Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

Dein Hund zieht an der Leine? – 11 Tipps für die Leinenführigkeit!

Kein Hund der Welt wird mit einer Leine geboren. Auch, wenn uns die Leinenführigkeit als eine Selbstverständlichkeit vorkommt, für unsere Hunde ist sie es nicht. Und weil es für uns so normal ist, vergessen wir schnell, es dem Hund vernünftig beizubringen. Das Fazit: Dein Hund zieht an der Leine und deine Schulter ist ausgeleiert oder verspannt. 

Hinter der so einfach aussehenden lockeren Leine verbirgt sich häufig eine Menge Arbeit.

Es gibt nicht den einen Weg zur Leinenführigkeit

Ganz klar, es gibt viele wirksame Trainingskonzepte. Für mich ist es nicht eine Frage der Wirksamkeit, sondern des Ziels. Ich wünsche mir Hunde, die

  • gerne und gelassen an der Leine laufen.
  • auch an der Leine erkunden und Freude haben. 
  • sich problemlos anleinen lassen. 
  • automatisch abbremsen, wenn die Leine sich strafft. 

Alle Methoden, die auf Zwang und Druck setzen, machen automatisch keine Freude. Wenn die Leine als Einschränkung und Gefahr gesehen wird, wird kein Hund sich an ihr sicher fühlen. Und wenn dein Hund lernt, dass alles nur auf dein Kommando geschehen soll, wird er nicht eigeninitiativ sein Verhalten anpassen. 

Wenn du dir auch eine Leinenführigkeit wünschst, die zwei echte Partner mit einer Schnur verbindet und so beiden als Sicherung im Alltag dient, dann lies weiter. 

Für mich ist es ganz klar: Die Leine ist eine Sicherung – kein Erziehungsmittel. 

Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

Was bedeutet für mich Leinenführung?

Leinenführigkeit bedeutet nicht, dass dein Hund an deiner Seite kleben muss. Er darf sich im Leinenradius frei bewegen, erkunden oder auch stehen bleiben.

Beide Enden der Leine haben die Aufgabe so achtsam miteinander zu gehen, dass

  • die Leine stets locker hängt.
  • nichts über den Boden schleift.
  • der Karabiner der Schwerkraft folgend baumelt.
  • die Leine ohne Umwege vom Geschirr zur Hand des Menschen geht.

Schau hierzu auch gern in den Artikel: „Die neun Grundregeln für ein gutes Leinenhandling“.

Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

Jedes Mensch-Hunde-Team muss Leinenführigkeit lernen

Auch wenn dein Hund viel oder permanent im Freilauf ist, solltest du die Leinenführigkeit trainieren. Neben Vorschriften, z.B. in der Brut- und Setzzeit, Silvester oder im Urlaub, kann es immer wieder gesundheitliche Gründe geben, die die Leine notwendig machen. 

Kennt er die Leine dann nicht, prasselt nicht nur die ungewohnte Situation, sondern auch die plötzliche Einschränkung auf ihn ein. Ein gutes Leinenführigkeitstraining im Voraus sorgt dafür, dass die Leine weder unangenehm, noch neu ist. 

Im Straßenverkehr gehören Hunde auch an die Leine. Selbst wenn du dir sicher bist, dass dein Hund nicht plötzlich die Straße quert, gibt es den anderen Menschen mehr Sicherheit und Berechenbarkeit der Situation. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Alles, was du im Freilauf brauchst, solltest du an lockerer Leine trainieren. Trainierst du es an strammer Leine, wird es im Freilauf eher nicht funktionieren. 

Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

Bei Angsthunden oder unsicheren Hunden ist die Leinenführigkeit gleich doppelt wichtig

Hunde mit einem hohem Stresslevel im Alltag, mit vielen Unsicherheiten, Ängsten oder anderen Baustellen haben ein dünneres Nervenkostüm. Das führt dazu, dass die Leinenführigkeit gleich doppelt betroffen wird: 

  • Das Erlernen wird schwieriger. 
  • Die Einschränkung durch die Leine als weiterer Stressor wiegt stärker. 

Deswegen lohnt es sich bei diesen Hunden nicht nur besonders gut, sondern auch extrem achtsam zu traineren. Mehr dazu kannst du in diesem Artikel “8 Tipps für die Leinenführigkeit bei Angsthunden” lesen.

Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

1. Was du für die Leinenführigkeit brauchst

Je länger die Leine und größer der Aktionsradius, desto entspannter gelingt meistens der Einstieg in die Leinenführung. Deine Leinen sollten zum einen bequem und sicher in der Hand liegen, zum anderen so leicht wie möglich für den Hund sein. 

Drei Meter lassen sich bei Bedarf gut einkürzen, geben aber auch genug Spielraum um am Wegesrand zu schnüffeln. Für Begegnungstrainings, Spaziergänge mit viel Freilauf oder an Straßen, ist eine drei Meter Leine meist ideal. 

Weil meine Hunde nicht immer und überall in den Freilauf können, haben wir zudem noch Schleppleinen. Ich mag hier Längen von  8-12 Meter. Ich lasse sie möglichst nicht schleppen und kann mit dieser Länge noch gut umgehen. Meine Schleppleinen sind vor allem leicht, damit sie beim Laufen nicht stören. 

Längere Leinen sind ausschließlich am Geschirr zu befestigen. Ich führe meine Hunde immer am Y-Geschirr. Das Verletzungsrisiko am Halsband ist mir zu groß.

Als Geschirr empfehle ich dir ein einfaches in Y-Form und möglichst gut anpassbar. Meine Favoriten sind die von Together. Sie lassen sich gut verstellen, schränken den Hund wenig in seinem Bewegungsablauf ein und sind robust. Das hat allerdings nichts mit der Leinenführung, sondern dem allgemeinen Wohlbefinden deines Hundes zu tun. 

Dazu gut verstaute Belohnungen, die du gut erreichst und es kann losgehen. 

Erziehungsgeschirre, Kopfhalfter und Co. sind nicht nur unnötig, sondern unter Umständen auch extrem ungesund! Für mich genauso eine Pest, wie die „Rollkur“ in der Reiterei. Dein Hund zieht an der Leine, weil er es nicht anders gelernt hat oder nicht anders kann. Ihn mit Hilfsmitteln in die richtige Haltung zu quetschen, sorgt eher für Haltungsschäden, als gute Lernerfahrungen! 

Höre hierzu auch gern in unsere Podcast Episode #62 „Tipps & Tricks für die Leinenführigkeit“.

Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

2. Leinenführigkeit ist komplex

Im Gegensatz zu „Sitz“ oder „Platz“ verbirgt sich hinter der Leinenführung nicht ein bestimmter Bewegungsablauf, den dein Hund erlernt. Das macht es viel komplexer. Denn Hunde verbinden Bewegungen mit Konsequenzen. Lernt dein Hund, dass der Po zum Boden gebracht Erfolg bringt, kann er dies wiederholen. Bei der Leine muss er erst lernen, dass verschiedene Schrittfolgen in einem bestimmten Kontext (durchhängende Leine) den Erfolg bringen. 

Deswegen solltest du bei der Leinenführigkeit von Beginn an systematisch und nicht zu starr trainieren. Ansonsten hast du einen Hund, der super in einem Erregungslevel in einer bestimmten Situation beim Geradeaus neben dir gehen kann, aber sobald du etwas veränderst, sieht es schon nicht mehr so gut aus. 

Wenn du etwas Komplexes mit deinem Hund trainierst, wie die Leinenführigkeit, brauchst du einen guten Überblick, was du bereits konkret trainiert hast. 

Faktoren, die sich im Training ändern, sind:

  • Tempo & Erregung
  • Laufmuster (gerade, kurvig)
  • Leinenlänge
  • Strecke
  • Ablenkung
  • Ort und Art der Belohnung
Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

3. Belohne, was du sehen willst

Es fällt uns Menschen oft so schwer, für „nichts“ zu belohnen. Stattdessen setzen wir allzu oft auf Verbote, warten bis die Leine stramm wird, und korrigieren dann den Hund. Vermutlich haben wir alle zu häufig die Erfahrung gemacht, dass das Ausbleiben von Schimpfen genug Lob ist. Andersrum wird es viel leichter, fröhlicher und schöner. Je häufiger du deinen Hund belohnst, desto seltener wird das Ziehen. 

Mit jedem Ziehen und jeder Korrektur weißt du, dass du dein Training nicht optimal geplant und umgesetzt hast und dein Hund und deine Schulter die Leidtragenden sind. 

Achte darauf, dass du im Training sauber und ordentlich belohnst, wenn die Leine durchhängt – auch, wenn es nur ist, weil dein Hund gerade aufgeschlossen hat. 

Wenn du noch mit dem Thema „Belohnungen“ haderst, lies unbedingt diesen Artikel „11 Fragen und Antworten zu Belohnungen im Hundetraining“.

Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

4. Belohne, wo dein Hund laufen soll

Wo Belohnungen hinwandern, ist es attraktiv. Dein Hund hält sich gerne dort auf. Wo willst du ihn häufiger haben? Dort gibt es die Belohnung. Bei uns fallen die Belohnungen neben mir zu Boden, fliegen hinter mich, werden gefangen oder was auch immer. 

Ich habe im Übrigen keine Angst, dass meine Hunde dadurch mehr vom Boden fressen. Wer dir diesen Mythos erzählt, hat wenig Ahnung von Hundeverhalten. Mehr dazu kannst du hier nachlesen „Anti-Giftköder Training – Trainingskonzepte betrachtet“!

5. Überlege dir, WO du Leinenführigkeit trainieren willst

Ehe du jetzt losrast, um immer und überall an der Leinenführigkeit zu trainieren, obwohl dein Hund noch andauernd an der Leine zerrt, mache dir einen Plan, wo du wirklich IMMER üben kannst. Statt direkt alles zu ändern, ändere erst einen Teilabschnitt eurer täglichen Runde. 

Läuft der Abschnitt richtig gut, kommt ein weiterer hinzu. In meinem 4-Wochen-Plan für gute Leinenführigkeit zeige ich dir, wie du auf der ersten Strecke Belohnungen minimierst und wann es Zeit für weitere Abschnitte ist.

Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

6. Sei eine achtsame Bezugsperson an der Leine

Du willst nicht von deinem Hund gezerrt werden, also tue du es auch nicht! Kündige deinem Hund 2-3 Sekunden vorher an, ehe du die Richtung wechselst, stehen bleibst oder andere Änderungen machst, die für ihn eine Veränderung bedeuten. Sprich ihn dafür laut und deutlich an.

7. Verändere von Training zu Training minimal

Damit dein Hund von Anfang an lernt zu differenzieren, dass es um den Radius der Leine geht, verändere von Mal zu Mal eine Kleinigkeit. 

Einen Tag gehst du langsamer, einen flotter. Einen Tag marschierst du geradeaus, einen anderen schlenderst du mehr in Bögen. Einmal ist die Leine 3 Meter lang, einen andern 2,5 Meter. 

Achte darauf so zu belohnen, dass dein Hund keine Fehler macht und früh zu bestätigen, was du sehen willst.

8. Spiele mit der Erregung

Schnelles Gehen, geradeaus marschieren, Belohnungen, die fliegen, all das erhöht die Erregung. Je höher die Erregung, desto schwerer die Leinenführung. Achte darauf, dass du mit der Erregung spielst, deinen Hund aber immer in dem Maß hältst, dass das Training Erfolg zeigt.

Nutze dafür die „Laufmuster“ die ich dir hier im Kontext von Hundebegegnungen vorgestellt habe

Dein Hund zieht an der Leine - 11 Tipps für die Leinenführigkeit

9. Leinenführigkeit braucht Abwechslung

Ich kombiniere bei meinen Trainings super gerne die Leinenführung mit einem Rückruftraining oder Spiel- und Freilaufabschnitten. Damit können wir während eines Trainings viel üben und der Hund hat immer Pause und Abwechslung von dem Vorherigen.

10. Gelassenheit auf beiden Seiten ist gefragt

Wenn du dir mehr Gelassenheit beim Leinenspaziergang wünschst, schau unbedingt noch in meinem Artikel „12 Tipps für mehr Gelassenheit an der Leine“ vorbei. 

Gelassenheit entsteht ganz automatisch, wenn ihr beide die Leine nicht mehr als „Übel“, sondern als nützliche Sicherung anseht und euch auch so verhaltet. Schlendern, schnüffeln und Spaß haben hilft!

11. Führe ein Trainingstagebuch über deine Leinenführigkeit

Mache dir jeden Tag Notizen. Wann und wo ihr trainiert habt und was dabei rausgekommen ist. So achtest du darauf, dass du alle Faktoren bedenkst und fair trainierst. In meinem Kurs bekommst du nicht nur tolle Tipps und konkrete Anleitung für deine Leinenführung, sondern auch ein Trainingstagebuch zum Runterladen und Ausfüllen.

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Meine Hunde lieben den Freilauf, das Umhertollen auf Wiesen und Feldern, das ungebremste Flitzen durch den Wald. Keine Frage: Ohne Leine ist der Spaß vorprogrammiert. Der Umkehrschluss daraus ist jedoch nicht, dass das Laufen an der Leine gleichbedeutend mit Langeweile oder Stress ist.

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