Home-Office und Co. haben meinen Hund zum Schattenhund gemacht

Home-Office und Co. haben meinen Hund zum Schattehund gemacht

Vom Problem des Alleine Bleibens

Folgt dein Hund dir auf Schritt und Tritt? Du schaust mit Sorge auf die Zeit, wenn du wieder Tag für Tag ins Büro und aus dem Haus gehst? In dieser Podcast Episode spreche ich darüber, was deinem Hund hilft, damit du ihn bereits jetzt wieder auf das Alleine bleiben vorbereiten kannst.

Höre rein oder lies das Transkript und erfahre mehr über Struktur und Sicherheit, sowie deinen Weg weg zu sein ohne das Haus zu verlassen!

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Transkript zur Podcast Episode

#44 Home-Office und Co. haben meinen Hund zum Schattenhund gemacht – Vom Problem des Alleine Bleibens

 

Der Sommer rückt näher. Die Inzidenz-Zahlen sinken. Viele von uns sind geimpft. Und ja, so langsam aber sicher rückt der Zeitpunkt näher, an dem vielleicht ein wenig der alten Struktur wieder geschaffen wird. Und zugleich erreichen mich ganz viele Nachrichten, dass die Hunde in der Zeit des Home-Office, in der Zeit von Corona, sich Dinge angewöhnt haben, die Sorgen machen und die dafür sorgen, dass wir mit etwas Skepsis auf die Zeit gucken, wo du vielleicht wieder zurück ins Büro musst und dein Hund wieder mehr alleine bleibt.

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Was ist mit Schattenhund gemeint?

 

Der sogenannte Schattenhund ist in vielen Familien entstanden. Was ist ein Schattenhund? Ein Schattenhund ist der Hund, der seiner Hauptbezugsperson in der Regel permanent hinterherläuft wie ein Schatten. Der an ihr klebt, der nicht mehr zur Ruhe kommt, der immer im Auge behalten muss, was um ihn herum gerade passiert, damit er für sich noch ermitteln kann, ob die Situation safe (sicher) und richtig ist. Schattenhund-Dasein kann und ist häufig ein großes Indiz für Trennungsstress, also das Problem, nicht alleine bleiben zu können.

 

Thema Trennungsstress

 

Zum Thema Trennungsstress verlinke ich dir hier eine gemeinsame Episode von Anja und mir, in die du gerne nochmal rein lauschen kannst, sowie einen Blogartikel zum Thema, den wir bereits veröffentlicht haben, damit du auch da noch Hintergrundinformationen für dich und deinen Hund findest. Heute soll es sich darum drehen: Warum haben unsere Hunde überhaupt das Problem, dass sie während Corona, während unserer Homeoffice-Zeiten zu Schattenhunden geworden sind? Und wie kriegen wir denn jetzt die Kuh vom Eis? Wie bekommen wir das hin, dass unser Hund sich wieder alleine wohlfühlt?

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Kontrollverhalten deines Hundes ist ein Hilferuf!

 

Das erste, was mir sehr, sehr wichtig ist: Viele sagen an der Stelle „Mein Hund kontrolliert mich und will nicht, dass ich mich frei bewege.“ Ja, dein Hund kontrolliert dich ein Stück weit. Aber er macht es nicht, um dich einzuschränken, sondern er macht das, weil er nicht mehr erkennen kann, was die Situation gerade hergibt und wann er selbst sozusagen einen Kontrollverlust und damit Stress erleidet.

Kontrollverlust ist der größte Stressor für Hunde überhaupt, der größte Stress auslösende Reiz. Dein Hund fühlt sich schlicht und ergreifend nicht gut. Und damit es ihm halbwegs gut geht, versucht er alle Informationen zu sammeln über dich, seine Hauptbezugsperson, um eben im nächsten Moment immer noch in Sicherheit zu sein. Das heißt, du darfst diese Kontrolle als Hilferuf und nicht als Einschränkung dir gegenüber werten. 

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Auch ich kenne das von unseren Hunden

 

Natürlich – auch ich kenne das – das Nicht-Allein-Bleiben können von Hunden ist anstrengend! Ich kann das total gut nachempfinden, wenn dich das mega nervt. Unsere  Minnie z.B. war gerade erst krank. Sie hatte einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule. Dazu hat sie sich eine schöne Anaplasmose eingefangen mit Fieberschüben, mit Angstzuständen, mit schmerzhaften Krämpfen. Also überhaupt keine Freude. Und wenn es der Minnie richtig, richtig mies geht, dann will sie eigentlich nur eins, nämlich in meiner Nähe sein. So war ich die letzten Wochen sehr an mein Zuhause gekettet, weil man mit einem Hund, der gerade so krank ist, auch keine Sperenzchen und Experimente macht.

Einerseits sind wir natürlich total happy, dass es ihr besser geht. Vor allen Dingen bin ich aber echt glücklich, dass sie auch zügig gelernt hat, wieder alleine zu bleiben. Wir hatten den Trennungsstress ganz, ganz fett, als sie bei uns eingezogen ist. Auch Nayeli hatte früher massiven Trennungsstress und beide sind mittlerweile richtig cool. Das ändert auch nichts daran, wenn ich z.B. mal eine Trainingswoche hab und komplett außer Haus bin oder wenn bei uns andere Zeiten herrschen, wo unser Tagesablauf komplett durcheinander ist. Meine Hunde haben in der Zeit vielleicht Herausforderungen, aber danach können wir relativ zügig zum Ausgangspunkt zurückkehren.

 

Wenn der Tagesablauf aus den Fugen gerät

 

Und da möchte ich dir an die Hand geben, was du konkret tun kannst. Das gilt übrigens nicht nur in Zeiten von Homeoffice und Corona, sondern ich kenne das auch z.B. von meinen Kunden und Kundinnen, die Lehrer sind oder andere Berufe ausüben, wo sie große Blöcke zu Hause sind oder Reisen mit den Hunden unternommen haben und sozusagen das ganze Tagessystem zerfällt. Die fehlende Struktur und die fehlende Sicherheit, was im nächsten Moment passiert, ist in der Tat der größte Faktor dabei. Das heißt, unsere Hunde wissen einfach nicht mehr „Hey, wenn die die Frühstücksteller abräumt, dann geht sie sich nochmal die Zähne putzen, guckt nochmal als Check im Spiegel nach, zieht sich die Schuhe an und geht aus dem Haus.“ Sondern unseren Hunden fehlt in diesem Moment total die Vorhersage-Sicherheit, wann etwas passiert.

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Veränderte Umstände und unser Verhalten

Ein zweiter riesiger Aspekt, der einen Hund zum Schattenhund werden lässt, ist dein verändertes Verhalten, sowohl auf die Rituale bezogen, die über den Tag passieren, als auch, dass du vielleicht viel häufiger mit deinem Rechner sprichst. Vielleicht hast du Meetings oder bist auch mal häufiger genervt, weil ein Kollege dir auf die Füße getreten ist. Die Stimmung und dein Benehmen bzw. Verhalten zuhause haben sich verändert. Vielleicht, je nachdem in welcher Familienkonstellationen du lebst, ist auch insgesamt die Stimmung ein bisschen schwieriger geworden, weil natürlich der Platz zu Hause nicht bei jedem darauf ausgelegt ist, dass alle immer zu Hause sind und zuhause arbeiten, sondern in der Regel es ja so gedacht ist, dass man nur einen Teil des Tages zuhause verbringt. Homeschooling, Meetings, Telefonklingeln, unsere Stimmung – all das sorgt für mehr Unruhe im Haus, für vielleicht mehr Missstimmungen. Auch unsere Sorge, die viele von uns haben – und ich denke, da können wir uns alle nicht ganz ausschließen – einfach mit unserer Situation jetzt umzugehen, weil wir uns durch ein Virus total verändern müssen und eingeschränkt fühlen.

Selbst wenn du jemand bist, der das Ganze recht locker nimmt, hat es doch bestimmt auch Auswirkungen auf dich. Und keine:r von uns kann sich, glaube ich, freimachen davon, dass es sie oder ihn irgendwie belastet. Diese Belastung nehmen deine Hunde wahr; in deiner Mimik, in deiner Gestik, in deinen Tonlagen. Sie merken einfach nur „Hey, irgendetwas ist anders. Uns fehlt total die Struktur. Ich suche mehr Nähe zur Gruppe, um die Sicherheit zu finden.“ Und dadurch schließen sie sich nochmal enger an.

 

Struktur gibt nicht nur deinem Hund Sicherheit

 

Was kannst du tun, damit es für deinen Hund leichter wird? Als allererstes: Schaffe Struktur! Am besten einen Tagesplan, den du so häufig wie möglich einhältst, wo dein Hund wieder lernt, wann hier eigentlich konkret was passiert. Guck, dass du dabei sogenannte Ankerpunkte wiederfindest, die du vielleicht auch sonst im Alltag hast. So etwas wie nach dem Zähneputzen. Dein Hund sieht, wie du ins Badezimmer gehst, die Tür hinter dir zumachst, du zurückkommst und vielleicht an die Arbeit gehst. Guck für dich selber, auch für deine Kinder und Mitbewohner, dass ihr eine möglichst klare Tagesstruktur habt. Gerne häufig mindestens drei-, viermal die Woche, lieber noch öfter, am allerbesten sogar auch an den Wochenenden.
Es müssen nicht die Uhrzeiten sein, sondern es hilft einfach, dass du immer nachdem du den Frühstückstisch abgeräumt hast, z.B. deinen Rechner aufbaust und das möglichst immer im gleichen Tonus. Es hilft übrigens auch dir total bei deiner Konzentrations- und Arbeitsfähigkeit, auch wenn es sich vielleicht erst einmal komisch und einschränkend anfühlt. Dazu kann auch gehören, dass du dich optisch wieder arbeits-startklar machst und dich dementsprechend anziehst oder auch deine Kinder sich wirklich gezielte Rituale heraussuchen, wie sie sich ins Homeschooling und an ihre Aufgaben begeben oder du sie auch mit sonstigen Aufgaben versorgst, die euch allen wieder eine Struktur geben, sodass dein Hund lernt „Ach so! So läuft der Tag eigentlich konkret ab.”

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​Ankerpunkte erzeugen Erwartungssicherheit

 

Jeder Einstiegspunkt in ein solches Ritual nennen wir Ankerpunkt. Wenn dich das Thema der Ankerpunkte und auch der Hunde-Oase, über die ich gleich sprechen werden, interessiert, empfehle ich dir meinen kostenfreien Mini-Kurs „Vom Problemhund zum besten Freund“ Da spreche ich genau über diese Punkte und da könnt ihr euch definitiv noch das eine oder andere rausholen. Die Ankerpunkte bzw. der Tagesplan sorgen für eine so genannte Erwartungssicherheit. Dein Hund weiß wieder, was als nächstes passiert und er hat es gar nicht mehr so nötig zu kontrollieren, damit er sicher wird.

 

Rückzugsort Hunde-Oase

 

Ein weiterer ganz wichtiger Aspekt ist die sogenannte Hunde-Oase. Das ist ein Bereich in deiner Wohnung, in deinem Zuhause, eine Ecke für deinen Hund, die du mit ganz, ganz vielen guten Dingen verknüpfst, die nichts mit dir zu tun haben. Dazu gehört Entspannung, aber auch Spielsachen für deinen Hund, Futter, Wasser – alles, womit er sich sozusagen frei beschäftigen kann und mag, gehört an diesen Fleck und möglichst erst einmal nur dorthin. Dieser Fleck wird für deinen Hund zum Rückzugspunkt. Zu einem Ort, an dem er all seine Bedürfnisse stillen kann und an dem er sich wieder sicher und wohlfühlt, wenn du nicht verfügbar bist. Dieser Ort hilft deinem Hund, dass er in dem Moment, wo du aushäusig bist oder ihm mitteilst, dass du jetzt keine Zeit für ihn hast, er einen anderen Anlaufpunkt hat, sodass er es gar nicht mehr so nötig hat, dein Schatten zu sein.

 

Das Nicht-verfügbar-Signal

 

Darauf aufbauend hilft das sogenannte Nicht-verfügbar-Signal, also ein Signal, welches du deinem Hund beibringst. Das sollte bitte kein Wort oder Sicht-Zeichen im klassischen Sinne sein, sondern eine Art Dauer-Signal. Bei uns ist das z.B. eine Lampe, die an einem bestimmten Ort aufgebaut und angemacht wird. Die teilt meinen Hunden mit, dass ich jetzt keine Zeit habe. Ich hab dann vorher all ihre Bedürfnisse an Interaktion, Gassi gehen etc. gestillt und in der Hunde-Oase gibt es etwas Tolles, womit sie sich beschäftigen können. Ich baue das Nicht-verfügbar-Signal ganz viel in Kombination auf, mit Handlungen, die meine Hunde schon kennen, wo ich sowieso nicht für sie da bin.

Das heißt, ich gucke da ganz viel auf meine Rituale und verknüpfe sie damit. Und so lernt ein Hund, dass – auch wenn du anwesend bist – du ihm gerade keine Stütze bist, sondern er auf sich alleine gestellt ist. Und du kannst dich sozusagen Stück für Stück entziehen, ohne dass du aus eurem Zuhause entschwindest. Den Aufbau dieser Sachen lernen z.B. alle unsere Teilnehmer:innen im Jahresprogramm „Ein Echtes Team“ schon im Basis-Kurs, also in den ersten vier Monaten, weil ich das für elementar wichtig halte.

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Werde dir über deine Abläufe klar

 

Im Übrigen, auch wenn ein Hund gerade einzieht – egal ob Welpe oder Tierschutzhund – sind das für mich ganz, ganz elementare Signale und Werkzeuge, die einfach jeder Hund zur Verfügung haben sollte. Und wenn du diese Sachen eingeführt hast, dann kannst du deinen Hund auf das „Hey, ich bin irgendwann mal nicht mehr dauernd für dich da“ vorbereiten, indem du z.B. guckst, dass du dein „Nicht-verfügbar-Signal“ häufig in der Zeit einsetzt, in der du später auch wieder arbeiten möchtest, dass du Einkäufe und Erledigungen auf die Zeiten schiebst, wo du auch sonst nicht da sein wirst. Wenn das nicht unter der Woche geht, weil du da am Rechner sein musst, dann vielleicht am Samstag und dann gezielt wirklich so aus dem Haus gehen, als würdest du zur Arbeit gehen. Je häufiger du das machst, desto leichter und einfacher wird es für deinen Hund, dass du wieder das Haus verlässt. Und ich würde auch die Spaziergänge genauso gestalten wie vor Corona. Wie dann, wenn du wieder arbeiten gehen musst. Das heißt wirklich die Morgen-Gassi-Runde, die Mittags-Gassi-Runde, die Abend-Gassi-Runde – wann auch immer du gehst, genau so gestalten, als würdest du danach das Haus verlassen wollen bzw. von der Arbeit kommen etc.

Je mehr du dir darüber klar wirst, wie deine Abläufe normalerweise sind, wenn du ganz normal arbeiten und deine Kinder ganz normal zur Schule gehen und je mehr kleine Rituale du wieder in euer Leben integrierst, desto einfacher wird es für dich und deinen Hund wieder.

 

Wann du dir Hilfe holen solltest

 

Wenn dein Hund wirklich einen krassen Trennungsstress entwickelt hat, wenn er gar nicht mehr alleine bleiben kann, dann schiebe das bitte nicht auf die lange Bank. Das ist ein echt ätzendes Thema zu bearbeiten, weil man sehr, sehr systematisch, kleinschrittig und strukturiert vorgehen muss. Ich freue mich natürlich, wenn du dich – falls du das Problem hast – bei uns meldest und mit uns angehst. Aber such dir so oder so an der Stelle bitte, bitte Unterstützung, damit du und dein Hund euch wieder wohlfühlt, du deine Freiheit irgendwann wieder erlangst und das Haus guten Gewissens verlassen kannst und dein Hund die Zeit ohne dich gut verbringt, vielleicht sogar genießt.

Ich hoffe, dass diese Episode dir weitergeholfen hat und freue mich, wenn du beim nächsten Mal einfach wieder rein hörst. Bis dann!​

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