Spielen zwischen Hunden

Spielen zwischen Hunden

Wann ist es noch Spielen?

Gehen dir manchmal auch so Fragen durch den Kopf, wie…

Wie spielen Hunde miteinander?

Spielen Hunde miteinander?

Wie viel Spiel braucht es?

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Transkript zur Podcast Episode

#38 Spielen zwischen Hunden – Wann ist es noch Spielen?

 

[00:00] – Anne

Heute möchten wir einen Mythos, ein Missverständnis, ein Problem unserer modernen Hundehaltung aufgreifen. Das heutige Thema dreht sich um:

  • Wie spielen Hunde miteinander?
  • Spielen Hunde miteinander?
  • Wieviel Spiel braucht es? 

Dieser Podcast hat nicht den Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit und auch nicht auf den perfekten Input. Denn das Thema „Spiel“ ist noch lange nicht fertig erforscht. Dies vorweg!

 

Wir werden dir an der einen oder anderen Stelle eventuell auf die Füße treten

 

Mir bzw. uns geht es an der Stelle darum, dass wir dir ein paar ganz elementare Erfahrungen von uns wiedergeben, die sich in unseren Beobachtungen immer, immer wieder wiederholen. Sie sind auch in der Lektüre, die wir so allgemein über Hunde, Biologie und Verhalten, lesen eigentlich aus unserer Perspektive sehr klar geschildert. 

Trotzdem ist es etwas, was anecken wird, weil die Masse es eben anders macht. Wir wissen auch, dass wir dich vielleicht an der einen oder anderen Stelle damit  triggern, dir eventuell auf die Füße treten und dich vielleicht sogar als Hörer:in verlieren werden. Ganz ehrlich, dann ist es so. Ich habe einfach an der Stelle keine Lust, um den heißen Brei zu reden. Und es geht. Falls du jetzt denkst – Oh mein Gott, um was geht es heute. Es geht um das profane Thema “Spielen zwischen Hunden”.

[01:36] – Anja

 

Ja, wir lassen die Diplomatie mal draußen

 

[01:40] – Anne

Total gerne! Diplomatie brauchen wir auch nicht immer. Fangen wir mal an.
Anja, was ist Spielen zwischen Welpen?

[01:51] – Anja

Spielen zwischen Welpen ist per Definition ein Üben oder ein Vorbereiten auf eine echte Situation, wie z.B. Beutefang-Spielen ist das Üben von Beutefangverhalten, damit der Hund auch später in der Lage ist Beute zu machen. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Das soziale Spielen, die soziale Interaktion zu üben, sich anzunähern.  

  • Was ist freundlich? 
  • Was ist unfreundlich? 

Wo sind die Grenzen?

Spielen zwischen Hunden

[02:24] – Anne

 

Wodurch zeichnet sich „Spiel unter Welpen“ aus?

 

[02:29] – Anja

Es zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass alle Bewegungsmuster übertrieben sind. Teilweise unvollständig gezeigt werden und dass der Hund Verhaltensweisen aus allen sogenannten Funktionskreisen, also aus allen Bereichen des Lebens zeigt, also Sexualverhalten, Beutefangverhalten – dies kommt sehr häufig vor – und so weiter. Es ist alles sehr übertrieben, teilweise eben nicht komplett gezeigt und es wechselt. Es wechselt sehr stark.

[03:04] – Anne

Es wechselt sehr stark, und zwar wechseln einmal die Funktionskreise, es ist nicht zielgerichtet, sondern es sind wilde Abschnitte verschiedenster Verhaltensweisen, die ganz gemischt gezeigt werden und die mit sehr übertriebenen Gesten gezeigt werden.

Und was wir bei dem Thema Wechseln auch noch mit drin haben, es wechselt sehr stark. Wer, wenn mehrere Hunde zusammen sind, interagiert? Wer macht Pause? Das heißt, es sind immer wieder so kleine Pausen da drin. Dies wechselt sehr stark, ob der eine dem anderen nachsitzt oder umgekehrt. Ob der eine unten liegt, der andere oben. Teilweise schränken sich Hunde selbst in den Bewegungen ein, wenn sie stärker und größer sind. Sie checken immer wieder zwischendurch, durch die kleinen Pausen ab, ob der andere auch immer noch im selben Modus unterwegs ist.

Und ganz klar, sobald einer Angst hat oder Verhalten zeigt, was eben nicht mehr diese Sachen beinhaltet, ist es kein Spiel mehr.

Bist du damit einverstanden, Anja?

[04:10] – Anja

Ja, bin ich. Und, falls du dich fragst, was übertriebene Bewegungsmuster sind. Es ist alles sehr, sehr kurvig.

[04:18] – Anne

Fast ein bisschen wabbelig.

Schau dir mal ein Kind an, wie das von A nach B läuft. Die laufen meistens nicht im geraden Schlurfschritt wie wir Erwachsenen, sondern da Schleudern die Arme, die hüpfen, die können sich gar nicht ganz, ganz schlicht bewegen. Dies bekommen sie erst im Laufe der Schullaufbahn dann eingetrichtert. Oder im Kindergarten vielleicht schon, dass sie sich bitte anständig hinsetzen sollen etc. Jetzt hast du vielleicht schon gemerkt, dass wir die ganze Zeit über Welpen gesprochen haben.

Warum tun wir das, liebe Anja?

[04:54] – Anja

Weil das bei den Welpen tatsächlich so ist, das Spiel diese Funktion hat. Spiel, hat aber im Erwachsenenalter eine völlig andere Funktion.

 

Spielen zwischen Hunden

[05:03] – Anne

 

Die Funktionen im Erwachsenenalter sind noch längst nicht fertig erforscht

 

Was man jedoch weiß, ist, dass Spiel häufig als Konfliktlösestrategie, und wir bleiben jetzt die ganze Zeit bei Spiel zwischen Hunden oder zwischen Bindungspartnern, also Hund Mensch. Aber immer mehrere soziale Wesen spielen miteinander. Wir reden nicht über den Hund, der allein mit einem Objekt spielt. Wir sprechen von Sozialspiel.

Man weiß, dass bei erwachsenen Hunden das Spielen eine Konfliktlösungsstrategie ist und die Vorderkörpertiefstellung, die ja so gerne beschrieben wird, als der Spielbogen, wenn sie mit breiten Vorderbeinen ausgeführt wird. Das geht zurück auf Marc Bekoff, der in seinen Beobachtungen beschrieben hat, dass die Vorderkörpertiefstellung häufig vor dem Spiel zu sehen ist. Und Raymond Coppinger, ein ganz wichtiger Hundeforscher der letzten 30 Jahre, verstarb 2017, der hat geschrieben und entdeckt, dass die Vorderkörpertiefstellung für ihn schlichtweg die Geste ist, wo der Hund am schnellsten in alle Richtungen schnellen kann.

Das heißt:

  • Er kann nach hinten fliehen.
  • Er kann zur Seite springen.
  • Er kann nach vorne springen.
  • Er kann in alle Richtungen weg.

Es ist eine Körperposition mit einer extrem hohen Körperspannung. Er kann von da aus:

  • Schnell in die Attacke.
  • Schnell in die Flucht.
  • Schnell in alles andere.

Und zwar unabhängig davon, ob es mit breiter oder schmaler Vorderpfoten Stellung ist. Und diese Erkenntnisse und auch andere Erkenntnisse wie z.B. von Sergio Pellis, das Buch „The Playful Brain“, darin kannst du nachlesen, dass Spielen häufig der Versuch ist, Konflikte ohne agonistische Verhaltensweisen, ohne Auseinandersetzungen zu klären.

 

Dazu dient das Spielen

 

Somit dient das Spielen: Beziehungen testen, Grenzen testen, lernen wie weit kann ich gehen? Wie weit kann ich den anderen triggern? Wie sehr kann ich dir jetzt hier auf die Füße treten, wenn ich dir sage: „Pass mal auf, wenn dein Hund im Wald in den anderen reinscheppert und eine Vorderkörpertiefstellung macht, kurz bevor er da ist oder wenn er am anderen dran ist?“

Nein, das ist kein vernünftiges Sozialverhalten und der will nicht nur spielen, sondern er hat einen ganz anderen Zweck. Also das dient der Konfliktlösung und das ist auch einer der Gründe, weshalb es häufig so oft kippt und dann eben doch zu Raufereien kommt.

[07:57] – Anja

Vor allem, wenn die Hunde keine Pausen machen. Wir haben es schon beim Welpenspiel erwähnt, dass kurze Pausen sehr, sehr wichtig sind und einem Indiz dafür sind, dass es noch Spiel ist. Sollte sich jemand zurücknehmen, weil z.B. es ihm schlecht geht und macht die Pause, ein anderer geht aber nicht darauf ein, dann kann das Ganze eskalieren und es ist eben kein Spiel mehr.

[08:28] – Anne

 

Aus genau diesem Grund sehen wir jegliche Spielgruppen, Spielwiesen, Tobeplätze, wo Hunde einfach miteinander sich hetzen, sich jagen, im wilden Pulk durcheinander rennen, mehr als kritisch

 

Genauso wie wir es kritisch sehen, dass wir Hunde einfach ineinander reinrennen lassen, um miteinander zu spielen. Für uns sieht ein guter Sozialkontakt niemals nur nach Toben und Spielen aus. Es sind immer viele, viele Bedürfnisse darin, die gefüllt werden. Und eine gute Annäherung an einen anderen Hund ist nie die schnelle frontale, auch nie die, die aus einem hervorschießen geboren wird. Das ist für den anderen immer ein Stück weit bedrohlich.

Wenn du dich mal in den Wald setzt oder auf eine Hundewiese und beobachtest, was da konkret beim Spielen passiert, wirst du ganz viele Konflikte und Stresssignale sehen. Du wirst:

  • in die Luft schnappen sehen.
  • bellen sehen.
  • in was anderes reinpacken sehen.
  • gelartigen, schäumenden Speichel sehen.
  • Niesen hören.
  • eine ganze Litanei an Konfliktsignalen sehen.

Das hat den Grund, dass schlicht und ergreifend das Spiel beim erwachsenen Hund eben nicht mehr rein um des Spielens Willen geht, sondern darum, um Konflikte zu klären.

Spielen zwischen Hunden

[09:56] – Anja

 

Konfliktzeichen

 

Ich habe noch ein Bild im Kopf, du wirst auch vielleicht den einen oder anderen Hund sehen, der permanent die Nase am Boden hat und so tut, als wäre er allein auf dieser Fläche. Das ist auch eindeutig ein Konfliktzeichen.

[10:11] – Anne

Ja, der möchte sich nämlich dann eigentlich entziehen.

Wenn wir uns das Spielverhalten von erwachsenen Hunden ansehen, die sich nicht gut kennen. Gerade dann, wenn du spontan anderen Hunden begegnest und die beginnen miteinander zu spielen und du ganz genau hinschaust, dann wirst du auch sehen, dass bei Hetzspielen, der Gehetzte häufig die Rute sehr eng anzieht. Dass er sich über die Schulter nach hinten umguckt. Dies sind Indizien dafür, dass er sich wirklich gehetzt fühlt. Und das, finde ich, ist ein ganz, ganz wichtiges Merkmal.

In dem Moment, wo du entdeckst, dass einer der Hunde sich nicht mehr wohlfühlt, dass er Anzeichen von Angst, Stress etc. zeigt, weißt du, dass dieses Spiel nicht mehr wirklich Spaß macht. Somit ist es auch kein wirkliches Spiel mehr.

Es ist großartig, wenn Hunde ihre Konflikte auf diese Art lösen. Mega gut. Freut uns total, wirklich. Ganz, ganz ehrlich gemeint. Es ist mir die allerliebste glatte Strategie, um Konflikte zu lösen, miteinander zu spielen und dann in Frieden auseinander zu gehen. Häufig ist es aber Mobbing. Häufig ist es Unterdrückung von Einzelnen und ein Rowdytum der Stärkeren.

 

3 Sachen für dich als Hundehalter:in die du tun solltest, wenn du siehst, dass dein Hund in diese Spiele verwickelt ist oder sie sogar selbst auslöst

 

  1. Bau auf jeden Fall ein sogenanntes Entspannungssignal auf was du deinem Hund geben kannst, mit dem du die Erregung nur ganz kurz runter regulieren kannst, dass wenn du merkst, er fängt an andere Hunde zu malträtieren, weil er einfach zu hoch in Erregung schäumt, dass du ihn kurz runterfahren kannst.
  2. Übe mit deinem Hund, mit seinen Hundekumpels auf jeden Fall Pausen. Ich hatte mal eine Kundin, die meinte – die schlauen Mütter am Spielplatz sind die, die zwischendurch dem Kind mal zurufen, wenn sie sehen, es hat einen ganz roten Kopf – jetzt kommst du mal her, isst ein kleines Stück Apfel und trinkst was, dann kannst du wieder spielen gehen.

Also eine kleine Pause ist ja nicht unbedingt das Ende, sondern es ist einfach eine kurze Unterbrechung, mit der du deinen Hund unterstützt.

  1. Bleibt nicht stehen. Trefft euch nicht an einem Ort, wo die Hunde nicht nur spielen können, sondern geht dahin, wo die Umwelt spannend ist, wo sie viel anderes erkunden können.

Wenn sie die ganze Zeit miteinander spielen und sich aufeinander einschießen, dann stimmt da was nicht. Dann haben die sehr viel miteinander zu klären und können nicht voneinander ablassen. Da sprechen wir jetzt wirklich von dem erwachsenen Hund.

Das heißt, wenn dein Hund erwachsen ist und er will dauernd mit anderen Hunden spielen, dann weißt du schlicht und ergreifend, dass er dauernd Konflikte zu lösen hat.

[13:08] – Anja

 

Die Horrormmeldung für jeden Hundetrainer ist…

 

… „Gestern waren wir dort und dort zum Kaffee trinken. Die Hunde haben drei Stunden miteinander gespielt, ohne Pause, danach war er k.o.“. Ja, das ist aber ein k.o. aus Erschöpfung und ist ziemlich kontraproduktiv.

Und es sollte keine Methode sein, wirklich in keiner Weise genutzt werden, um die Hunde auszupowern.

Spielen zwischen Hunden

[13:38] – Anne

 

Was wir uns wünschen würden…

 

Was wir uns wünschen würden wäre, dass du mit deinem Hund viel mit anderen übst. Der darf ja gerne mit anderen spielen. Meine Hunde spielen z.B. nur noch selten miteinander, aber sie spielen miteinander. Sie sind jetzt allerdings auch schon 10. und 11. Trotzdem spielen sie zwischendurch miteinander. Sie spielen schön miteinander, sie spielen mal Rennspiele, sie erkunden zusammen, dann spielen sie Maulrangeln miteinander. Sie testen auch in der Tat immer noch dabei, wie weit kann ich denn bei dem anderen gehen? Denn Beziehungen sind ja lebendige Prozesse. Die verändern sich, die sind nicht in Stein gemeißelt. Bedürfnisse verändern sich. Und wenn dein Hund mit anderen Hunden spielt, ist es toll.

Was wir wirklich gerne hätten wäre, dass du darauf achtest, dass dein Hund sich aus dem Spiel auch mal abrufen lässt. Dass dein Hund sich im Spiel ein bisschen entspannen lässt und dass der sich auch mit anderen Sachen beschäftigt. Im Übrigen, wenn dein Hund mit fremden Hunden spielt und er ist der Gejagte, dann nutze vielleicht nicht deinen Rückruf. Und auch wenn er steif dasteht und du denkst, das ist keine gute Situation. Nutze nicht unbedingt deinen Rückruf, damit er nicht schnell zu dir kommt und die anderen erst recht getriggert werden, dass sie ihn jagen. Sondern gehe ein Stück weit weg von den anderen Besitzern und mache ihm Angebote, dass er zu dir kommen kann. Nutze aber nicht unbedingt deinen Rückruf.

Ich frage an der Stelle gerne meinen Handtouch ab. Oder sag einfach Mädels, wollt ihr zu mir kommen oder wollen wir hier entlang gehen und drehe mich schon mal in die Richtung. Gehe zwei, drei Schritte in die Richtung, dass ich schon mal das Türchen aufmache, wohin wir gehen. Allerdings rufe ich meine Hunde nicht raus, wenn sie nicht deutlich machen, dass sie von einem anderen weggehen wollen.

Solange sie nicht die Jagenden sind. Das muss ich auch dazu sagen. Wenn ich sehe, dass meine Hunde andere Hunde aufs Korn nehmen, dann rufe ich sehr schnell ab, weil das will ich definitiv nicht. Aber die Mini z.B. ist ja mit ihren 36 / 38 Zentimetern nicht sehr groß. Und wenn da große Hunde nebenstehend oder drüber stehen, mit dem Kopf so ein bisschen von oben auf sie herab gucken. Ich weiß, dass wenn die losrennt, die bei vielen Hunden das Beutefangverhalten triggert. Und wenn ich die jetzt rufe und die kommt Vollgas zu mir, dann triggere ich damit gegebenenfalls, das Beuteverhalten. Und dann sage ich einfach sie wird schon wissen, wann sie sich da wegbewegen kann.

[16:15] – Anja

Ja, in dem Fall sollten wir wirklich darauf achten, dass es in manchen Situationen Gründe hat, warum die Hunde sich gerade nicht bewegen oder langsamer bewegen und dann noch Öl ins Feuer zu gießen….

[16:32] – Anne

Anja, lass uns nochmal auf das Thema Welpenspiel kommen. Welpen spielen gerne. Es gibt Welpen, die spielen auch viel.

 

Wieviel Spiel braucht denn so ein Welpe?

 

[16:45] – Anja

Auch hier gilt natürlich, es kommt immer drauf an. Es gibt da keine pauschale Rezepte zu sagen – okay, der Hund braucht jetzt so und so viel Spiel und so weiter. Worauf wir aber auf jeden Fall achten sollten, ist, dass es auch hier um die Qualität geht und nicht um die Quantität. Wild zusammen gemischte Welpenspielgruppen sind in der Regel keine gute Idee.

Das wars mit der Diplomatie.

Wenn es jetzt nur ums Spiel geht, also wenn man sich wöchentlich oder zweimal die Woche nur um des Spielens Willen trifft, wird dein Hund, nachhaltig für dich, keine guten Lernerfahrungen machen.

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[17:30] – Anne

Dein Hund wird vor allen Dingen lernen, dass Artgenossen zum Spielen da sind und wird später wirkliche Probleme haben mit der Erregung in Anwesenheit von Artgenossen. Er wird häufig in diesen Welpengruppen schon ganz viel unangenehme Erfahrungen sammeln, z.B. wird es den Hund geben, und es fängt häufig schon viel, viel früher an als bei den Welpenspielgruppen. Häufig fängt es nämlich z.B. beim Züchter oder auch im Tierschutz an, wenn die am Welpenring, das ist eine Schale, wo viel Futter für die Welpen drin ist, gefüttert werden. Oder sie an der Zitze der Mutter, bei größeren Würfen auch schon, wer sich am meisten vordrängelt, bekommt am meisten Essen. Wenn du nicht willst, dass dein Hund von vornherein solche Sachen lernt, dann achtest du darauf, dass z.B. Hundefutter bei mehreren Welpen großflächig verteilt ist, dass man da schon gar nicht dieses Bodycheck Thema hat.

 

Und so ist es auch in den Welpengruppen

 

Je mehr Welpen sich da tummeln, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie Strategien lernen sich durchzusetzen, zu rempeln etc. oder auch lernen:

  • Die Rempler tun mir weh.
  • Das ist unangenehm.
  • Das kann ich nicht.
  • Das will ich nicht.
  • Ich will keinen Kontakt zu anderen Hunden.
  • Ich lerne mir die vom Leib zu halten.

[18:52] – Anja

Ich bin in meiner Tätigkeit als Therapie-Hundetrainerin sehr häufig mit diesem Problem konfrontiert gewesen. Denn Menschen, die vorhaben mit dem eigenen Hund in diesem tiergestützten Bereich zu arbeiten, wollen von Anfang an perfekt sein. Sie wollen alles richtig machen und die gehen dann in die Welpenspielgruppen, weil das ja so wichtig ist, weil es einfach noch die allgemeingültige Meinung ist.

Und mehr als die Hälfte der Hunde, die ich betreut habe, im Therapiehundebereich haben wirklich nachhaltig Probleme in Begegnungen mit Hunden gehabt. Sie wurden halt gemobbt. Es waren gute Mobbing-Opfer.

[19:35] – Anne

 

Was kannst du tun?

 

Zum einen kannst du ein toller Spielpartner für deinen Welpen werden und mit deinem Welpen zusammen spielen und spielen üben. Das ist ganz wichtig für eure Beziehung. Dadurch könnt ihr eure Beziehung testen, aufbauen, Körpersprache lernen, ein gutes Belohnungsrepertoire zu haben. Zum anderen kannst du dir einige wenige Hundefreunde für deinen Hund suchen und da gerne, gerne, gerne nicht nur welche, die ihm sehr ähnlich sind. Ich habe z.B. zwei sehr unterschiedliche Hunde und die lassen sich wunderbar, auch früher schon, beim Spielen aufeinander ein. Die haben oft gespielt, die Minnie stand oben auf der Couch und die Nayeli darunter. Oder die haben sich ein ganz enges Fleckchen zum Spielen gesucht. Das heißt, sie haben einfach diese extremen Größenunterschiede gut ausgeglichen und mit einer anständigen Gestaltung der Spielsituation muss der andere nicht dieselbe Gewichtsklasse haben, wenn er vorsichtig ist. Wenn der liebevoll spielt, sage ich mal, achtsam spielt, dann ist das überhaupt kein Problem, wenn er größer oder schwerer ist. Er sollte halt kein Rüpel sein und doppelt so groß und doppelt so schwer sein.

Ich finde an der Stelle, dass es viel, viel spannender ist, wenn dein Hund verschiedene Hunde und Hundetypen kennenlernt. Vom Verhalten, von der Farbe, vom Geschlecht her, mit denen er unterschiedliche Strategien, wie mit dem gehen wir einfach nur spazieren und da wird viel zusammen geschnüffelt, der ist halt so ein Brummbär, der hat keinen Bock zu spielen. Der beißt mich nicht sofort, wenn ich was Dummes mache, sondern der lässt mich einfach so ein bisschen am Buckel runterrutschen. Und dann gibt es da vielleicht den anderen Hund, mit dem gehst du spazieren und die erkunden zusammen. Dann spielen sie einen kleinen Moment miteinander, dann macht ihr ein bisschen Entspannung und dann geht man wieder ein bisschen zusammen in die Erkundung. So dass du einen wilden Mix hast, der ganz viele Komponenten beinhaltet. Aber ich würde keine Spielstunden aufsuchen.

Spielen zwischen Hunden

[21:37] – Anja

Und du siehst schon, die dürfen auch unterschiedlich alt sein. Sie müssen nicht alle im gleichen Alter sein.

[21:43] – Anne

Und es ist natürlich großartig, wenn dein Welpe, dein Junghund ein, zwei Hundekumpels hat, die eben auch in einem ähnlichen Alter sind, mit denen er dann halt auch mal wirklich die entsprechenden Sachen machen kann.

Die Frage ist immer oder unser Wunsch dahinter ist, dass sie gut sozialisiert werden. Und was begegnet ihnen denn hinterher im Alltag viel. Darauf solltest du achten, dass das eben gut sozialisiert ist und gut sozialisiert ist nicht, wenn ich 10 Welpen in einen Haufen schmeiße und die mal kräftig miteinander spielen lasse. Häufig sind 3 schon einer zu viel.

Wenn du unbedingt eine Welpenschule oder -stunde besuchen möchtest, weil du das für elementar hältst, dann sollte diese immer mit dem Erregungslevel enden, was ihr auch beim nächsten Mal am Anfang sehen wollt. Sie sollte gut strukturiert sein, Spielphasen sollten für die Hundebesitzer Körpersprache Übungen Beobachtungsaufgaben sein. Wenn ein Hund das Spielen aufhört und zu seinem Besitzer geht, dann sollte dies das ganz klare Pausen- oder Endsignal für diese Spielsequenz sein.

Du solltest nicht dazu überredet werden, dein Hund im Regen stehen zu lassen und ihn wieder rein zu schubsen. Welpen in der Welpenstunde anbinden, geht für mich gar nicht. Das ist sowas, wo ich ehrlich gesagt leicht hektisch reagiere. Überhaupt Hunde irgendwo anbinden und dann zurücklassen, da reagiere ich ganz, ganz pingelig drauf. Es sollte Lernziele geben, dass wirklich der Trainer oder die Trainerin euch auch klar kommuniziert, wozu machen wir das? Und wirklich, wildes Gespiele miteinander und Raufen untereinander ist nicht zielführend. Das ist nicht das Verhalten, was du später beim erwachsenen Hund in Hundebegegnungen sehen möchtest.

Auch da nochmal, wir haben es in einem der letzten Podcast schon erwähnt, für uns ganz, ganz elementar ist es, dass die Hunde lernen aneinander vorbeizugehen, parallel zueinander zu laufen, miteinander zu laufen und sich an der Leine auch mal freundlich zu begrüßen. Aber auch eben lernen, dass sie eben nicht hin dürfen und dass all diese Sachen auch trainiert werden. Und zwar ohne dass der Welpe total würgend in der Leine hängt und hinreißen will, sondern so, dass es quasi immer ein Erfolg ist.

 

Unser Fazit also für dich ist

 

 …schau beim Spielen genau hin. Wenn dein Hund erwachsen ist, also geschlechtsreif ist, voll geschlechtsreif ist, dann ist Spielen nicht mehr nur um des Spielens Willens, sondern du weißt jetzt, dass dein Hund da vermutlich Konflikte klärt, Grenzen setzt, Beziehung testet und das da immer das Potenzial eben auch für Auseinandersetzungen ist.

Es geht nicht darum, ihnen diese Strategie zu nehmen, sondern diese Strategie in gute Bahnen zu lenken. Und du weißt, dass wildes Spiel mit fremden Hunden tendenziell dazu neigt, zu kippen und auf jeden Fall immer unter den Augen unter der Perspektive von Mobbing, Konflikten oder auch Jagdverhalten zu sehen ist.

Und du weißt, dass du schon bei deinem Welpen die Strategien fördern solltest, die du beim erwachsenen Hund sehen möchtest. Und das ist sicherlich nicht das Hinrennen zu jedem Hund und mit ihm spielen.

[25:22] – Anja

In diesem Sinne freuen wir uns ganz besonders, wenn du beim nächsten Podcast wieder dabei bist, hör mal wieder rein.

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