] – Anne

Trennungsstress ist, wenn Hunde nicht gut alleine zuhause zurückbleiben können. Das kann sich beziehen darauf, dass der Hund komplett alleine bleibt. Oder auch, dass ein bestimmter Sozialpartner das Haus, das häusliche Umfeld verlässt und für den Hund nicht erreichbar ist. Also vom Hund getrennt ist. 

Bei Extremfällen muss der Mensch dafür gar nicht komplett weg sein, sondern einfach nur für den Hund nicht erreichbar. Ich sag mal, unter der Dusche, Müll rausbringen oder sonst irgendwas. Und ich finde es ganz wichtig, dass wir uns an dieser Stelle bewusst machen: Wenn wir heute über Trennungsstress sprechen, dann geht es darum, dass der Hund zuhause, und nicht in der Fremde, nicht gut zurückbleiben kann. 

Die Fremde ist nochmal quasi die 10fache Herausforderung.

 

Was passiert beim Hund wenn er Trennungsstress empfindet?

 

[01:19] – Anja

Was genau passiert beim Hund, wenn der jetzt Trennungsstress empfindet?

[01:26] – Anne

Was da genau passiert ist ganz, ganz, ganz, ganz unterschiedlich. Es sind verschiedene Emotionen, die aktiviert werden. Es kommt sehr auf den Hund an. Man geht davon aus, dass zuerst eine Phase einsetzt, in der der Hund versucht, wieder Nähe herzustellen. In dieser Phase kommt es häufig zu Lautäußerungen, zu Unruhe. Dazu, Türen oder andere Sachen quasi zu durchbrechen, um wieder Nähe zum Menschen herzustellen oder den zurückzurufen. Oder auch zu anderen Sozialpartnern, anderen Hunden z.B.. 

Und in der zweiten Phase geht man dann davon aus, dass der Hund eher zur Ruhe kommt. Hierbei handelt es sich aber nicht um ein entspanntes Verhalten, sondern eher um so eine Art depressives Verhalten, dass der Hund einfach aufgibt. Und das fühlt sich natürlich überhaupt nicht gut an.

Trennungsstress - Ein häufig unerkanntes Problem

[02:18] – Anja

Das heißt, ich kann es daran erkennen, dass der Hund versucht auszubrechen, wie du gesagt hast. Und wenn das nicht funktioniert, dass er sich zurückzieht. Gibt es denn auch noch andere Symptome, die Trennungsstress vermuten lassen?

[02:31] – Anne

Es gibt ganz, ganz viele Symptome, an denen wir Trennungsstress vermuten können und dann wirklich genauer hingucken. Also wenn du z.B. einen Hund hast, der dich zuhause immer verfolgt, so eine Art Schattenhund. Dann ist das ein Indiz dafür, dass der sehr an dir klebt und, dass der dann, wenn du weggehst, logischerweise auch darunter leidet. 

Dann ist es ein ganz wichtiges Indiz, wenn du z.B. nach Hause kommst und dein Hund fängt dann an zu trinken und zu fressen. Oder du findest irgendwo so Klebespuren von Sabber, Kratzspuren oder andere Sachen, die darauf hindeuten, dass dein Hund Stress hatte. 

Es kann auch sein, dass du es gar nicht sofort merkst, wenn du nach Hause kommst. Sondern wenn ihr dann z.B. zum Gassi aufbrecht, dass der Hund viel schneller erregbar ist, dass er draußen Probleme zeigt. Dass er nicht gut zur Ruhe kommt, wenn du dich durch die Wohnung bewegst. Also dass an anderen Stellen Probleme auftreten, weil er eben, wenn du nicht da bist, nicht in die Ruhe kommt, nicht in die Entspannung kommt, sondern eben die ganze Zeit gestresst ist.

 

Bindung zu Hauptbezugspersonen

 

[03:39] – Anja

Es wird ja oft diskutiert, dass die Bindung zur Hauptbezugsperson eine große Rolle spielt. Also welchen Zusammenhang gibt es da?

[03:49] – Anne

Es gibt da ganz viele Zusammenhänge und ich möchte an der Stelle ganz klar sagen, wir sollten vorsichtig mit den Begrifflichkeiten sein. Sowohl mit dem Begriff Trennungsstress. Denn es gibt wiederum andere Hypothesen, in denen man es Trennungsangst oder auch Trennungstraumata nennt. Und da sollte man sehr genau gucken. Denn es ist eben nicht nur ein Stress und nicht nur eine Angst, die auftritt, sondern da entstehen wirkliche Herausforderungen für das Tier. 

Frustration spielt eine Rolle mit. Solche Sachen. Und ja, die entstehen auch darüber, dass es in der Bindung, in der Mensch-Hund-Beziehung, bestimmte Merkmale gibt. Das kann zum Beispiel sein, dass der Hund sich extrem – und das kann sehr schnell gehen. Vor allen Dingen gibt’s spannende Untersuchungen bei Tierschutzhunden, wie schnell die sich an eine Bezugsperson kleben. Wenn da so eine Art exklusive Bindung draus entsteht.

Trennungsstress - Ein häufig unerkanntes Problem

Das heißt, der Hund macht sein Glück komplett abhängig davon, dass die Bezugsperson da ist. Diese Bezugsperson bedeutet für den Hund Sicherheit. Sie bedeutet für den Hund Zugang zu Ressourcen wie Futter und Wasser, zu Spielzeug, zu schönen Sachen, zu all den Bedürfnisbefriedigungen. Wenn also Bedürfnisbefriedigung primär über die Bezugspersonen abläuft und der Hund hier die wichtigsten Elemente seines Lebens erfährt, dann ist es ganz klar, dass es ein Problem auf doppelter Ebene gibt, wenn die Bezugsperson weggeht. Nicht nur, dass der Hund jetzt in der Isolation ist und damit den Gefahren von außen mehr ausgesetzt ist, weil eben die Gruppe nicht mehr zusammen ist und der Gruppenzusammenhalt nicht mehr da ist. 

Nein, es gibt eben auch das Problem, dass eben der Zugang zu Ressourcen vielleicht dadurch verwehrt ist. Und nach meiner Erfahrung ist es auch so, dass je mehr Ressourcen der Mensch kontrolliert und je mehr der Mensch hier die Ressourcen verteilt und rationiert sozusagen, desto mehr hat der Hund einfach ein Problem, wenn der Mensch nicht da ist.

 

Wie kann ich Trennungsstress vorbeugen?

 

[05:53] – Anja

Welche Aspekte sind denn sonst noch wichtig? Wenn ich zum Beispiel Trennungsstress vorbeugen will.

[06:01] – Anne

Ein ganz wichtiger Aspekt, den du vielleicht noch beeinflussen kannst, vielleicht aber auch nicht. Aber vor allen Dingen, wenn du Züchter bist oder bei einem Tierschutzverein arbeitest, dann bitte ich dich, an der Stelle die Öhrchen ganz, ganz groß zu spitzen.

Es gibt einen Zusammenhang in der Tat darüber, wann Welpen von der Familie getrennt worden sind oder wie oft sie vor der zwölften Woche auch isoliert wurden. Vielleicht wegen Krankheit, wegen Verletzungen solchen Sachen. Also idealerweise kann man hier schon den ersten Baustein setzen, damit der Hund robuster wird, dass man ihn bis Abschluss der 12. Woche im Familienverbund mit der Mutter und den Geschwistern lässt. Wenn das irgendwie möglich ist.

Das ist das Erste. Das ist natürlich nicht alles. Und das können wir nicht immer beeinflussen. Und es ist vor allen Dingen bitte keine Ausrede, wenn du es nicht weißt oder vermutest, dass da was war, jetzt nichts mehr zu tun. Aber das ist das allererste. 

Das zweite ist, finde ich, dass jeder Hund sofort bekommen sollte, wenn er in unseren Haushalt einzieht. Und das kannst du jeden Tag anfangen, auch wenn dein Hund schon seit Jahren bei dir ist. Ist ein Ort einzurichten, an dem er all seine Bedürfnisse stillen kann, der aber nicht mit dir verknüpft ist. Der mit dir als Hundehalterin gar nichts zu tun hat, sondern wo der Hund wirklich all seine Bedürfnisse stillen kann. Und das ist bei uns die sogenannte Hunde Oase, in der nur gute Dinge passieren, die nichts direkt mit dem Menschen zu tun haben. 

Und wir verlinken hier gerne hier nochmal unseren kostenfreien Mini-Kurs zu dem Thema, denn da wird die Hunde Oase gut angefangen. Und das ist wirklich so ein Ort wo dein Hund richtig seine Bedürfnisse stillen kann und dadurch, wenn du nicht da bist, einen Ort hat, an den er sich zurückziehen kann, der ihm hilft wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Trennungsstress - Ein häufig unerkanntes Problem

[08:01] – Anja

Also keine Ausreden dafür, dass du schon die dritte Familie bist, die mit dem Hund zusammenlebt oder so. Du kannst immer etwas machen. Anne, gibts denn auch Dinge, die man auf keinen Fall tun sollte, die eventuell Trennungsstress begünstigen können?

 

No Go´s – Was kann Trennungsstress begünstigen?

 

[08:01] – Anne

Ich weiß nicht, ob es dazu Studien gibt, aber nach meiner Erfahrung gibt es so ein paar Sachen, die wir vermeiden sollten. 

Das eine ist, dass wir in unserer Beziehung zum Hund drauf setzen, dass der, damit er weiß, was passiert, uns im Auge halten muss. Dass wir uns also z.B. beim Rückruf Training irgendwo einfach verstecken, dass wir das Haus einfach verlassen, ohne ihn vorzuwarnen. Weil der Hund sucht trotzdem nach den Vorboten für diesen Einschnitt und für dieses für ihn vielleicht sogar traumatische Erlebnis. Und dann wird er dich immer mehr im Auge behalten, um herauszufinden, ob du dir die Schuhe anziehst. Welche Schuhe, du anziehst, ob du dir den Schlüssel nimmst, ob du dir die Zähne putzt, bevor du aus dem Haus gehst. Was auch immer das heißt, sie suchen trotzdem nach Vorboten und kommen dann zu Hause viel, viel schlechter zu Ruhe und kommen immer weniger dahin, dass sie sich wirklich entspannen können. Also eine Sache, die ich auf keinen Fall machen würde, es den Hund hier an der Stelle zu betuppen oder zu versuchen, dass er das gar nicht mitkriegt. Sondern ich würde an der Stelle auf ein gutes, gutes Training setzen. 

Das zweite, was selten richtig gut funktioniert, ist, wenn ein Trennungsstress da ist, linear zu trainieren. Also heute bleibt der Hund eine Minute alleine, morgen bleibt er 2 Minuten alleine, übermorgen bleibt er drei Minuten alleine. Da würde ich auch nicht drauf setzen, sondern ich würde darauf setzen, dass der Hund erst mal lernt, dass du in der Wohnung da bist oder im Haus da bist, aber nicht immer für ihn verfügbar und erreichbar bist. 

Und das dritte, wo ich das Gefühl habe, was auch nochmal wirkliche Auswirkungen darauf hat oder wo ich das beobachte, ist, wenn Hunde über aversive Maßnahmen, über Strafen gearbeitet worden sind ohne Vorankündigung. Und dadurch im Prinzip um Strafe aus dem Weg zu gehen, auch den Menschen immer im Auge behalten müssen, um in seiner Mimik oder an rein körpersprachlich Signalen zu erkennen, was sie gerade tun können. 

Ein weiterer Aspekt, der ganz wichtig ist, ist, dass dein Hund kennt, dass du mal nicht verfügbar bist und ihn auch mal in Ruhe lässt. Und dass du nicht die ganze Zeit immer quasi guckst, was macht der Hund, den Hund anfasst, mit dem Hund zusammen bist. Sondern dass es hier für beide Seiten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten gibt. Das sind, so finde ich, ganz wichtige Sachen. 

Und gerade die Hunde Oase würde ich wirklich als Prävention am ersten Tag des Hundes im häuslichen Umfeld schon anfangen zu initiieren, damit der Hund es einfach lernen kann. Von vornherein, dass wenn du auf Toilette bist, kochen, die Wäsche zusammen legst, am Rechner sitzt, das du dann eben für ihn nicht verfügbar bist. Und dass er dann auch lernt, sich selber zu beschäftigen und auch die Möglichkeit für Stimulation und Beschäftigung hat und nicht die ganze Zeit gelangweilt darauf wartet, dass du wieder aktiv wirst. Also entkopple Aktivität und entkopple Bedürfnisbefriedigung ein stückweit auch von dir.

Trennungsstress - Ein häufig unerkanntes Problem

[11:28] – Anja

Also ich habe jetzt z.B. das Glück, dass meine Hunde, wenn ich jetzt nach den äußeren Umständen gehe, nicht an diesem Trennungsstress zu leiden scheinen. Dennoch hat sich das im Laufe des Lebens, ich habe ja alles Hundesenioren, verändert. Das heißt, das Alter kann durchaus begünstigen, dass Trennungsstress entsteht. Gibt’s denn noch andere Dinge, die das begünstigen können, wo man unbedingt darauf achten sollte, dass man auch nochmal guckt? Entsteht da eventuell was?

 

Welche weiteren Dingen können Trennungsstress begünstigen?

 

[11:58] – Anne

Es gibt Untersuchungen, dass es eine hohe Übereinstimmung gibt, wenn der Hund Geräusch- oder Gewitterangst hat, dass dann auch Trennungsstress vorhanden ist. Also sowohl bei Geräusch als auch bei Gewitterangst würde ich immer davon ausgehen, dass zumindest latent Trennungsstress vorhanden ist. Und es macht für mich auch Sinn. Vor allen Dingen dann, wenn bei der Geräusch- und Gewitterangst das Training sehr an den Menschen gekoppelt wurde. Was die Sicherheit angeht. Dann macht es für mich doppelt Sinn, dass der Hund eben sagt Oh, ich brauch sozusagen meine Safetyzone – den Menschen – um hier in Sicherheit zu sein. 

Das heißt, wenn du ein Hund hast, der geräuschempfindlich ist, der viele Umweltängste hat, der Trennungsstress, der Gewitterangst hat, irgendwas in der Richtung, dann würde ich auf jeden Fall auch das Trennungsstresstraining anfangen. Das ist gar keine doppelte Arbeit, denn beide Trainings – Geräusch-, Gewitterangst und Trennungsstress sind indoor im Prinzip identisch. Und outdoor wird der Hund hoffentlich kein Trennungsstress haben, weil du da bist. 

Und auch bei anderen Verhaltensproblemen, die draußen stattfinden, würde ich immer überlegen, ob Trennungsstress da ist. Bei uns war es ganz klar bei allen Pflegehunden, die mit starken Umweltängsten gekommen sind, war es so, dass sie sich innerhalb von wenigen Tagen eine Bezugsperson ausgesucht haben, sich sehr an die gehängt haben. Und dann war es wirklich so, dass diese Bezugspersonen das Non-Plus-Ultra war und ohne die war eben wirklich ein Problem da. Das heißt, das ist ein riesiges Indiz. Und dann hast du ja gerade schon gesagt, du hast mehrere Hunde und du hast Hundesenioren. Und auch da, liebe Leute, bitte ich euch vorzubeugen, dass ihr dran denkt, dass wir auch in einer Gruppe mit unterschiedlich alten Hunden oder unterschiedlichen Hundeerwartungen sozusagen immer die Herausforderungen haben, dass es mal sein kann, dass einer zurückbleibt ohne die anderen und es gar nicht kennt.

[14:04] – Anja

D.h. da auch im Vorfeld das unbedingt ins Training sage ich jetzt mal, in den Alltag mit einfließen lassen. Dass sie, wenn du mehrere Hunde hast, nicht immer zusammen sind?

[14:15] – Anne

Genau. Ganz wichtig. Es muss ja gar nicht direkt dramatisches sein. Sondern es kann ja sein, dass du mit einem Hund jetzt unbedingt mal am Jagdverhalten trainieren willst und den anderen gar nicht dabei haben möchtest. Oder mit dem einen an Begegnungen trainieren möchtest und den anderen nicht dabei haben möchtest. Oder mit dem einen zum Tierarzt willst und den anderen nicht mitschleppen willst. Und dann sollten sie es auf jeden Fall kennen, dass sie auch mal ganz alleine zurückbleiben.

 

Kann man das auch auf andere im Haushalt lebende Tiere übertragen?

 

[14:43] – Anja

Kann man das auch auf im Haushalt lebende andere Tierarten, also z.B. Katzen übertragen? Hast du da Erfahrungen?

[14:52] – Anne

Grundsätzlich ist das Bindungsverhalten bei Hunden schon ein anderes als bei Katzen. Trotzdem glaube ich schon, dass es hier auch Freundschaften gibt und wir wissen, dass Hunde und Katzen trauern können. Wir wissen, dass sie empathisch sein können und für euch alle da draußen. 

Trennungsstress ist wirklich vergleichbar mit der Trauer, die man empfindet, mit dem Schmerz, den man empfindet, wenn man Heimweh hat oder wenn eine geliebte Person stirbt, sozusagen. Für die Hunde ist das ganz, ganz schwierig. Vor allen Dingen dann, wenn dadurch noch vielleicht die Tagesstruktur aus den Fugen geraten, weil jetzt mal ein Partner wegfährt für ein paar Tage oder wie auch immer.

Trennungsstress - Ein häufig unerkanntes Problem

Ich glaube schon, dass es sich ein Stück weit auch auf andere Tiere übertragen lässt. Die Beziehung zwischen Mensch und Hund und zwischen Hunden untereinander, die sind wirklich gemessen andere als die Beziehungen, die Hunde mit Katzen oder anderen Tieren eingehen. Zumindest was die Studienlage angeht, sind die Mensch-Hund-Beziehungen und bestimmte Hund-Hund-Beziehungen eben etwas ganz Besonderes. 

Ich habe eben lange überlegt, weil unsere Golden Retriever Hündin, die Maggie und mein roter Kater Felix, beide leben nicht mehr, die hatten wirklich eine enge Beziehung. Und die haben, wenn ich nicht da war viel die Nähe zueinander gesucht. Das heißt, sie haben ein bisschen ihren Trennungsstress kompensiert miteinander. Sie haben aber auch so sonst viel die Nähe gesucht, solange nicht die Sonne schien und es warm war. Also da haben sie die Körperwärme gegenseitig gerne genutzt und sie haben auch in der Tat zusammen gespielt, gekuschelt, Komfortverhalten gezeigt, Pflegeverhalten gezeigt. 

Und auch meine Minnie zeigt das durchaus mit einer unserer Katzen, die schon seit klein auf bei uns ist und die ziemlich gleichzeitig mit der Minnie eingezogen ist. Trotzdem ist es für mich, wenn ich mir das Ausdrucksverhalten und wie viel sie Nähe suchen angucke, immer noch etwas anderes als zu uns. Jetzt ist es aber auch so, dass meine Katzen Freigänger sind. Das heißt meine Hunde kennen das, dass unsere Katzen auch mal einen halben Tag oder einen Tag irgendwie draußen sind. Je nachdem, wann sie reinkommen zum Fressen und um sich streicheln zu lassen. Wenn wir dann gerade Gassi sind oder so, kann das halt auch schon mal sein, dass die sich eine Weile nicht sehen. 

Also ich glaube schon, dass es nochmal was anderes ist, kann mir aber gut vorstellen, dass Hunde hier auch oder ich kenne Hunde, die da wirklich auch nochmal eine Beziehung aufgebaut haben. Ich denke aber, das ist nochmal was anderes. Plötzliche Veränderungen grundsätzlich können natürlich immer zu Trennungsstress führen.

[17:36] – Anja

Anne, as war ein sehr spannender Exkurs in die Hund-Katze-Beziehung. Vielen Dank! Ich hoffe, du hast einen guten Einblick in das Thema Trennungsstress erhalten und wir freuen uns, wenn du uns in den sozialen Medien (Facebook oder Instagram) besuchst, auch gerne Feedback gibst, unseren Newsletter abonnierst und auch im Blog vorbei liest. Hör mal wieder rein.

Hier gibt es noch mehr auf die Ohren:

#54 Der Mythos „Rudel“

#54 Der Mythos „Rudel“

Wir widmen uns dem gerne und heißdiskutierten Begriff des „Rudels“. Ein Begriff der schnell in der Sprache rund um den Hund verwendet wird.

mehr lesen
#53 Tierschutz – Rettet was das Zeug hält!

#53 Tierschutz – Rettet was das Zeug hält!

Bist du im Konflikt, ob du einem Hund aus dem Tierschutz ein neues Zuhause geben solltest oder doch lieber zum Züchter gehst? Ich teile meine Gedanken zum Thema Tierschutzhund mit dir, denn RETTEN alleine REICHT NICHT!

mehr lesen