Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

Wie oft du Begegnungen trainieren solltest

Quantität oder Qualität

Hast du dir die folgenden Fragen auch schon gestellt?

Allen Begegnungen aus dem Weg gehen?

Täglich üben? Situationen suchen?

Wie findest du das richtige Maß für dein Begegnungstraining?

Wir verraten es dir! Höre gern rein oder lies das Transkript.

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Transkript zur Podcast Episode

#33 Wie oft du Begegnungen trainieren solltest – Quantität oder Qualität

 

[00:00] – Anja

Ein großes Hallo!

Wie schön, dass du wieder mithörst. Wir ergänzen in dieser Podcast Episode das Thema der letzten Male und widmen uns wieder den Hundebegegnungen. Du hast schon einen Einblick bekommen, warum Probleme mit Begegnungen entstehen können, wie du in dein Training einsteigst und was du selbst für dich in diesen Situationen tun kannst.

Anne, was haben wir diesmal Schönes für unsere Zuhörer?

[00:31] – Anne

Wir haben für unser:e Hörer:innen den Begegnungstraining „Do it yourself“ Guide, zu dem du dich kostenfrei anmelden kannst.

Er ist kostenfrei. Wir weisen dich zwar auf Angebote von uns hin, aber darin findest du eine Anleitung, wie du richtige Orte findest und welche Konzepte du auch ganz ohne Trainer:in an deiner Seite ergänzend zu deinem Hundetraining mit Trainer:in mit Betreuung eben machen kannst, damit dein Hund und du schöne gute Lerngelegenheiten im Alltag finden.

[01:11] – Anja

Ja, und ich kann euch sagen, das sind wirklich sehr wertvolle Inhalte, die wir dir zur Verfügung stellen.

Kommen wir zurück zu unserem Thema oder wir sind eigentlich schon mittendrin – Hundebegegnungen.

 

„Viel hilft viel“ im Begegnungstraining? – Ein klares NÖ

 

Die Hundedichte wird immer größer. Es gibt immer mehr Hunde. Das heißt, es ist naturgemäß schwer, Hundebegegnungen zu vermeiden. Man kann es fast gar nicht verhindern, außer man wohnt sehr, sehr abgelegen. Dann könnte man für das Training zu den Hundebegegnungen sagen „viel hilft viel“ oder Anne?

Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

[01:49] – Anne

Erstmal auf deine Frage ein klares Nö!

 

Qualität, statt Quantität bei den Begegnungen

 

Und dann möchte ich ein kleines Stück zurückgehen. Natürlich kann ich nicht alle Hundebegegnungen vermeiden, aber ich kann die Anzahl schon ein Stück weit regulieren. Also ich kann die Wahrscheinlichkeit für viele Begegnungen, für wenig Begegnungen, für keine Begegnung erhöhen bzw. verringern. Damit, dass ich schaue, um welche Uhrzeit gehe ich, wo gehe ich, wie gehe ich? Also da kann ich schon eine ganze Menge machen. Aber du hast ja gefragt „viel hilft viel“, auf keinen Fall. Also es geht definitiv nicht um die Quantität deiner Begegnungen, sondern es geht um die Qualität deiner Begegnungen.

Es bringt auf keinen Fall was irgendwo hinzugehen, wo wirklich sagen wir mal Hunde Flatrate ist, wo die ganze Zeit einer nach dem anderen an dir vorbeimarschiert. Wenn du und dein Hund es noch nicht durchhalten könnt und dabei deinen Hund in Verhaltensweisen kippt, die du gar nicht sehen möchtest.

[02:50] – Anja

Also wir brauchen qualitätsvolle Lernsituation.

Du hast anfangs schon erwähnt, wie man das machen kann. Kannst du da noch was ergänzen? Also welche Überlegungen sollte man unternehmen, wenn man mit dem Hund rausgeht?

Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

[03:07] – Anne

 

Schau dir genau eure Situation an

 

Ich finde es wichtig, dass man sich überlegt, in welcher Verfassung sind wir heute? Sowohl ich, als auch mein Hund. Was haben wir heute schon alles erlebt? Was haben wir heute vielleicht noch vor uns? Also kommt noch irgendwas. Kommt die Schwiegermutter zu Besuch? Muss ich zum Tierarzt? Bin ich vielleicht selbst gestresst, angespannt? Muss mein Hund nach dem Spaziergang müde sein im Sinne von entspannt gelassen, weil ich danach vielleicht im Homeoffice eine Konferenz habe oder wie auch immer.

Und sich das ganz bewusst zu machen, wie sieht denn der Rest des Tages aus? Wie sah der Tag bis hierhin aus? Welche Ressourcen brauche ich bei mir und bei meinem Hund noch? Und dann einfach schauen, mache ich es einfach oder mache ich es uns schwer? An der Stelle ein etwas unbeliebter Satz, den wir immer mal wieder sagen „Gassi gehen ist eine Modeerscheinung der 1980er und 90er Jahre“. Bis dahin war Gassi gehen überhaupt nicht so üblich. Und du kannst z.B. ja eine ganze Menge verändern oder beeinflussen, wenn du sagst „Hey, es geht gar nicht um das Gehen, sondern es geht, um gute Zeit draußen miteinander zu verbringen und ich brauche heute meine Energie noch da und dafür.“

Ich bleibe stationär. Ich such mir ein schönes Feld, eine schöne Wiese und die erkunden wir ganz in Ruhe gemeinsam oder ich suche mir einen schönen Waldabschnitt, da erkunde ich gemeinsam mit meinem Hund, weil dort eben nicht zu viele sind. Das ist eine sehr schöne friedliche Stelle für mich und mein Hund und ich gehe gar nicht so viel, sondern ich gehe da hin, verbringe dort Zeit und ich gehe zurück. So, damit kann ich ja schon mal eine ganze Menge regulieren. Umgekehrt kann ich auch sagen „Nein, heute haben wir die Energie, wir haben die Kraft, wir sind gelassen, wir haben auch Zeit, ich habe Bock, was mit meinem Hund zu trainieren. Jetzt suche ich mir wirklich Stellen, wo andere Hunde sind und kann dort üben und die Stellen so gestalten“.

Das erklären wir dir auch nochmal im Trainingsguide und haben wir auch in vorangegangenen Podcasts schon ein bisschen nähergebracht.
Dir Trainingsgelegenheiten so zu suchen, wie du sie gerade brauchst:

Möchte ich anderen ausweichen?

Möchte ich andere beobachten? 

Möchte ich andere passieren? 

Möchte ich anderen hinterherlaufen? 

Und das dann eben geregelt machen. 

Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

[05:25] – Anja

Ich kann darüber, dass ich ein bisschen plane, wann ich gehe, wo ich gehe und wie lang ich vorhabe unterwegs zu sein und was mein Ziel des Spaziergangs ist, doch schon einiges beeinflussen, wie viel Hundebegegnungen ich habe und wie qualitätsvoll sie sind.

 

Definiere das Ziel deines Spazierganges

 

[05:44] – Anne

Und für all diejenigen, die unter euch nicht so gerne planen, wenn Vorplanung nicht so deins ist, dann mach es doch anders und mach dir in dem Moment, wo du mit deinem Hund starten willst, einmal in fünf Atemzügen beim Schuhe zubinden bewusst, wie ist heute meine Verfassung, was denke ich, wonach ist mir heute. Und dann trifft deine Wahl, so gut es eben in der Situation geht.

[06:09] – Anja

Ja, ein wesentlicher Punkt. Es braucht keine tagelange Vorbereitung. Es ist eine einfache kurze Checkliste, die du in Gedanken durch gehst. Du fühlst dich jetzt in der Lage spazieren zu gehen. Du ziehst dir die Schuhe an und sagst „Okay, welche Zeit haben wir? Jetzt sind alle unterwegs. Ich nehme die Strecke, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ich nicht so viele Begegnungen habe“.

[06:31] – Anne

Oder ich bleib heute eher stationär. Oder Mensch, das erste Stück ist immer schwierig, da habe ich heute überhaupt keine Lust drauf. Heute mache ich das mal mit Vollgas und jogge da mehr oder weniger durch. Weil ich es dann einfach schnell hinter mir habe und dass wir das gut können.

Und dann nehme ich mir so richtig Zeit, da wo ich durchatmen kann. Und morgen habe ich vielleicht wieder Lust, das erste Stück ganz in Ruhe zu trainieren und dann mach ich das. Ich würde gerne an dieser Stelle eine Sache sagen, die mir ganz wichtig ist. Das gilt sowohl dann, wenn dein Hund Angst oder Aggressionsverhalten zeigt, wenn er andere Hunde, Menschen, Autos sonst wie sieht, als auch wenn du das Gefühl hast, er will immerhin, weil er das so toll findet. Du kannst ihn aber nicht immer hinlassen. Ich erlebe häufig, dass jemand mir sagt „Ja, das Problem hat ja gar nicht der, der findet die Begegnung ganz großartig, der will ja unbedingt hin. Aber für mich sind sie doof“. Erstens mal, wenn es für dich doof ist macht es keinen Sinn, dass du da immer wieder sehend rein rennst. Und andererseits, wenn du deinen Hund dann nicht hinlässt, wenn der nicht noch nicht gelernt hat, dass nicht immer Kontaktaufnahme möglich ist, dann frustriert ihn das und diese Frustration des Hundes, gerade bei jungen Hunden, erleben wir das ja sehr, sehr viel, dass sie als Welpen überall hindürfen, dann kommt so langsam die Jugendentwicklung, dann dürfen sie nicht hin.

Wir denken in unserem Schulsystem. Jetzt muss er sich aber langsam zusammenreißen können und gerade in der Jugendentwicklung fällt es ihm halt besonders schwer. Und aus diesem dann an der strammen Leine vorbeiziehen oder plötzlich nicht mehr hinlassen, ohne den Hund neue Strategien beizubringen, wird häufig daraus dann die Leinenaggression. Das heißt auch in dem Alter oder gerade in dem Jugendentwicklungsalter, wo sich das so wandelt, ist weniger, wirklich mehr. Und in diesem Alter bin ich sogar ein großer Fan von, diesen Reizen mehr oder weniger komplett aus dem Weg zu gehen.

Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

[08:25] – Anja

Wenn es jetzt doch mal nicht funktioniert. Es so gefühlt wirklich in die Hose gegangen ist. Ist denn dann alles verloren? Ist das Training bis dahin umsonst gewesen?

 

Was wenn das Training mal in die Hose geht?

 

[08:37] – Anne

Nein, definitiv nicht.

Wenn du mit deinem Hund regelmäßig stetig in einer Richtung trainierst und nicht dauernd die Werkzeuge, die Tools, die Methodik wechselst und du merkst, dass ihr eine Tendenz entwickelt, auch dazu gab es schon eine Podcast Episode von uns, sie heißt „Woher du weißt, dass du auf dem richtigen Weg bist“. Dann verändert sich die Struktur des Gehirns insofern, dass mehr Synapsen gebildet werden, dass bestimmte Schaltkreise immer enger miteinander vernetzt werden und der Hund immer schneller und besser auf diese Wege zurückgreifen kann.

Und wenn euch jetzt richtig was schiefgeht, dann sind ja nicht die vorhandenen gegangenen Wege zerstört, sondern es sind neue Synapsen gebildet, die aber noch lange nicht so ausgeprägt sind. diese Wege im Gehirn sind noch lange nicht so ausgetrampelt und noch nicht so gut genutzt, d. h. du machst damit gar nichts kaputt. Aber je häufiger dir das passiert, desto mehr werden diese Wege im Gehirn eben auch ausgetrampelt und du musst schauen, dass du nicht hinterher zwei Schnellstraßen hast. Denn dann wird beides gleich gut oder gleich schlecht funktionieren. Und der Hund wird dann immer das wählen, was für ihn leichter, schneller umsetzbar ist. Für was er weniger Energie auch im Gehirn zum Nachdenken – Was soll ich denn jetzt tun, etc. – braucht.

Und deswegen ist es so wichtig, dass du an der Stelle schaust, dass es dir nicht so häufig passiert und wenn es dir passiert, dass du dann wirklich noch das Beste aus der Situation machst. Also wenn dein Hund ausgeflippt ist z.B. und hat tobend auf den Hinterbeinen gestanden und du hast nichts anderes mehr machen können, als die Leine festzuhalten und auszuharren, bis die Situation endlich vorbei ist.

Und am liebsten hättest du den anderen Menschen angebrüllt „Jetzt gehen sie endlich weiter“.

Dann wirklich sobald die Situation halbwegs safe ist, anfangen durchzuatmen, die eigene Wut ausatmen. Du darfst auch mal wie Rumpelstilzchen kurz auftreten und aufstampfen und dann was Schönes mit dem Hund an der Stelle noch machen, was euch wieder in ein Erregungslevel bringt, was für euch beide gut ist, damit ihr den Ort wenigstens gut verknüpft habt und dann vielleicht gucken, ob ihr der Person noch ein bisschen hinterher geht. Das findest du auch bei uns im Trainingsguide. Das ist unsere sogenannte Spionage. Dass du da nochmal schaust, dass du das Beste aus der Situation machst und vielleicht noch so ein bisschen im Nachhinein ein, zwei gute Momente, ein, zwei gute Sekunden mit deinem Hund in der Begegnung einfangen kannst und mit rausnehmen kannst.

Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

[11:25] – Anja

 

Worauf kannst du jetzt achten? Nach den Begegnungen, also in den Pausen zwischen den Begegnungen während eines Spaziergangs?

 

[11:36] – Anne

Innerhalb eines Spaziergangs ist es natürlich super wichtig, dass du schaust:

  • Wie schnell erholt dein Hund sich nach den Begegnungssituationen?
  • Wie schnell tut er wieder die Dinge, die du ihm zurechnest, die er macht, wenn ihm es gut
    geht, wenn er erfreut ist etc.

Je schneller er danach einer Begegnung wieder reinkommt, auch wenn die gut gelaufen ist, desto mehr könnt ihr ja im Prinzip draußen sein. Je länger es danach dauert, bis seine Atmung wieder halbwegs normal ist, er vielleicht wieder fröhlich die Umwelt erkundet, nicht mehr an der Leine zieht, wenn es nicht so gut gelaufen ist etc., desto weniger Zeit würde ich in diesem Umfeld mit ihm verbringen, so dass mal vorweg.

Und je besser die Zeit dazwischen ist, je entspannter die Zeit dazwischen ist, desto angenehmer eigentlich. Was ich definitiv nicht tun würde, ist, dass ich jedes Mal feiere, wenn ich die Begegnungen hinter mich gebracht habe und den Hund direkt nach der Begegnung dann zu ganz viel Interaktion oder so einlade, weil du damit natürlich erstens auch wieder Energie verbrauchst, aber zweitens und das ist viel wichtiger du feierst eigentlich, der andere ist weg. Und das ist ja nicht das, was wir feiern wollen.

Wir wollen nicht, dass dein Hund das Bedürfnis bekommt, dass der andere möglichst schnell weg ist, sondern wir wollen ja, dass er sagt „Das ist vollkommen okay, dass der da ist. Es ist gut, dass der da ist. Ich kann das super gut meistern“. Das heißt, dass du deinen Hund zwischen den Begegnungen möglichst viel in die Umwelt lässt und das tun lässt, was er von allein tut. Aber die Interaktion mit dir relativ, ich will nicht sagen gering ist, aber so viel wie nötig und so wenig wie möglich, sodass er viel seinen anderen Bedürfnissen nachgehen kann. Wenn er gar nicht seinen Bedürfnissen nachgeht, sondern nur in Habachtstellung bleibt, obgleich der nächste kommt und so angespannt bleibt, dann würde ich dieses Setting nicht lange beibehalten.

[13:38] – Anja

Quasi ein Minimalismus.

[13:40] – Anne

Ja. Definitiv!

Also immer bewerten, ist die Zeit dazwischen wirklich für mich und meinen Hund Erholungszeit? Dann kann ich auch mehr Begegnungen stemmen oder bleibt es eigentlich die ganze Zeit angespannt? Ich habe z.B. so eine Strecke, es ist mir früher nie aufgefallen, aber immer, wenn ich die laufe, komme ich danach zu Hause an und denke mir „Oh, wie gut, dass wir hier sind“. Und die Nayeli dreht nach dieser Strecke auch wirklich nochmal zu Hause auf. Und dann weiß ich einfach, die ist für uns beide super, super anstrengend. Und dann verbringe ich dort weniger Zeit bzw. schaue, wie kann ich die Zeit anders gestalten, sodass sie und ich auf dieser Strecke an diesen Stellen eben uns trotzdem zwischendurch immer wieder punktuell erholen.

Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

[14:29] – Anja

Gibt es denn Anhaltspunkte, auf die ich achten kann, woran ich erkenne, dass ich in den nächsten Spaziergang mit Begegnungen gehen kann, also quasi zwischen den Spaziergängen mit Begegnungen?

[14:44] – Anne

Ich finde es super wichtig, dass du dir erst einmal bewusst machst, wie viele gewollte oder ungewollte Begegnungen habe ich denn, dass du dann in dein Begegnungstraining wieder einsteigst, wenn du dazwischen eine Phase hattest,

  • wo dein Hund seine Bedürfnisse befriedigt bekommen hat,
  • wo er sich erholt hat,
  • wo er seine Kräfte aufgetankt hat.

Ich würde z.B. nicht mehrfach an einem Tag Begegnungstraining machen und ich würde z.B., auch wenn ich mich morgens zum Social Work verabrede, vorher den Hund wirklich nur kurz zum Lösen mit rausnehmen, aber nicht da schon so gehen, dass ich relativ viele Begegnungen habe.

 

Die goldene Regel – „Wie oft und wie viele Hundebegegnungen“ – gibt es nicht

 

Das heißt, ich würde immer darauf achten, dass es dosiert ist. Ich finde nicht, dass es da jetzt so eine goldene Regel gibt, wie viel oder wie oft. Sondern dass es ganz wichtig ist, dass wenn ich z.B. mich mit meinem Hund startklar mache, mein Hund nicht stark gestresst ist, ich nicht stark gestresst bin, dass ich Zeit habe, wenn ich eine Begegnung habe und sie vielleicht nicht so super läuft, dass ich dann auch 3 oder 5 Minuten mehr habe, um den Hund wieder an Ort und Stelle runter zu bringen.

Und ich würde sagen, mein Hund sollte sich nach den letzten blöden Sachen mehrere Stunden wirklich erholt haben. Er sollte zur Ruhe gekommen sein. Er muss nicht unbedingt tief und fest mehrere Stunden geschlafen haben, sondern Hunde können sich super erholen, auch wenn sie ruhen, wenn sie aus dem Fenster gucken, wenn sie schöne Dinge machen. Aber dass du da drauf achtest, dass es nicht so ein zack, zack, zack hintereinander weg wird.

Ich merke das bei meinen Hunden schon beim Aufbruch aus der Haustür, wie angespannt wir sind. Und wie es uns geht, sodass sich das da relativ gut dosiere. Wenn es anstrengend für meine Hunde war,

  • weil wir auf einem Seminar waren,
  • weil ich eine Trainingswoche hinter mir habe,
  • weil ich vielleicht eine anstrengende Woche hinter mir habe.

Dann mache ich zwei, drei Tage Pause.

Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

Wenn ich z.B. gestern im Begegnungstraining war und wir haben viel trainiert und es war anstrengend für meine Hunde, dann mache ich vielleicht einen Tag Pause und schaue, dass es meinen Hunden da wirklich, wirklich gut geht. Und ansonsten würde ich halt wirklich immer abwägen.

  • Wie viele Begegnungen habe ich tatsächlich im Alltag?
  • Wie laufen die?
  • Wie intensiv waren die?

Du musst auch nicht Begegnungen einzeln zählen, sondern es gibt Begegnungen, die fallen dir leicht. Ja, das sind meistens die, die wir verdrängen. Wir sagen der flippt bei jedem Hund aus. Und dann sage ich „Ja, guck mal, mit dem Hund hat das jetzt super geklappt“. Und dann sagt ihr mir „Ja, aber das ist ja die Lotta des Nachbarn, das klappt super“. Also Lotta zählst du dann vielleicht nicht mehr mit und andere Hunde zählst du aber mit.

 

Eine Skala hilft

 

Also ich würde mir so ein bisschen eine Skala machen und überlegen wie z.B.

  • eine einfache Begegnung ist eine 1,
  • eine Begegnung, wo ich viel interagieren musste, wo ich meinem Hund mehrere Signale geben musste, damit er da durchkommt, ist vielleicht eine 2,
  • Begegnung, wo ich sogar Verhalten unterbrechen musste, ist vielleicht eine 3

und dass ich mir dann sage „Okay, wenn ich 10 Punkte erreicht habe, dann reicht es für heute oder bei einem anderen Hund, wenn ich 5 erreicht habe“.

Also, dass ich mir wirklich eine Skala mache. So machen wir das auch gerne mit unseren Kund:innen, dass wir mit denen eine Skala ausmachen, wie viel Signale z.B. pro Begegnung die zählen. Wie oft kommt ein Verhaltensunterbrecher zum Einsatz und daran uns einen Maßstab erarbeiten für uns und unseren Hund.

Und das Großartige ist, die Punktzahl bleibt eigentlich die gleiche. Aber die Bewertungsskala, wie viele Punkte gibt’s denn pro, die ändert sich. Also wenn ich keine Verhaltensunterbrecher mehr brauche und hab 10 Punkte, dann kann ich auf einmal 5 zweier Begegnungen haben und vielleicht sind die alten dreier Begegnungen mittlerweile zweier Begegnungen geworden.

[18:45] – Anja

 

Schwarz-Weiß-Denken bringt uns in diesem Fall nicht weiter

 

Wir sollten auf jeden Fall die Sache etwas differenzierter betrachten. Jeden Tag mehrmals zu üben ist auch kontraproduktiv, weil der Hund keine Erholungszeiten hat. Und den Dingen auch ständig aus dem Weg gehen, bringt uns auch nicht weiter.

Wir müssen üben!

[19:03] – Anne

Genau.

Also ich würde sagen, zwei, dreimal die Woche solltest du Begegnungen haben, an denen du gut üben kannst und dazwischen nimmst du den Alltag so wie er ist bzw. so gut, wie du ihn beeinflussen kannst.

Und gerade dann, wenn du so lebst, dass du vielen Sachen sehr aus dem Weg gehen kannst. Es ist wichtig, dass du dich da drinnen nicht einnistest, sondern dann auch wirklich ein, zwei, dreimal die Woche wieder üben gehst, damit dein Hund Fortschritte macht oder dir darüber bewusst bist, dass dein Hund keine Fortschritte machen kann, weil ihr es nicht trainiert.

Das Problem verschwindet nicht, sondern du wirst ihm dann wirklich ein Leben lang aus dem Weg gehen müssen. Auch im Urlaub, auch wenn es zum Tierarzt geht etc. Das heißt, dass ist nicht mein Weg. Es macht schon Sinn, manchmal erst mal zu sagen fürs Management 2-3 Wochen allen Begegnungen aus dem Weg gehen. Erst mal das Händling üben, die Werkzeuge üben, durchatmen, Stress reduzieren, genau hingucken, Lösungen suchen und dann Stück für Stück systematisch wieder einzusteigen.

Und wenn man diesen krassen Einschnitt für 2-3 Wochen macht, ist das großartig, da dass Menschengehirn schon die Erfahrung gesammelt hat. Wir können der Situation doch aus dem Weg gehen. Es ist lästig, es ist aufwendig. Ich kann das nicht auf Dauer jeden Tag. Aber wenn ich morgen Begegnungen trainieren gehe, kann ich übermorgen wieder aus dem Weg gehen.

Häufig ist es so, dass die Leute, die sich mit den Begegnungen schwertun und die einmal festgestellt haben, dass der Aufwand für das – aus dem Weg gehen – viel angenehmer ist als der Stress der Begegnung.

Dann gar nicht mehr in die Begegnung reingehen, das ist in der Tat dann auch schwierig, weil man es eben nicht lernt. Also eine Reflexion ist an der Stelle auch nochmal sehr wichtig.

[20:57] – Anne

Ja!

Wie oft du Hundebegegnungen trainieren solltest

[20:59] – Anja

 

Was magst du uns zu diesem Thema noch unbedingt mitgeben?

 

[21:04] – Anne

Ich möchte dich herzlich dazu einladen, dass du nicht das schnelle Rezept für Begegnungstraining suchst. Wenn jemand dir sagt, gerade noch wieder gelesen hat, man hat mir gesagt – Zug stopp, Halsband drauf oder einfach mal hart durchgreifen, dann regelt sich das von allein. Dass du diese alle Bemerkungen, die auf ein schnelles, ganz egal welchen Weg sie gehen, die auf ein schnelles Rezept setzen, das einfach nur ein Schalter gekippt werden soll, dass du die wirklich in die Tonne klopfst und dir bewusst machst, wie lange dauert es denn bei dir, bis du neue Gewohnheiten etablierst und dir, aber auch bewusst machst das diese neuen Gewohnheiten wie z.B. sag mal dreimal die Woche zum Sport gehen, wirst du nicht etablieren, wenn du es nicht machst.

Also das Mittelmaß, wie immer eine Struktur finden, das heißt sei ehrlich und fair zu dir und deinem Hund und überleg dir:

  • wieviel Lerngelegenheiten biete ich denn tatsächlich?
  • Wie oft hat mein Hund die Lerngelegenheit?

und nicht, wir trainieren da seit 5 Jahren dran.

Wenn du vielleicht in den 5 Jahren aber 3 Jahre der Sache aus dem Weg gegangen bist und in den anderen 2 Jahren jede Woche ein neues Rezept ausprobiert hast, dann wird es nichts.

 

Das heißt, entscheide dich für einen Weg, der sich für dich stimmig und gut anfühlt.

 

Meine Einladung ist es, auf einen Weg zu setzen, der deinem Hund wirklich eine Strategie beibringt, wo du nicht die ganze Zeit in Habachtstellung und korrigierend und regulierend eingreifen musst, sondern der das Ziel hat, dass dein Hund selbst wirksam Kommunikation lernt. Und zwar eine freundliche Kommunikation und lernt, diesen unfreundlichen Sachen aus dem Weg zu gehen und da wirklich dann auch Energie und Zeit zu investieren und dir auch bewusst zu machen.

Es braucht einen langen Atem, es braucht Durchhaltevermögen. Der Weg macht aber schon Spaß und mit jedem Schritt, den du gegangen bist, wird es schon leichter. Das heißt, es ist nicht so, dass du jetzt drei Jahre auf einem Stand bist und dann kommt wieder der Schalter, sondern nein, wenn du den für euch passenden Weg gefunden hast, dann wird dir der Weg Spaß machen. Der Weg wird deinem Hund Freude machen und er wird dir, wenn du dich einmal im Monat hinsetzt und reflektierst, aufzeigen, dass es Stück für Stück voran geht.

[23:36] – Anja

Vielen Dank, liebe Anne.

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Hör mal wieder rein.

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