Tipps zum Umgang mit freilaufenden Hunden

Der tut nix – Tipps zum Umgang mit freilaufenden Hunden

Hast du eine Hitliste der Lieblingssätze? „Der tut nix“ ist dabei ebenso weit oben auf meiner, wie „Is’ das ‚n Rüde?“ oder „Die müssen sich nur kennenlernen, dann passt das“. Ich bin mir sicher, du kannst diese Liste erweitern. Meistens werden sie ausgespuckt, wenn freilaufende Hunde ungebremst auf dich zu rollen. 

Früher habe ich mich darüber geärgert, heute gehe ich anders damit um. Wie, das kannst du hier nachlesen:  „Schussfest statt schlagfertig – Mein Umgang mit anderen Hundehalter:innen“. Ich bleibe bei mir und meinen Hunden und beginne die Situation einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. 

Ohne Vortraining wirst du die plötzlichen Begegnungen nicht rocken

Oh ja, ich weiß, dass ich mit diesem Satz viele vergraulen werden, aber ganz ehrlich: Es hilft dir nichts, auf die Rücksicht von anderen zu pochen oder auch auf ihr Verantwortungsgefühl. Es hilft nur, dass du vorher dein Bestmögliches tust, dich auf alle kritischen Situationen vorzubereiten und zu trainieren. Solange du in die Situationen kommst und unvorbereitet bist, wird es dir damit nicht gut gehen. Sie werden dich und deinen Hund stressen, den sorglosen „Die machen das unter sich aus – Hundemenschen“ nicht. 

Wenn du jetzt sagst, dass du ja NUR mit diesen Begegnungen ein Problem hast, heißt es, dass du eine Aufgabe hast, vor der Situation zu lernen, managen und trainieren. 

Tipps zum Umgang mit freilaufenden Hunden

Ein Restrisiko bleibt immer bei freilaufenden Hunden und Hundebegegnungen

Auch das will kaum jemand hören, wo Individuen aufeinandertreffen, bleibt die Gefahr von Fehlern, Auseinandersetzungen und Konflikten. 

Du erhöhst das Risiko meiner Meinung nach, wenn du in den Begegnungsmomenten selber aggressiv auftrittst, die Situation durch deine Körpersprache „klären“ und deinen Hund durch Abblocken des anderen beschützen willst. Mehr kannst du in meinem Artikel „Darf man Hunde blocken?“ lesen. 

Je mehr du dich darauf konzentrierst zu atmen, die Schultern zu senken und die Werkzeuge und Signale aus deinem vorher stattgefundenen Training anzuwenden, desto besser wirst du die Situation entschärfen können. Wenn dein bisheriges Training auf Unterstützung, statt auf Korrektur gesetzt hat. Wie du dein Training startest, wenn dein Hund an der Leine aggressiv auf andere reagiert, kannst du im Artikel „Aggressiver  Hund an der Leine- So startest du dein Training“ nachlesen. 

Was du tun kannst, wenn du freilaufende Hunde siehst und keinen Kontakt haben willst: 

Weiche aus, wenn du freilaufende Hunde siehst. 

Safety first, wenn freilaufende Hunde für euch ein Problem darstellen, weiche aus. Gehe idealerweise nicht dort, wo Freilauf gerne gesehen oder üblich ist, sondern verlege dein Gassi dorthin, wo ihr wenig freilaufenden Hunden begegnet. Wie du dich verhalten kannst, wenn einer zu nahe kommt, kannst du hier nachlesen „Sieben Dinge, die du tun kannst, wenn freilaufende Hunde in euch reindonnern“.

Bleib bei dir und deinem Hund – andere Menschen und ihre freilaufenden Hunde interessieren dich nicht. 

Versuche nicht den Hundemenschen auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Unterstütze deinen Hund. Was habt ihr schon gelernt? Welche Signale kannst du deinem Hund geben, die ihn dabei unterstützen, aus der Situation mit dir rauszugehen? Es ist nicht schlimm, wenn diese noch nicht zu hundert Prozent sitzen. Gib sie dennoch! 

Tipps zum Umgang mit freilaufenden Hunden

Leinenführigkeit, Leinenhandling und vor allem locker lassen. 

Oh ja, das ist mega schwer, wenn beide Enden der Leine angespannt sind. Du weißt, dass du noch Trainingsbedarf hast, das hilft dir in dem Moment nicht. 

Dein Leinenhandling solltest du immer wieder außerhalb der Situation üben und die Leinenführigkeit mit deinem Hund ebenfalls. Je gestresster oder angespannter dein Hund ist, desto schwerer fällt ihm der Spaß. Wenn dich das Thema interessiert, lies gerne im Blogartikel „8 Tipps für die Leinenführigkeit bei Angsthunden“ weiter. 

Solange dein Hund in den Momenten an der Leine zieht und zerrt, tue Folgendes:

  • Sprich deinen Hund freundlich an. 
  • Bleibe stehen. 
  • Drehe dich in die Richtung, in die du gehen willst. 
  • Lasse die Leine dabei 2-3mm nach.
  • Halte sanft, aber konsequent gegen, wenn dein Hund weiter nach vorne geht und wiederhole das Spiel. 
  • Schafft dein Hund, sich minimal vom anderen Hund abzuwenden, lobe ihn oder belohne auch anders, wenn der andere nicht zu nahe ist.

Bei diesem Ausbremsen und Gegenhalten geht es immer um wenige Millimeter. 

Wenn dein Hund und der freilaufende Hund bereits im direkten Kontakt sind, konzentriere dich auf deinen Atem und das Lockerlassen und Wegdrehen. JAAAA, super schwer – weiß ich, es ist das Beste was du zum Deeskalieren machen kannst. Mehr dazu kannst du auch in meinem Artikel „Warum Kontakt an der Leine nicht tabu ist“ nachlesen. 

Es geht darum, die Situation zu entspannen und den beiden Hunden die Möglichkeit zu geben in ihrer Sprache zu kommunizieren. Mein Mantra ist in dem Moment im Übrigen Folgendes: Ausatmen, wegdrehen und über die Schulter im Auge halten, loben oder mein Entspannungssignal geben. 

Das Entspannungssignal fährt für kurze Momente die Erregung deines Hundes runter und lässt ihn einmal durchatmen. Es ist kein Allheilmittel, aber ein tolles Instrument. Selbst wenn du kein gezielt aufgebautes Signal hast, hast du sicher ein unbewusstes. Gibt es etwas, was du zu deinem Hund sagst, ehe ihr kuschelt oder sonst irgendwie entspannt? Nutze es. 

Bedanke dich bei rücksichtsvollen Bezugspersonen von freilaufenden Hunden. 

Wenn jemand Rücksicht nimmt und achtsam genug ist zu sehen, dass der freilaufende Hund rangenommen oder angeleint wird, bedanke dich bitte. Auch, wenn du es als Selbstverständlichkeit empfindest, viele Menschen wissen nicht, dass Hunde nicht grundsätzlich Bock auf andere Hunde haben. Sie denken, dass Nahkontakte grundsätzlich gut und richtig sind. Je mehr wir diejenigen, die rücksichtsvoll sind sehen, desto schöner wird es für beide Seiten. 

Wenn du im Übrigen die gelbe Schleife an deinem Hund befestigst und die Aktion Gulahund unterstützt, könnten es schon bald mehr sein, die aufeinander achten. In meinem Artikel „Die gelbe Schleife am Hund – Was bedeutet das?“ erfährst du mehr.

Tipps zum Umgang mit freilaufenden Hunden

Das Vortraining für Begegnungen mit freilaufenden Hunden

Egal um welches Thema rund um deinen Hund es geht, du brauchst ein gutes systematisches Vortraining und dafür reicht nicht der kleine Kurs in der Hundeschule. Ich betrachte es wie beim Autofahren. Nicht, dass dein Hund ein Auto wäre, es geht mir um dich als Lenkende:n. Die Fahrschule ist für die Regeln und Grundkenntnisse da, die Praxis lernst du im Alltag, die Erfahrung kommt mit der Zeit und auch die Fahrlässigkeit der Routinen und der Stress bei veränderten Verkehrsregeln. Und trotzdem hast du keine Sicherheit, dass du nicht etwas übersiehst oder der andere die Regeln verpennt. 

Das 1×1 für entspannte Begegnungen mit freilaufenden Hunden ist für mich:

Körpersprache lesen lernen bei freilaufenden Hunden und ihren Menschen.

Eine freundliche Annäherung habe ich dir im Artikel „Hundekontakte hinterfragt“ beschrieben. 

Grundsätzlich gilt, wenn der andere Hund sich so nähert, weiche aus oder kehre um, bis du ausweichen kannst:

  • steife Körperhaltung
  • geradlinig und direkt von vorne
  • guckt gar nicht zu euch, nicht für einen Wimpernschlag
  • fixiert euch, der Kopf ist abgesenkt und die Augen verengt
  • bellt
  • drückt die Gelenke durch
  • hat eine Piloerektion (auch Bürste genannt)
  • legt sich in Sphinx-Haltung hin und schaut euch an


Außerdem achte auf die Aktionen des Menschen. Das sind meine Warnsignale zum Ausweichen:

  • Das Gesicht wird hart.
  • Der Schritt wird steifer.
  • Wir werden länger oder gar nicht mehr angeguckt.
  • Der Hund wird überschwänglich auf uns aufmerksam gemacht.


Bei Hunden, die uns an der Leine begegnen, achte ich noch auf die Leinenführigkeit. Nimmt der Mensch den Hund stramm, ruckt oder der Hund zieht und zerrt, mache ich gerne einen großen Bogen. 

Viel wichtiger, als die anderen sind für mich jedoch die Signale, die mein bzw. dein Hund zeigt. Als seine Bezugspartnerin bin ich achtsam gegenüber seiner Kommunikation und seine Reaktion auf freilaufende Hunde verrät mit eine Menge. Die Körpersprache des eigenen Hundes zu kennen, hilft dir:

 

  • achtsam mit seinen Emotionen zu sein.
  • eigenständige Deeskalation zu fördern.
  • das Gegenüber aus seinen Augen zu sehen.
  • Überforderung zu vermeiden.
  • nicht dauernd gedanklich bei der Umwelt, sondern bei euch zu sein.

Auf diese Signale achte ich bei meinen Hunden, wenn wir freilaufenden Hunden begegnen.

Sobald meine Hunde Anzeichen von Überforderung zeigen, weiß ich, dass ich die Situation aufmerksam beobachten und vielleicht auch unterstützen muss. Neben den Anzeichen aus dem Artikel „15 Anzeichen, an denen du Überforderung beim Hund erkennen kannst“ , achte ich bei meinen Hunden vor allem auf:

 

  • Erhöhte Körperspannung – Indizien dafür sind ein steifer Gang, eine am Zahn klebende Lefze, durchdegrückte Gelenke.
  • Blicke zum anderen – Meine Hunde dürfen andere Hunde in einem bestimmten Maße beobachten. Auf das „Wie“ kommt es an. Wenn sie mit einer weichen Körpersprache zusehen, lasse ich es zu, solange der andere nicht mit Anspannung darauf reagiert. Gerät eine der beiden Seiten ins Starren – ins sogannte „Fixieren“, dann greife ich freundlich und strukturiert ein.
  • Ausführung von Lieblingssignalen oder Reaktion auf das Markersignal – Solange meine Hunde in gewohnter Zeit auf ihr Umorientierungssignal reagieren können, ohne dass ihre Erregung steigt, den Handtouch machen oder nach dem Markersignal erwartungsvoll einer Belohnung entgegenblicken, weiß ich, dass der andere sie nicht stark beeinträchtigt.
Tipps zum Umgang mit freilaufenden Hunden

Ein Umorientierungssignal.

Das Umorientierungssignal ist ein echter Allrounder. Systematisch und gut trainiert bringt es deinen Hund in fast allen Situationen dazu den Kopf leicht abzuwenden. Es wird häufig mit dem „Schau“ verwechselt, doch anders als beim „Schau“ muss der der Hund nicht in deine Richtung sehen. 

Was das bringt?

  • Deeskalation gegenüber anderen Hunden, ohne ihnen den Rücken zudrehen zu müssen. 
  • Verlangsamen im Laufen.
  • Vorbeugen des Losstürmen.
  • Erhöhte Aufmerksamkeit in deine Richtung und damit ideale Vorbereitung auf andere Signale.


Bei uns gehört das Umorientierungssignal daher in jeden Werkzeugkasten und ist Bestandteil des Basisprogrammes von „Ein echtes Team“.

Etwas Entspannendes.

Ich liebe für diese Situationen mein Entspannungssignal. Doch, wie oben beschrieben, kannst du in dem Moment alles nutzen, was dich und deinen Hund zum Entspannen bringt, zum Ausatmen und Körperspannung reduzieren. Das verhindert eine Eskalation nach oben. 

Belohnung für Hingucken!

Oft packen wir schnell alles Gute weg, wenn ein fremder Hund auftaucht. Doch gerade, wenn du Angst hast, dass der andere zu euch kommt, achte darauf die Stimmung gut zu halten. Belohne deinen Hund dafür, dass er den anderen bemerkt. Lediglich wenn der andere nur noch wenige Schritte entfernt ist, würde ich nicht mehr etwas zwischen die Kandidaten werfen.

Tipps zum Umgang mit freilaufenden Hunden

Trainiere mit dir wegzugehen.

Je mehr dein Hund gelernt hat, dass er in schwierigen Situationen von dir für das Mitlaufen mit dir belohnt wird, desto eher wird er es tun und den anderen links liegen lassen. Ich habe dafür ein „ich gehe“ Signal und nutze den Handtouch. In Kombination mit dem Umorientierungssignal wird es noch einfacher. Du kannst es simpel mit deinem Leinenführigkeitstraining auf verschiedenen Erregungsstufen üben.

Vortraining für mich.

Atmen, Leine locker, Leine ggf. fallen lassen (wenn mein Hund einen Rückruf hat und die Situation sicher genug ist) und eine entspannende Körperaktion. Das kann zum Beispiel das Hochziehen und fallen lassen der Schultern sein oder das Ballen der Fäuste und dann loslassen.

Die Herausforderung für dich bei deinem Training! 

Ich weiß, dass viele jetzt denken: Klar, als würde das in der Situation helfen, meiner kann in der Situation doch gar nicht…. 

Gehörst du auch dazu? Ich verstehe dich. Wir Menschen denken in Problemen und nehmen unsere Erfahrungen als das Resultat für das nächste Mal. Doch hier geht es um Vortraining! Und Training bedeutet Lerngelegenheiten für erwünschtes Verhalten schaffen, diese nach und nach an die „Echtsituation“ anpassen und dann umsetzen. Training verändert Resultate! 

Gehörst du zu denen, die Gelerntes in den Situationen nicht anwenden? 

Wenn das der Fall ist, weil du Angst hast, dass du deine Signale kaputt machst, sie noch nicht funktionieren oder die Umsetzung nicht perfekt wird, dann kann ich dich beruhigen. Wir trainieren so ordentlich, damit wir bei der Anwendung gute Chancen haben und wenn etwas nicht klappt, ist es nicht kaputt. Du hast einfach weiteren Trainingsbedarf. Solange deine Signale nicht über Druck und Zwang aufgebaut sind, machst du damit die Situation nicht schlimmer und auch nichts kaputt.

Wenn du nicht anwendest, weil es dir im Stress nicht einfällt, dann hilft es dir an vielen Orten und unter verschiedenen Erregungszuständen zu trainieren. Bringe dich aus der Puste, suche dir Orte, an denen du dich nicht mehr ganz wohl fühlst, übe dort für kurze Zeit und feiere deine Erfolge. Das schützt dich vor dem Black-Out!

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