Aggressiver Hund an der Leine

Aggressiver Hund an der Leine – So startest du dein Training!

Kein Blog, Podcast oder Buch der Welt ersetzt den Gang zum Tierarzt, Therapeuten oder Trainer!

Hundetraining funktioniert nicht nach Rezept. Manch schneller Tipp, kann ein echter Fehlschlag sein. Wann immer du etwas mit deinem Hund versuchst, sammelt er Lernerfahrungen. Sorge dafür, dass es die richtigen sind!

Leinenaggression ist ein häufiges Problem. Du bist also nicht alleine. Deswegen habe ich dir hier vier häufige Ursachen in einem Blogartikel erläutert und gemeinsam mit meiner Kollegin Anja Landler das Thema auch im Podcast #30 „Warum haben so viele Hunde Probleme mit Hundebegegnungen“ aufgegriffen.

Aggressiver Hund an der Leine - So startest du dein Training

Das Training ist nicht unbedingt langwierig!

Doch je häufiger du in Situationen kommt, in denen dein Hund austickt, desto länger dauert es. Ein Grund, weshalb es nicht mein Weg ist, mit Hunden in Situationen zu gehen, denen sie nicht gewachsen sind um sie dann zu korrigieren (und auch nicht um das Verhalten mal genauer zu analysieren). Warum dem so ist, habe ich dir in diesem Artikel erläutert.

Um dauerhafte Resultate zu erzielen, benötigst du ein strukturiertes Training, dass auf verschiedenen Ebenen greift. Ein aggressiver Hund an der Leine oder im Freilauf kann keine andere Strategie lernen, solange die seinige aus seiner Perspektive immer wieder zum Erfolg führt. 

Und als Erfolg gilt, wenn der andere – auch nur den Bruchteil einer Sekunde – Angst zeigt, stutzt, zurückweicht. Denn genau dafür ist aggressives Verhalten da: Angst machen. 

Die Devise lautet also: Kleinschrittig Veränderungen einsickern lassen und so neue nachhaltige Gewohnheiten schaffen, parallel möglichst selten aggressives Verhalten ausüben lassen. Je besser dir diese Kombination gelingt, desto schneller geht es voran. Dafür wirst du einige Wochen Management betreiben müssen. Was Management ist und wie du es angehen kannst, erfährst du in unserer Podcast Episode  #21 !Management im Hundetraining“.

Auch wenn du im Alltag immer wieder in Situationen kommst, denen ihr (noch) nicht gewachsen seid. 

Es lohnt sich, die Trainingselemente zunächst außerhalb der Situation zu trainieren – ohne Druck, mit Spaß und Freude! Eine bessere Stimmung, weniger Stress und gemeinsame Erfolge beeinflussen das Lerntempo und die Motivation – bei euch beiden. 

Solange du diese Elemente nicht beherrscht, vermeide Begegnungen ruhig erst einmal. So habt ihr weniger Stress im Alltag. Was Stress ist und ab wann er kritisch wird, erfährst du in Podcast Episode #23 „Was ist Stress?“.

Dein Hund und du regeneriert und könnt gemeinsam schöne Erfahrungen sammeln. Doch selbst, wenn das gar nicht geht:

Suche dir häufig schöne Lernsituationen. In unserem kostenfreien Trainingsguide „BEGEGNUNGEN AN DER LEINE SELBST GESTALTEN“ gebe ich dir Hilfestellungen, wie du diese in deinen Alltag einfließen lassen kannst. 

Melde dich gleich hier dazu an:

Diese vier Elemente bilden das perfekte Fundament für gelassene Begegnungen – Sie sollten dir unbedingt in Fleisch und Blut übergehen. 

1. Leinenführung

Unsere Leinen sind ein Hilfsmittel, sie sollen Halt geben, zur Not absichern und den Hund ausbremsen. Das können sie nur leisten, wenn wir sie nicht mißbrauchen um den Hund zu korrigieren oder zu maßregeln. Wird die Leine zum unangenehmen Erziehungsmittel, ist es, als würde permanent jemand mit erhobenem Zeigefinger hinter dir stehen. der Hund wird angespannter, verkrampfter und macht mehr Fehler. 

Die Leinenführung nach Grisha Stewart, aus dem B.A.T., ist ein schönes Vorbild. Doch braucht es nicht unbedingt das B.A.T oder ein anderes prominentes Training, wenn du dir die wesentlichen Merkmale einer guten Leinenführung in Begegnungen einprägst: 

Die Leine ist in beiden Händen. Eine ist die „Leinen-Garderobe“. Die zweite Hand führt. Die Übergänge hängen dabei durch, ohne auf dem Boden zu schleifen oder zur Stolperfalle zu werden. „Die lächelnde Leine“ nennt man das. Das bietet Spielraum. Achte darauf, dass der Übergang von der „Garderobenhand“ zur Führhand nicht tiefer baumelt, als bis zu deinen Knien. Für mich hat sich die Mitte meiner Oberschenkel bewährt. 

Der Gedanke dahinter: Wir können Rucke und plötzliche Bewegungen vermeiden bzw. sanft auffangen ohne, dass es für uns oder die Hund zur Schleuderpartie wird. 

Der Hund bekommt wenig Informationen über die Leine mitgeteilt. Er darf sich möglichst ungestört bewegen. Wird es nötig, ihn auszubremsen, geschieht das sanft. Die Führhand schließt sich Stück für Stück – die Leine gleitet dabei noch ein kleines Stück, ehe sie stoppt. Achte beim Material darauf, dass es dir nicht die Finger verbrennt. Ich shoppe meine Leinen im Übrigen bei meiner Kooperationspartnerin Anja Landler im Pfotenland. Sie hat eine tolle Beratung und fertigt deine Leine wunschgemäß an. 

Es ist wie beim Autofahren: Sei du der vorausschauende Partner, der früh genug ausrollen lässt, vorsichtig abbremst. Vollbremsungen vermeidest du.

Die Leinenführung ist nicht ohne Grund ein wesentlicher Aspekt und so herausfordernd für viele Hundehalter:innen! Schau auch gern in den Artikel: „Die neun Grundregeln für ein gutes Leinenhandling“!

Leinenführung besteht aus vielen Komponenten. Es ist eben kein „Sitz“ oder ein Trick mit festgelegtem Bewegungsablauf und daher viel schwieriger für unsere Hunde zu lernen. Uns ist es ganz klar, was wir wollen – Doch für die meisten Hunde ist es das nicht – und Vermutungen, dass der Hund es längst verstanden hat und es nur aus Dickköpfigkeit macht, schlichtweg unfair. 

Sollte die Leinenführigkeit bei deinem Hund und dir noch eine Baustelle sein, schau doch mal hier im Blog vorbei „Leinenführigkeit – 12 Tipps für mehr Gelassenheit und Freude“ oder lausche unserer Podcast Episode #12 „Leinenführung & Leinenhandling“

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2. Die Kehrtwendung

Klar, Ziel ist es, dass unser Hund gelassen an Artgenossen vorbeimarschiert, hier und da Nahkontakt haben kann und den unleidlichen Kollegen aus dem Wege geht.

Doch ehe das soweit ist, ist es einfach sinnvoll zu wissen, dass du aus jeder Situation rauskommst. Und genau dafür ist die Kehrtwendung perfekt. Der Weg ist zu eng? Dir kommt plötzlich jemand entgegen? Dann dreh um.

Stelle dir vor, ihr könntet auf dem Absatz umkehren, so weit zurückgehen, dass du eine geeignete Stelle zum Passieren findest. Wäre das nicht genial?

Mit Spaß und Action aufgebaut, in vielen Situationen mit vielfältigen Ablenkungen und Erregungslagen trainiert, ist die Kehrtwendung die Rettung. Damit dein Hund nicht mehr so häufig aus dem Fell hüpft.

Du startest, indem du dich zackig umdrehst, sodass es dein Hund mitbekommt. Dreht er sich mit, belohnst du großzügig in die Laufrichtung. Bevor du ein Signal einführst, achte darauf, dass du in unterschiedlichsten Situationen alleine mit deiner Drehung die Wendung deines Hundes initiierst.

Den exakten Aufbau vermittele ich dir im Übrigen in meinem Webinar und dem zugehörigen Kurs „Basics für Begegnungen an der Leine“!

Ich weiß, dass wir schon früh lernen, dass wir uns nicht drücken sollen und einfach mal „dadurch müssen“. Doch solange du aus einer Begegnungen mehr Schlechtes als Gutes mitnimmst, legt lieber eine Kehrtwendung ein! 

Denn jedes Mal, wenn dein Hund ausflippt, wird das wieder geübt und optimiert. Es macht keinen Sinn Dinge zu üben, die wir loswerden wollen! 

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3. Bögen und Schlangenlinien

Bist du ein geradliniger Typ? Jemand der Klarheit liebt und für den es „Augen zu und durch“ bedeutet, dass man sich zusammengerissen und was geschafft hat?

Von klein auf werden wir darauf gedrillt: Trödeln, schlendern ist nicht genug. „Lauf doch mal vernünftig geradeaus.“

Genau deswegen tun wir uns so schwer damit in Schlangenlinien und Bögen auf andere zuzulaufen. Doch für unsere Hunde gilt:

Alles was zackig, von vorne, frontal und in einer Linie auf sie zukommt, ist bedrohlich. Das Gehirn lässt sofort die Erregung steigen. Sie sind auf das Schlimmste gefasst….

Eine freundliche Annäherung ist eine kurvige. Nähere Informationen zum Thema Annäherung, erfährst du auch in meinem Artikel „Hundekontakt hinterfragt“. Hilf deinem Hund, in dem du Kurven übst. Es gibt euch Zeit, es signalisiert dem Gegenüber, dass ihr nicht in gefährlicher Mission unterwegs seid. Es treibt das Erregungslevel deines Hundes nicht unnötig in die Höhe.

Denkst du gerade: „Habe ich schon probiert, klappt nicht!“. Je länger dein Hund andere Sachen gemacht hat, desto schwerer ist es für ihn, dieses Verhalten zu zeigen. Deswegen trainiere es außerhalb der Situationen, verknüpfe es mit schönen Momenten. Erst dann beginne es zu starten, sobald ihr etwas trefft, was eure Aufmerksamkeit erregt.

So wird es als Strategie in sein Gehirn sickern. Ihr könnt es mehr und mehr in (einst) schwierige Situationen mitnehmen. Einmal ungewohnte Verhaltensweisen wirst du nicht von heute auf morgen los, sondern darfst zunächst neue Routinen etablieren. Das dauert! Wichtig ist, dass dabei die Tendenz stimmt und du nicht zu lange auf das falsche Pferd setzt. Wenn du Sorge hast, dass das bei euch der Fall ist, lausche mal in diesen Podcast #08 „3 Aspekte an denen du erkennst, dass ihr auf dem richtigen Weg seid“.

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4. Vor jedem „Nein“ gibt es ein „Ja“!

Das erste Mal habe ich diesen Satz bewusst aus dem Mund von Esther Follmann/ CaneAmi wahrgenommen.

Eine Trainerkollegin, die ich dir absolut ans Herz legen mag. Wenn du Gelegenheit hast mit ihr zu arbeiten: Mache es! Ich durfte viel von ihr lernen und ich kenne kaum eine Kollegin, die ein solches Herz für Hund und Mensch hat. 

Der Gedanke ist: Verhalten, das vor deinem Problem kommt zu verlängern. So schiebt sich das doofe nach hinten, wird vielleicht sogar unnötig oder du hast einen Grundstein für anderes. 

„Einfangen“ (Capturing) nennt man die zu Grunde liegende Trainingstechnik. Sie ist eine besonders schonende und effektive Art dem Hund etwas beizubringen. Schonend deswegen, weil du die Strategien des Hundes förderst, die er von alleine zeigt und die dir gefallen. Das vermeidet den Aufwand von Impulskontrolle und gibt deinem Hund Selbstwirksamkeit zurück. Kommunikation, die er sich abgewöhnt hat, kann zurückkehren, er entspannt sich und wird souveräner. 

Genial daran ist auch, sie setzt den Fokus auf die Dinge, die funktionieren – und vermehrt diese. Das macht mehr Spaß, verhindert neuen Stress und Druck. 

Du brauchst dafür vor allem die Fähigkeit deinen Hund zu lesen. Wenn du erkennst, was du einfangen solltest und wie passende Belohnungen aussehen, ist die Katze im Sack.

Die Kunst zu erkennen, wann man agiert und wann man „einfach mal lassen machen kann“, kann jeder lernen!  Auch du. Starte dafür in gut überschaubaren und sicheren Situationen.

Klingt aufwendig? Ja, mag sein, dass es auf den ersten Blick schwieriger ist und von dir mehr erwartet, als andere Wege. Doch auf Dauer bekommst du einen Hund, der selbstständig wählen kann und du brauchst immer weniger in Hab-Acht-Stellung durch das Leben rasen. Und das ist es wert… 

Mit diesen vier Elementen baust du ein super Fundament, das auf einer guten Beziehung, verlässlichen Partner und Spaß basiert. Du verlierst dabei weder die Ernsthaftigkeit aus den Augen, noch brauchst du eine maßgeschneiderte Umwelt.

Alle vier Grundsteine (und noch viel, viel mehr) erarbeiten wir uns im Übrigen in meinem Programm „Ein echtes Team“

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