Sei entspannt als Hundehalterin

6 Tipps, wie Du in schwierigen Momenten mit Deinem Hund entspannter bleiben kannst.

Sicherlich ist es nicht die Lösung Deines Problems, geschweige denn das Deines Hundes, wenn Du entspannt bist. Wer auch immer Dir das erzählt, ignoriere ihn.

Warum gebe ich Dir dennoch Tipps, damit Du entspannter bleiben kannst, auch, wenn Dein Hund aus dem Fell hüpft?

Ganz einfach, wenn Du entspannter bist, geht es Dir besser!

Und nicht nur das, Du kannst Deinen Hund auch besser unterstützen. Denn, wenn Du im Stress bist und nicht klar denken kannst, wirst Du Deinem Hund sicher weder klare Signale geben, noch die Situation ideal gestalten.

Unter Stress reagierst Du emotionaler und dünnhäutiger. Du kannst nicht überlegt und strategisch handeln. Dein Hund auch nicht. Da seid Ihr beide gleich.

Dein Hund wird durch Deine Entspannung nicht automatisch auch entspannt!

Hunde sind eigene Wesen, mit einem eigenen Stress-System, Emotionen und eigener Wahrnehmung. Sie übernehmen nicht komplett unsere Empfindungen. Im kommenden Podcast verrate ich Dir dazu noch eine Menge mehr. Du kannst ihn überall abonnieren, wo es Podcasts gibt.

Deine Entspannung hat also nur einen indirekten Einfluss auf das Verhalten Deines Hundes. Sie alleine bewirkt nichts. Sie gibt Dir nur eine bessere Ausgangslage.

Ein weiterer Effekt ist, dass eine Anspannung die Erregung Deines Hundes steigern kann. Erregung ist nichts Schlimmes, doch sie ist ein Faktor, der uns manchmal in die Quere kommt.

Und noch ein Faktor kommt dazu: Wenn Du unter Anspannung Deinem Hund gegenüber übergriffig oder unfair, passiv aggressiv oder gekünstelt freundlich wirst, ist Deine Nähe nicht mehr angenehm. Dein Hund kommt in einen Konflikt. Je nachdem, was seine bevorzugte Konfliktstrategie ist, wird er dann sehr anhänglich und sucht Deine Nähe um Dich zu beschwichtigen oder er versucht die Distanz zu Dir zu vergrößern.

Es macht also aus vielen Gründen durchaus Sinn, dass Du Dich um Dich und Dein Wohlbefinden kümmerst. Keine Frage! Gerade wir Menschen mit herausfordernden Hunden, viel Verantwortung und Pflichten vergessen ja gerne mal, dass es wichtig auch auf uns zu achten.

Dennoch bringt es nichts, wenn Du meinst, dass Du nun entspannt sein müsstest und Deine Anspannung der Grund für das Problem sein. Geschweige denn, dass es verschwindet, wenn Du nun entspannt wirst.

Du kannst Entspannung nicht erzwingen – weder bei Deinem Hund, noch bei Dir.

Damit Du Entspannung verspürst, brauchst Du Sicherheit, Handlungskompetenz und Vertrauen in Dich und Deinen Hund. Du kannst sie nicht durchdrücken und nicht bewusst steuern. Dein Hund auch nicht. Deswegen bringen Kommandos zur Entspannung auch nichts.

Genauso wenig bringt es etwas, wenn Dir jemand sagt, Du müsstest einfach nur entspannter sein. Das erhöht den Druck, macht ein schlechtes Gewissen und bewirkt damit eher das Gegenteil.

Und doch kannst Du etwas tun, um Dich zu entspannen. Anders als Dein Hund kannst Du gezielt Techniken und Strategien einsetzen. Damit das verlässlich funktioniert, empfehle ich, es nicht nur in den brenzligen Momenten zu tun, sondern auch außerhalb. So erzielst Du den größten Effekt.

Diese Schritte helfen Dir, Dich zu entspannen.

Stress und Anspannung entstehen durch Hilflosigkeit, Kontrollverlust und Überforderung. Der beste Weg ist es also, genau diese Gefühle nicht aufkommen zu lassen. Ich habe Dir drei Tipps mitgebracht um außerhalb der Situationen vorzubereiten und eine neue Basis zu erlangen und drei Tipps um in akuten Fällen agieren zu können.

1. Reduziere den Grundstress.

Das Aushalten von Stress und Anspannung stählt Dich nicht. Es macht Dich sensibler. Auch, wenn Dein Leben anstrengend ist und Du gefühlt null Zeit für Dich hast, baue Erholungsmomente ein. Gerne mit Deinem Hund. Mir hilft es meinen Hunden, beim Erkunden zuzugucken, oder in die Weite oder das Grün zu schauen, wenn sie gerade buddeln. Vielleicht sind es auch die kleinen Kuschelmomente mit Deinem Hund oder mal ein Spaziergang ohne Hund, die Dich entspannen. Ganz egal, baue es ein! Lieber jeden Tag 10 Minuten über den Tag verteilt, als einmal die Woche eine Stunde. Je mehr Du Dir hier etwas auferlegst, desto schwieriger wird es für Dich, es einzuhalten.

Schaffst Du es, dreimal am Tag für einen Moment die Augen zu schließen und einige tiefe Atemzüge zu nehmen? Das ist ein super Einstieg. Unterschätze den Effekt nicht.

Ich habe eine Hand voll Yoga und Dehnübungen, die ich auch einzeln erholsam finde. Wenn ich merke, dass es zu viel wird, dehne ich mich oder mache ein oder zwei Yoga Übungen. Dauert nicht mehr als drei Minuten und macht meinen kopf wieder klar.

2. Erarbeite eine Strategie und übe, übe, übe.

Viel zu oft denken wir in „Problemen“. Wir haben das Problem mit dem Bellen, den Hundebegegnungen, dem Leineziehen, dem Rückruf und und und. Dabei kann man mit einigen wenigen Signalen und Werkzeugen so viel erreichen und sich so wunderbar durch viele Situationen helfen.

Im Anders mit Hund Zirkel stellen wir Dir daher einen Vortrag und die Trainingspläne für meine fünf Lieblingstools zur Verfügung, mit denen man fast alle Situationen meistern kann.

Ich liebe diesen Minimalismus im Training, obwohl ich ein Trainingsnerd bin. Der Grund ist simpel: Je häufiger Dein Gehirn die Erfahrung macht, dass Du mit diesen schlichten Strategien keine Hilflosigkeit, sondern Lösungskompetenz erlebst, desto besser fallen sie Dir ein.

Je mehr Strategien Du zu Beginn hast, desto schwieriger wird in überfordernden Situationen die Auswahl und Du fragst Dich „Wann mache ich denn am besten was?“.

Keep it simple! Baue Dir eine richtig gute Strategie auf und dann nutze sie häufig, zu unterschiedlichen Gegebenheiten, bei unterschiedlicher Stress- und Aufregungslage von Dir und von Deinem Hund.

Du wirst sehen, je tiefer die Strategie verankert ist, desto schneller fällt sie Dir ein.

Meine fünf liebsten Werkzeuge setzen dabei darauf den Hund sowohl vom Verhalten, als auch von der Erregung lenken zu können.

Hast Du Lust, sie kennenzulernen und zu trainieren? Dann informiere Dich hier über den Anders mit Hund Zirkel und komm‘ zu uns. Sie sind bei Weitem nicht das Einzige, was Du dort vorfindest!

3. Cross the bridge, when you get there.

Diesen geliebten Spruch höre ich immer wieder von meiner Freundin und Team-Mentorin Angélique Dujic (off topic, aber wenn Du Dich mit Teamführung und -Aufbau beschäftigst, solltest Du Dir den Namen merken. Wir stellen immer wieder fest, wie ähnlich wir arbeiten. )

Wir könnten auch „Don’t worry, be happy“ pfeifen. Pfeifen ist ausatmen und entspannt. Wenn Du ein paar gute Signale aufgebaut hast, für mehr entspannende Momente im Alltag sorgst und vorausschauend Gassi gehst sowie Du hoffentlich auch Auto fährst, dann reicht es.

Höre auf zu grübeln und alles zu zerdenken. Es macht keinen Sinn, sondern Stress. Es ist, als würdest Du mit dem Auto losfahren und vor jeder Kreuzung eine Vollbremsung hinlegen, auch, wenn Du Vorfahrt hast.

Mir permanentem Grübeln zerstörst Du die Genialität und Kreativität Deines Gehirns und Dein Selbstvertrauen. Sobald du beginnst, die Sachen zu zerdenken, sage Dir laut „Stopp“ oder kneife Dich ein wenig, wenn Du nicht laut durchs Büro reden magst und dann schließe die Augen und atme oder mach etwas anderes, dass dir hilft auszusteigen.

Tanzen, singen, schütteln, zappeln oder auf den Atem konzentrieren helfen immer!

4. Muskeln an- und wieder entspannen.

Progressive Muskelentspannung funktioniert. Spanne gezielt eine Muskelpartie an, so richtig fest, halte für 2-3 Sekunden und dann lasse los. Es ist mir egal, ob Du eine Faust ballst und wieder öffnest – ein Trick den ich sehr gerne mache um wieder bewusster mit der Leine umzugehen und diese nicht stramm zu ziehen. Oder, ob Du kurz den Allerwertesten anspannst und entspannst.

Meine Favoriten sind Schultern hoch und Fallen lassen, Zähne aufeinander beißen und dann Mund leicht öffnen, Faust ballen und öffnen, Pobacken zusammenkneifen und loslasssen. Such Dir wieder maximal zwei Sachen aus und sobald Du merkst, dass Du Dich anspannst, tue diese. Nutze sie auch, beim Sorgen-Gedankenkarussel, damit sie Dir zur Gewohnheit werden.

In unserer Hundetrainerausbildung sind nicht ohne Grund Übungen zur progressiven Muskelentspannung beim Hund immer Bestandteil! Sie werden über den Druck auf die Körperoberfläche ausgelöst. Das Geniale daran: Da der Mensch auch drückt und loslässt, gibt es den Effekt bei Mensch und Hund.

Für alle Menschen im Zirkel sind die Übungen natürlich auch da, nur nicht verpflichtend.

5. Bleib bei Dir – nutze ein Mantra.

Wie oft machen wir uns Druck, weil wir denken, der andere bekäme einen doofen Eindruck von uns. Vermutlich denkt der in dem Moment das Gleiche oder gar nicht an uns, weil er gerade in seinem Gedankenkarussel festhängt.

Wenn Du das Vergleichen und die Angst vor dem Urteil erfolgreich überwinden willst, bleibe bei Dir und Deinem Hund.

Ich mache das auf zwei Arten:

Entweder lächle ich mich und beobachte das Ausdrucksverhalten meiner Hunde und fokussiere mich auf die Sachen, die ich gerne sehe. Ich sorge also richtig für die Herzchen beim Anblicken meiner Hunde.

Oder ich sage mir ein Signal Mantra! Dafür nutze ich das Entspannungssignal meiner Hund (ja, das ist eines der fünf Signale, die ich oben erwähnte), lobe meine Hunde, erinnere mich an das Lockerlassen der Leine und belohne ggf. noch meine Hunde.

Es ist total egal, was Du machst, solange Du Dich dabei auf Dich und Deinen Hund fokussierst.

6. Atmen, atmen, atmen

Atmen ist wichtig. Atmen entspannt und, wenn Du doppelt solange aus- wie einatmest, suggerierst Du Deinem Gehirn, dass alles gut ist.

Uns stockt der Atmen und wir spannen alles an, das ist eine natürliche Stressreaktion, das „Freeze“. Oder wir werden hektisch und der Atem wird flach. Deswegen ist Atmen so effektiv und zugleich so simpel.

Kombiniert mit Deinem Mantra (Du kannst Dir auch die Atemzüge ansagen) und den Muskelentspannungen, kannst Du für viel mehr Entspannung bei Dir üben.

Und zu guter Letzt.

All‘ diese Dinge kann man nicht nur im Kontext der Probleme üben, sondern auch, wenn es hektisch oder körperlich anstrengend war und Du aus der Puste bist. Der Effekt ist der gleiche und Du lernst sie ganz intuitiv anzuwenden.

Lernen ist ein Prozess. Sei geduldig mit Dir. Es geht um stetige kleine Schritte, Pausen und manchmal auch große Sprünge oder Rückschritte. Falls es mal nicht klappt, nimm Dir 3 Minuten, um zu reflektieren. Danach ist es gut.

Falls Du uns an Deiner Seite haben möchtest, damit wir Dir beim Lernen Anleitung, und bei Zweifeln Austausch geben, schau Dir unbedingt den Zirkel an.