Ärgere dich nicht über andere Hundehalter

Ärgere dich nicht über andere Hundehalter:innen – Es bringt dich nicht weiter!

Wie du die Welt für dich und deinen Hund besser machen kannst

ARGH, schon wieder dieser rücksichtslose Nachbar! Ärgerst du dich über andere Hundehalter:innen? Siehst du Dinge, die dich aufregen, weil du mit dem Hund mitfühlst? In dieser Podcast Episode erfährst du:
Wieso deine Reaktion normal, aber sinnlos ist.
Was du machen kannst, damit es einen Sinn hat.
Wie du deinem Hund besser zur Seite stehen kannst.

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Transkript zur Podcast Episode

#46 Ärgere dich nicht über andere Hundehalter:innen – Es bringt dich nicht weiter! – Wie du die Welt für dich und deinen Hund besser machen kannst

 

Vor ein paar Wochen habe ich in einem unserer Calls unsere Teilnehmer:innen der Hundetrainerausbildung und von Ein Echtes Team: Hey, was wäre so ein Thema, wo du dir einen Podcast drüber wünschen würdest? Was ist was wo du sagst, das sollten alle Hundehalter, alle Hundehalterinnen berücksichtigen. Und das ist so etwas, was du von und mit uns gelernt hast, sodass du das eben gerne auch weitergeben möchtest. Und da hat eine Teilnehmerin etwas vorgeschlagen, worüber ich mich so gefreut habe, dass das nach ganz, ganz oben auf die Themenliste gerutscht ist. Und das ist der heutige Podcast. Nämlich das Thema „Bleibe bei dir“ bzw. „Ärgere dich nicht über andere Hundehalter:innen.“

 

Warum mir das Thema so wichtig ist

 

Und ja, warum ist mir das Ganze so wichtig? In der Sekunde, wo du dich über andere ärgerst, in der Sekunde, wo du anderen sozusagen den Grund, die Schuld für deinen Ärger, für deinen Gräul gibst. In der Sekunde gibst du ihnen auch die Macht über dich, über deine Gefühle, über dein Wohlbefinden und damit auch über das deines Hundes.

Und das ist total funktionslos, denn du kannst sie ja nicht ändern und du machst dich in der Sekunde zum Opfer der Umwelt. Und wann immer wir Opfer sind, haben wir nicht die Möglichkeit, das Ganze eigenständig zu verändern. Wann immer wir sagen: Hey, ich trage die Verantwortung für die Situation, in der ich mich gerade befinde. Ich bin diejenige, die sich in diese Situation reingebracht hat und auch den Hund mitgenommen hat. In der Sekunde nehme ich dem anderen die Verantwortung, die Macht weg und komme wieder selber ins Handeln.

Jetzt sagst du vielleicht Anne, du bist doch bescheuert? Das ist doch gar nicht so.. Natürlich ärgere ich mich über jemanden, wenn er seinen Hund in mich rein donnern lässt. Und wie soll ich das denn bitteschön ändern? Ich sage nicht, dass du es ändern kannst, dass der seinen Hund in dich rein donnern lässt. Und ich sage auch nicht, dass das okay ist oder dass das gut ist. Ich sage, du kannst ändern, wie du persönlich damit umgehst und was du persönlich daraus machst.

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Wie du da hinkommst…

 

Und das ist eben die Kunst und wie du da hinkommst. Das möchte ich dir heute verraten und möchte dich heute mitnehmen. Dahin, wie ich das mache bzw. wie wir das unseren Kunden und Kundinnen an die Hand geben, was wir konkret mit ihnen da üben, damit das eben in Zukunft anders läuft. Das aller Allerwichtigste vorweg: es hilft dir nicht, dich über den anderen zu ärgern. Also sich einmal kurz Luft zu machen. Klar, das lässt Dampf ab, das reduziert vielleicht die Wut, aber im Großen und Ganzen, je länger du dich mit dem anderen beschäftigst, je länger bist du weg von dir und deinem Hund.

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Das klassische Stresssymptom

 

Je mehr du in Sorge, Wut oder Verzweiflung versinkst, desto länger bleibt die Situation auch unangenehm. Es ist erstmal grundsätzlich normal, dass wir uns ärgern. Vor allen Dingen dann, wenn der andere etwas macht, was uns in eine Situation bringt, in der wir uns überfordert fühlen, in der wir frustriert sind, in der wir uns hilflos fühlen.

Und dann ist das ein ganz klassisches Stress-Symptom, dass wir uns anfangen zu ärgern. Das heißt, es ist Frustration, die hoch poppt, das ist das Stress-System, was was aufgeht und wir fühlen uns vielleicht vom anderen eingeschränkt, blockiert, gemaßregelt. Und ja, das ist total normal, dass da vielleicht im ersten Moment auch mal der Ärger hoch poppt.

Was auch sein kann, was mir sehr häufig passiert ist, dass ich einfach Mitgefühl mit den Tieren hatte, dass ich gesehen habe, da geht jemand mit seinem Hund nicht so um, wie ich mir das wünsche. Oder mit seinem Pferd oder mit seinem Kind, mit seinen Mitmenschen. Er handelt nicht so, wie das zu meinen Werten passen würde. Und dass ich dann einfach für das Tier mit gelitten habe oder eben wahnsinniges Mitgefühl hatte oder für denjenigen, der darunter gelitten hat. Und auch das hilft mir ja nicht weiter.

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Die Leittragenden sind die Hunde

 

Der Klassiker ist, dass wir dem anderen unsere Wut oder auch das, was wir sehen, was uns nicht gefällt, um den Kopf ballern. Und da kann ich dir sagen: Das löst beim anderen in der Regel reflektorisch aus, sozusagen, dass der andere sich peinlich berührt fühlt, dass er sich schämt, dass er sich schuldig fühlt. Jetzt kannst du sagen: Ja, da ist er doch selber schuld. Er hat immerhin sich so verhalten und dann muss er jetzt auch da durch.

Aber was passiert in der Sekunde, wo der andere sich wegen des Hundes, wegen des Kindes, aus seiner Perspektive oder wegen dir aus aus seiner Perspektive schlecht fühlt. Er wird sicherlich nicht freundlicher mit dem Hund, mit dem Kind oder wem auch immer umgehen. Das heißt, du machst ihm unangenehme Gefühle. In der Regel reagieren wir Menschen darauf erst einmal damit, dass wir uns verschließen, dass wir es abwehren, dass wir es nicht wahrhaben wollen und dass wir vielleicht sogar zurückschießen, d. h. die ganze Situation eskaliert immer schön weiter nach oben und in der Regel sind die Leidtragenden die Hunde.

Das heißt, es macht überhaupt keinen Sinn, den anderen zu maßregeln oder an zu pupsen und ihm zu sagen: Hey, lass das! Ich will das nicht. Ich sage damit nicht, dass du keine Grenzen setzen darfst, sondern ich sage einfach: Mach dir bewusst, wenn du dem anderen Vorhaltungen machst, wenn du dem anderen schlechte Emotionen verpasst, dann wird er sicherlich nicht offen und bereit sein, neue Wege zu lernen. Und im Grunde hast du dir für den Moment Luft gemacht. Du hast dir für den Moment Abhilfe, Erleichterung verschaffen. Aber für den anderen war es dann genauso unangenehm.

Für deinen Hund war es unangenehm, für seinen Hund war es unangenehm. Und wahrscheinlich wird die nächste Begegnung dadurch nicht super freundlich super schön, sondern eher noch schlechter.

Es gibt übrigens sehr spannende Untersuchungen im Bereich der Tierwelt, dass das Ausleben von Aggressionsverhalten fördert, dass es häufiger auftritt. Also in der Sekunde, wo wir gerade wütend, aggressiv reagiert haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir es im nächsten Moment wieder tun, größer. Das gilt für unsere Hunde als auch für uns Menschen. Und somit ist es auch da so, dass wir ja nicht nur beim Hund drauf achten sollten, dass wir möglichst selten in die Situation kommen, wo das Aggressionsverhalten ausgeübt wird, sondern dass das auch für uns gilt.

Das heißt, wenn du jetzt beim anderen Scham, Wut, Schuld auslöst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er nach der nächsten Ecke auf den nächsten Hundehalter oder den nächsten Hund wieder doof reagiert, auch noch größer. Auch das wollen wir ja eigentlich nicht.

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​Es „anders“ machen, aber nicht missionieren

 

Wir wollen doch, wenn wir ganz ehrlich sind, dass wir möglichst viele Menschen davon überzeugen können, dass wir ihnen zeigen können, dass es eben auch anders geht. Und das ist ein großes, großes Ziel von „Anders mit Hund“. Das ist einer unserer wichtigsten Werte. Das eben „anders“ zu machen. Aber wir wollen nicht missionieren, sondern was wir uns wünschen, ist, dass die Menschen, die mit uns arbeiten und auch wir einfach als Beispiel vorangehen, wie es auch anders gehen kann.

Es ist viel, viel, viel sinnvoller, weil wir dem anderen damit die Wahl lassen. Wir drängen ihn nicht in eine Ecke, wir handeln mit dem anderen nach unseren Werten. Das heißt, wir tun nichts mit ihm, was es eben für ihn schwieriger macht, diesen Weg einzuschlagen, sondern wenn wir es geschickt machen, dann schüren wir Neugierde darauf, wie es eben auch anders geht und was definitiv der Fall ist, selbst wenn du die anderen mal komplett außer Acht lässt: Es geht dir und deinem Hund auf diesem Weg viel besser. Und darum wollen wir uns jetzt kümmern. Um dich und deinen Hund.

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Was macht es mit dir, wenn du dich ärgerst?

 

Naja, es kann sein, dass es dir kurz wirklich Luft macht und Erleichterung verschafft. Aber im Großen und Ganzen treibt es deinen Puls in die Höhe, treibt deine Erregung in die Höhe, es spannt deine Mimik an. Dein Hund weiß nicht, dass du dich über den anderen aufregst. Der merkt nur: Oh, irgendwas stimmt hier nicht. Sie wird aggressiv oder sie fängt an sich komisch zu verhalten. Was macht dein Hund? Er verknüpft deine Reaktion mit gegebenenfalls seinem Verhalten, auch wenn das ganz in Ordnung war, hat er vielleicht das Gefühl, dass das, was er da gemacht hat, falsch war bzw. er lernt, dass sein Verhalten dazu führt, dass du wütend und böse wirst. Selbst wenn er sich ganz korrekt verhalten hat.

Was ist auch mit ihm macht? Er lernt, wenn eben solche Situationen aufkommen, dann reagierst du auf deine emotionale Art, du reagierst gestresst und Stress in der Gruppe bedeutet immer eine Gefahr für die ganze Gruppe. Das heißt in der Sekunde, wo du eben gestresst, genervt, gereizt reagierst auf die Begegnung mit anderen Hundehaltern z. B. In der Sekunde lernt dein Hund, dass diese Begegnungen nichts Gutes sind.

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Ändere deine Perspektive

 

Wie kommt es dazu, dass du dich ärgerest? Hab ich ja schon gesagt, es ist in der Regel Hilflosigkeit und Überforderung und damit tritt eben Frust und Stress auf. Und genau daran kannst du ja arbeiten. Du kannst dir eine Liste machen, derer Begegnungen, die dich bisher in Stress und Frust versetzen und kannst an diesen Situationen arbeiten, sodass du für diese Situationen Strategien hast.

Ich mach es zum Beispiel so, dass wenn andere Hundehalter oder auch Radfahrer oder sonst wer sich mir gegenüber rücksichtslos verhält, dass ich eben das gar nicht werte, als der es rücksichtslos, der ist in mich rein geknallt, sondern erst einmal gehe ich davon aus, dass der andere Mensch definitiv das Beste macht, was ihm gerade aus seiner Perspektive für diese Situation eingefallen ist. Das heißt er ist gar nicht rücksichtslos gewesen, sondern ihm ist vielleicht gar nicht bewusst, dass es für mich ein Problem ist, wenn er mit 180 Sachen mit dem Rad eng an mir vorbei scheppert. Oder aus seiner Perspektive sind Hundebegegnungen ohne Leine, wo die Hunde sich freilaufend begegnen und sich schnell begrüßen, vielleicht das Non plus Ultra in der Hundebegegnung und sein Wissen, seine Wertung der Situation war eben: Hey, so ist das für uns alle am schönsten und am leichtesten. Oder er war gedanklich abgelenkt und hat es einfach nicht mitbekommen und hat einen Fehler gemacht und das ist ja auch total menschlich und normal.

Diese Perspektive hilft mir, dass ich mich erst einmal vom anderen gar nicht angegriffen fühle und nicht übergangen fühle und dass ich das gar nicht persönlich auf mich werte, sondern dass ich eben davon ausgehe, er hat das Beste, sie hat das Beste gemacht, was ihm/ihr eingefallen ist.

Mir hilft diese Perspektive unglaublich, weil sich auf einmal die Welt nicht mehr um mich dreht. Das heißt, der andere hat das nicht gemacht, um mich zu ärgern oder weil er mir gegenüber rücksichtslos war.

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Ich gebe mein Markersignal

 

Das nächste, was ich mache, ist definitiv: Ich helfe meinem Hund. Wenn der Radfahrer zu dicht an mir vorbeifährt, dann frage ich einen Handtouch, belohne meinen Hund auf die abgewandte Seite, egal wie plötzlich das ist.

Oder ich gebe einfach mein Markersignal und fange an, meinen Hund zu loben. Ich fange an gute Interaktion mit ihm zu machen. Das Markersignal, wenn du es richtig aufbaust, hilft deinem Hund auf vielen, vielen Ebenen. Es hilft einmal auf der emotionalen Ebene, auf der reflektorischen Ebene, aber eben auch im Bereich des Verhaltens. Es unterstützt und verstärkt Verhalten, was in dem Moment gezeigt wurde. Und dadurch, dass du es ja mit vielen Belohnungen und schönen Interaktionen mit deinem Hund verknüpft hast, wenn du es korrekt aufgebaut hast, hilft es auch dir in dem Moment, dass du eben dein Gehirn daran erinnerst, wie viel tolle Sachen dein Hund und du eigentlich miteinander erleben.

Mir hilft es total. Ich fange also eigentlich und gebe mein Markersignal was meinen Hunden sagt: Hey, das was du gerade gemacht hast, das war super, das war spitze. Und die Situation ist übrigens gar nicht so schlimm. Und wir beide, wir machen jetzt was schönes zusammen. Von mir kommt was Gutes für dich. Das hilft mir, mich auf meinen Hund zu fokussieren, bei mir zu bleiben und bei meinem Hund zu bleiben und vor allen Dingen meine Hunde in der Situation bestmöglich zu supporten. Das gilt für alle plötzlichen Situationen, von denen ich überrannt werde.

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Atmen hilft

 

Was mir auch total dabei hilft, ist Atmen. Bewusst Schultern fallen lassen, ausatmen und mir bewusst machen: Der andere macht das nicht mit Absicht, sondern der weiß es einfach nicht besser. Er ist ein Mensch, der sich mit dem Thema eben noch nicht so beschäftigt hat wie ich. Und es ist vollkommen in Ordnung. Er weiß es nicht besser. Ich bleibe bei mir. Ich atme schön durch die Nase ein, durch den Mund aus und lasse die Schultern dabei fallen.

Ich mache die Leinenhand, wenn ich eine habe, bewusst nach unten. Lass alles fallen. Folge der Schwerkraft und gucke, dass ich sogar noch ein Lächeln auf die Lippen bekomme. Ja, ist am Anfang ein bisschen Übung. Kommt einem am Anfang auch nicht so unbedingt authentisch vor, hilft aber total, deinem Gehirn mitzuteilen: Die Situation ist gar nicht so schwer und so kannst du sie eben noch verbessern.

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Trainieren mit dem Hund

 

Das nächste was ich mache ist, dass ich mit meinen Hunden gezielt bestimmte Dinge übe. Also ich übe zum Beispiel Nahkontakt an der Leine. Auch da verlinke ich dir nochmal einen Blogartikel zu. Damit, wenn ein fremder Hund in mich rein knallt, ich eben meinen Hunden eine bestmögliche Strategie geben kann, weil ich einfach sag: Hey, ich rechne damit. In meiner Umwelt ist es so, dass es immer wieder zu unvorhergesehenen Sachen kommt.

Ich gucke das wir insgesamt relativ gut in der Balance sind miteinander, dass wir möglichst nicht zu viele stressige Ereignisse an einem Tag haben. Weil da diese plötzlichen dummen Momente dann einfach nicht so auf fruchtbaren Boden fallen. Vor allen Dingen guck ich allerdings immer, immer, immer wieder dahin: Wie geht es meinem Hund in dem Moment und was kann ich tun, damit es meinen Hunden in den Momenten besser geht? Wie kann ich meinem Hund ganz klar signalisieren, dass er gerade keinen Fehler gemacht hat und dem anderen Hund oder dem anderen Menschen damit immer eine Tür aufhalten, die da sagt: Hey, es ist alles in Ordnung? Ich übe mit meinen Hunden zum Beispiel auch, dass wir anderen Hunden Vorteile entgegen werfen. Ich übe mit ihnen, dass ich kurzfristig ins Geschirr greife, um sie festzuhalten. Falls doch noch etwas ist, wo ich einfach Sorge habe, weil vielleicht direkt vor unserer Nase ein Fahrradfahrer aus dem Gebüsch gekommen ist.

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Strategien aufbauen

 

Also ich bereite mich auf all diese Situationen vor und habe damit Strategien. Und in der Sekunde, wo du eine Strategie hast, wirst du merken, dass du gar nicht mehr mit so viel Wut und Empörung auf die anderen reagierst, sondern dass du dich ja nicht mehr so hilflos und nicht mehr so überrannt fühlst. Und es dir definitiv in der Situation besser geht und du gar nicht mehr so reagieren musst. Wenn es mir doch mal passiert, dass ich mich eben ärgere, dann hilft Schütteln total gut. Das hilft auch so. Aber was total gut hilft, ist, sich wirklich einmal hinzustellen, deinem Hund eine handvoll Kekse zu streuen direkt nach der Situation und dann einmal die Arme ausschütteln, einmal die Beine ausschütteln, vielleicht ein bisschen hüpfen und springen, dann machst du noch was Schönes mit deinem Hund und dann geht ihr zusammen weiter, sodass du das Ganze losgelassen und abgeschüttelt hast.

Wenn dein Hund es nicht kennt, dass du dich schüttelst, dann übt auch das ruhig zwei, drei Mal. Du kannst dir sicher vorstellen, dass wenn du dich gerade total aufgeregt hast und dann plötzlich anders stehst und dich schüttelst, dann ist das für deinen Hund zweimal hintereinander komisch und das macht ihm die Welt nicht unbedingt einfacher. Also einfach mal hinstellen, eine handvoll Kekse streuen und dann einmal durchschütteln, Arme durchschütteln, Körper durchschütteln. Gucken, dass du wieder locker wirst in der Muskulatur und dass du dann mit deinem Hund viel, viel cooler weitergehen kannst.

Wir machen nach sowas immer kurz noch ein, zwei Futtersuchspiele oder den Handtouch oder zwei, drei Tricks oder irgendwas, das es uns miteinander Spaß gemacht hat. Ich lasse meine Hunde irgendwo raufklettern. Ich lasse sie kurz was suchen, sodass wir alle nochmal durchatmen können und dann gehen wir zusammen weiter. Das heißt, wenn du dich dann doch mal beim Ärgern erwischt. Ärger dich nicht darüber, dass du dich ärgerst, sondern schüttel das Ganze ab. Mach was Schönes mit deinem Hund und dann gehst du weiter.

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Wachstums-Mindset

 

Im Übrigen: Das Thema über sich selber ärgern ist ja ein riesiges Thema. Und auch da gilt, dein Hund weiß nicht, wann du dich über dich ärgerst und wann über ihn. Und deswegen sei auch gnädig mit dir. Das kann man total gut üben. Und ein Weg dahin ist z.B., dass du nicht sagst: Das kann ich nicht oder das hab ich schlecht gemacht, sondern dass du sagst das kann ich noch nicht, oder? Bisher habe ich das nicht gut gemacht. Mit dem bisher und der Vergangenheit signalisiert du deinem Gehirn: Nur weil ich das heute nicht kann, heißt das noch lange nicht, dass ich das morgen auch nicht kann. Und das nennt man das sogenannte Wachstums-Mindset, also eine Einstellung zum eigenen Handeln, die eben sagt: Ich kann noch wachsen, ich kann vorangehen, ich kann mich verändern. Und damit kann ich eben meinem Hund auch Gutes tun.

Wenn du Menschen siehst, die mit ihren Hunden nicht so umgehen, wie du dir das wünscht und du leidest mit oder hast sehr viel Mitgefühl, dann: Das erste ist es, dass es dir und deinem Hund, wenn du ihn dabei hast, in dem Moment wieder besser geht. Weil je angespannter und heftiger ihr reagiert, desto schwieriger wird es für denjenigen, der das Ganze ja eh schon in der Sekunde abkriegt. Meine Erfahrung ist, dass es überhaupt nichts bringt, dem anderen jetzt zu erklären, wie es richtig geht deiner Meinung nach oder dem anderen Tipps zu geben, dem anderen Schnellschüsse mit auf den Weg zu geben. Nicht einmal dann, wenn er dafür halbwegs offen ist.

 

Keine Türen verschließen

 

Weil in der Sekunde, wo dein Tipp, dein Ratschlag eben nicht im ersten Mal funktioniert, wird er sagen: Hat nicht funktioniert und wird wieder zurückkippen. Und dann ist eine Tür zu. Eine Tür, die wir nicht verschließen wollen.

Das ist übrigens ein riesiges Problem bei unserer Art mit den Hunden zu trainieren, dass wir schnell dazu neigen, Menschen zu erklären, wie es besser geht, weil wir mit den Tieren Mitgefühl haben, weil wir eben empathisch sein wollen und in der Sekunde, wo wir anderen aber eben erklären, dass sie es falsch machen und in ihr Weltbild einbringen, auch wenn sie vielleicht noch gar nicht offen für diese Veränderungen sind oder die das Anerkennen dieser Veränderungen bedeutet, sich selbst bewusst zu machen, dass man dem Tier vielleicht über Jahre hinweg sogar einen gewissen Schaden zugefügt hat und dass man damit auch zu der aktuellen Situation massiv beigetragen hat.

Das ist ein massives Eindringen in die Persönlichkeit und das Empfinden des anderen. Und dafür muss der erstens offen sein, damit er das überhaupt annehmen kann. Und er braucht vielleicht doch Zeit. Und er braucht da an der Stelle vielleicht auch konkrete Unterstützung, damit er dann auch wirklich erfolgreich umsetzen kann. Das ist übrigens ein Grund, weshalb ich im Internet keine Diskussionen führe, keine schnellen Tipps gebe, weil wir kommen schnell, wenn jemand anders gar nicht dafür offen ist, sich zu verändern, als die Oberschullehrerin um die Ecke.

Selbst wenn der andere sagt:  Ich brauch mal einen Rat, ich brauch einen Tipp, heißt es noch lange nicht, dass der Tipp oder der Rat außerhalb seines bisherigen Bewusstseins und seiner bisherigen Blase sein soll. Denke mal dran, jeder hat seine eigene Perspektive auf die Welt. Es gibt nicht die eine Realität oder die eine Wahrheit, sondern jeder von uns nimmt das Leben einfach anders wahr. Und es kann sein, dass du beim Gegenüber Dinge auslöst, die du überhaupt nicht einschätzen kannst.

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Inspirieren – Und nicht auf den „Senkel“ gehen

 

Ich gebe deswegen, über meine Blogartikel und Podcasts ganz schön viel raus, gehe aber davon aus, dass derjenige, der hier rein hört, eben auch Interesse hat, etwas zu verändern, etwas anzupassen.

Ich mache es zum Beispiel überhaupt nicht im Freundeskreis oder wenn Leute mir was über Hunde erzählen – solange ich keinen Auftrag habe, werde ich da auch nicht aktiv. Sondern was ich mache ist, dass ich versuche zu inspirieren. Dass ich, wenn ich mit meinen Hunden und Kunden unterwegs bin, eben zeige, wie wir es machen und in der Hoffnung, dass der andere was sieht und denkt:  Oh, das sah jetzt aber nett aus. Irgendwie gefällt mir das, was die da machen.

Ich versuche im Umgang mit Menschen auch dahingehend immer so offen zu sein, dass sie denken, deren Meinung oder Perspektive würde mich da auch mal interessieren. Und dass sie eben an der Stelle offen werden dazu, Stück für Stück kleinschrittig ihre Perspektive zu verändern, ihr Bewusstsein zu verändern und dann vielleicht auch im Alltag umzusetzen.

Es ist also viel, viel sinnvoller, wann immer du Menschen und Hunden begegnest, die dir auf die Füße treten oder auch du dir selber auf die Füße trittst, weil du Fehler machst, dass du dich erst einmal auf das Gute besinnst, dass du, wenn dir das nicht sofort gelingt, erst einmal schöne Sachen mit deinem Hund machst, dabei ausatmest, dich schüttelst. Und dass, wenn du Menschen siehst, über die du dich tatsächlich ärgern könntest, weil sie eben doof zu ihrem Hund sind, dass du ihnen dann nicht demonstrativ vormachst, wie es besser geht, sondern einfach bei dir und deinem Hund bleibst, in der Hoffnung, den anderen damit gleichzeitig zu inspirieren und ihm nicht auf den Senkel zu gehen, keine Tür zu zuknallen.

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Einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zeige ich an

 

Was ich allerdings tue, wenn ich etwas sehe, was in meiner Perspektive tierschutzrelevant ist, dann erstatte ich Anzeige und/ oder spreche die Person sofort darauf an.

Also ich gebe dir ein Beispiel: Wir waren vor ein paar Wochen sonntagmorgens im Wald spazieren. Zu uns parallel lief ein anderer Waldweg mit einem jungen Pärchen und einem Aussie und der bekam einen Leinenruck nach dem anderen. Er bekam Kniffe in die Seite, weil er eben nicht leinenführig war, weil er schneller voran wollte als diese Menschen. Die Leine war sehr kurz. Er sah uns und ich glaube, er wollte auch zu uns hin. Ich war ganz froh, dass er nicht kam. Dazwischen war ein abgeholztes Feld, sozusagen ein Stück Wald, wo keine keine Bäume mehr standen. Und ja, ich hab es mir einen Moment lang angeguckt und es ist alles aus meiner Perspektive natürlich schon unschön gewesen.

Aber es ist leider nicht so, dass es wirklich ja „anzeigewürdig“ gewesen wäre, weil es dem normalen Hunde-Erziehungsweg entspricht. Leider. Also nicht, dass ich will, dass dem Hund was Anzeigewürdiges passiert. Aber in dem Moment ist meine Erfahrung, dass wenn die Leute eben über diese Trainingstechniken arbeiten, das überhaupt nichts hilft, wenn ich was sage und solange sie dem Hund nicht massiv einwirken, mal abgesehen davon, dass ich im Wald natürlich nicht ihre Adresse kenne, kann ich da nicht viel dran ändern.

Also bin ich bei meinen Hunden geblieben. Wir haben geguckt, dass wir dem anderen Hund nicht auch noch Gründe geben, dass er noch mehr Ärger kriegt. Also wir sind weiter gegangen. Ich hab das Weitergehen markiert und belohnt, damit meine Hunde zügig mit weitergehen, damit sie ihn eben nicht anstarren, damit sie nicht in seine Richtung gehen, solche Sachen. Und hab auch meinen Mann gebeten, der sich über solche Sachen schon, ja sich da auch einmischt, dass wir jetzt erst einmal weiter gehen, unseren Hunden zuliebe.

Und dann hab ich gesehen, wie die Frau ausholt und dem Hund volle Kanne eine Ohrfeige gibt. Aber richtig. Und das war bei mir der Punkt – da war es vorbei. Dann hab ich meinen Hunden Futter gestreut und hab der Frau dann zugerufen, es würde jetzt reichen. Das, was sie jetzt gerade gemacht hätte, wäre ein Eingriff gegen das Tierschutzgesetz und ich würde sie anzeigen, wenn sie jetzt nicht aufhört. So, jetzt hätte ich sie ja gar nicht anzeigen können, weil mitten im Wald, ohne Adresse, ohne Autokennzeichen, ohne alles.

Aber was wir da in der Tat gemacht haben, ist, das ich mit den Hunden dann weitergegangen bin und mein Mann hat sie noch einen Moment im Auge behalten. Wenn es nochmal passiert wäre, wäre er hingegangen und hätte sie nach ihrer Adresse gefragt. Das gleiche gilt, wenn ich irgendwo jemanden regelmäßig sehe, der mit seinem Hund schlecht umgeht. Und ich hab ein Autokennzeichen oder sonst was. Ich zeige das an.

Weggucken an der Stelle hilft nämlich nichts, d. h. wenn es wirklich psychische, physische Gewalt ist und du die Namen der Leute hast, dann ärger dich nicht, sondern werde auch da aktiv und zeige die Leute an. Protokolliere das Ganze, gib es zur Anzeige und wenn Leute das direkt vor deinen Augen machen, sprich sie auch an und sag das ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und ich werde das jetzt anzeigen. Also hab da auch wirklich Mut zur Zivilcourage. Damit hilfst du dem anderen Hund oder dem Kind viel, viel mehr als dann, wenn du dich nur drüber ärgerst und grämst und gleichzeitig wegguckst.

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Zusammenfassung

 

Fassen wir noch einmal zusammen: Was kannst du also konkret tun. Wenn dich eine Situation überrennt, denk als erstes an die gute Interaktion mit deinem Hund.

  • Deine Aufgabe ist es, mit deinem Hund zu interagieren und dafür zu sorgen, dass es dir und deinem Hund in der Situation möglichst möglichst gut geht. Dafür nimmst du alles an Druck raus.
  • Das zweite, was du machst, ist, wenn du merkst, der Ärger kommt in dir hoch. Gib deinem Hund etwas zu tun, streue ein bisschen Futter, schüttel den Ärger raus, hüpf ein bisschen. Mach Dinge, die dir guttun, dass du es loslässt.
  • Das dritte, was du tust, ist, dir die Situation zu merken, für die du neue Strategien brauchst, damit du in Zukunft nicht mehr hilflos bist und dich gar nicht ärgerst – und diese gezielt zu trainieren. Bei diesen Trainings setze ich total gerne auf weniger ist mehr. Ein gutes Entspannungssignal, ein gutes Markersignal, ein guter Handtouch und du kommst schon durch viele Situationen richtig, richtig erfolgreich durch.

Wenn ich mich über andere Hundehalter ärgere oder Dinge sehe, wo ich mich früher drüber geärgert habe, versuche ich mich auf mich und meinen Hund zu konzentrieren und möglichst trotzdem als gutes Beispiel, als Inspiration durch die Situation zu gehen.

Und wenn ich etwas sehe, was ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist, was psychische oder physische Gewalt ist. Ich zeige es an und ich konfrontiere die Menschen eben genau mit dieser Geschichte, wenn ich das kann und spreche sie an und sage: Das, was du da gerade getan hast, das ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und ich zeige dich an.

Das heißt:

  • Schritt 1: Bei dir bleiben, für dich und deinen Hund sorgen.
  • Schritt 2: Trainieren.
  • Schritt 3: Inspirieren und
  • Schritt 4: Einschreiten mit Zivilcourage, wenn notwendig.

Ich hoffe, dass dieses Thema auch dich inspiriert hat und wünsche dir viel Erfolg beim Trainieren und beim Loswerden der Hilflosigkeit.

Und vor allen Dingen viel viel Freude auf deinen nächsten Runden mit deinem Hund.

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