Der ist zu gestresst zum Lernen

Der ist zu gestresst zum Lernen

Kennst du diese und andere Aussagen um Stress und Lernen? Ich höre sie ziemlich regelmäßig und manchmal kostet es mich wirklich viel Energie, nicht sofort das „Dagegen“ Schild hochzuhalten.

Diese Aussage ist mir zu plakativ und zu undifferenziert. Das Thema aus allen Facetten zu beleuchten, mag den Rahmen sprengen, deswegen habe ich hier auch gar nicht den Anspruch. Doch ein wenig genauer, sollten wir schon hinschauen.

In diesem Artikel habe ich dir beschrieben, was „Stress“ eigentlich ist.

Zu wissen, dass Stress nicht per se böse ist, sondern ein biologisch notwendiges System, ist wichtig um zu verstehen, warum die Aussage so nicht korrekt sein kann.

Kommen wir vom Stress auf das Lernen

Lernen geschieht immer und überall. Es ist genauso selbstverständlich, wie die Schwerkraft. Müssten wir uns Gedanken über das Lernen machen, damit wir lernen können, so wäre der Prozess viel zu langsam und energieraubend.

Lernen ist nicht, das auswendig lernen von Vokabeln, das blinde Abspulen von Verhalten auf Signale und parieren was das Zeug hält.

Lernen ist die Anpassung des Individuums auf die Umwelt. Das Entwickeln von Strategien und Verhaltensweisen, die das Individuum in eine bessere Lage bringen.

Der ist zu gestresst zum Lernen

Die wirklich elementaren Dinge lernen wir nicht bewußt. Sie finden in den tieferen Schichten unseres Gehirns statt. In den Bereichen des Stammhirns und des limbischen Systems.

Hier werden am laufenden Band Entscheidungen unbewußt und emotional getroffen. Auch, wenn wir uns für reflektierte und logische Wesen halten. Es werden Prozesse angeworfen, die physiologische und emotionale Bedürfnisse befriedigen und dabei stets versuchen die Balance aus Stimulation – Sicherheit und Dominanz (im Sinne der eigenen Wirkung und Entfaltung) herbeizuführen.

Dieser Bereich hört auch bei Stress nicht auf, sondern wird sogar aktiver. 

Werden die tieferen Hirnstrukturen aktiver, werden sie noch mächtiger. Uralte Überlebensprozesse und das Suchen nach dem Weg den Stress wieder zu reduzieren oder zu kompensieren, sorgen dafür, dass das Individuum in dieser anstrengenden Zeit überlebt. 

Das Resultat: Ein impulsives, hoch emotional agierendes Wesen, was verzweifelt im Hier und Jetzt einen Ausweg sucht und dabei lernt, was es – wenn auch nur für einen kurzen Moment – befriedigt und was nicht. 

Der Preis, den wir dafür zahlen ist hoch! 

Stück für Stück werden die Verbindungen in den reflektierten, planenden und „denkenden“ Gehirnbereich schwächer, teilweise sogar gekappt.

Der ist zu gestresst zum Lernen

Du findest deine Schlüssel nicht mehr, in einer Prüfung haben wir ein Black Out und dein Hund hat einfach keine Ahnung mehr, was „Platz“ oder „Hier“ bedeuten. 

„Schuld“ ist unter anderem der Hippocampus. Der Teil unseres Gehirns, der eine wichtige Schaltstelle zwischen den Gehirnbereichen ist und der bei einer längeren oder krasseren Flutung mit dem „Stresshormon“ Cortisol schlichtweg in die Knie geht. 

Je drängender und schärfer du nun wirst, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Hundegehirn dich eher als Gefahrenquelle einstuft und weiter unter Druck gerät. Nicht, dass du nun säuselnd durch die Gegend laufen sollst. Doch dein Hund braucht nun vor allem gute Interaktion und Sicherheit, dass bei dir gutes in Form von Struktur, Sicherheit und Fürsorge zu finden sind.

Der ist zu gestresst zum Lernen

Was verbirgt sich also hinter dem Satz?

Hundetraining und Hundeerziehung, die alleine auf das Ausführen auf Verhalten, wie „Sitz“, „Platz“ und andere Klassiker setzen, kommen also bei Stress in der Tat an ihre Grenzen.

Diese Grenzen sind oft zum Leidwesen der Hunde und zugleich frustrierend für die Halter:innen. Statt nun das Lenkrad rumzureißen, wird der Druck erhöht. Und JA, das Hundegehirn ermittelt, was ihm mehr Gefahren erspart. Dabei leidet es jedoch massiv und spult häufig alles ab, was sich bisher gelohnt hat, ohne, dass es auf Anhieb die Strategie weiß.

Je mehr über die Aneinanderreihung stumpfer Verhaltensketten gearbeitet wird, desto größer ist die Chance für den Hund. Bitter, aber wahr.

Die Folge: gestresste Hunde, die sich Ventile im Alltag suchen, exzessive Verhalten zeigen, bellen was das Zeug hält oder einfach total auf Sparflamme laufen.

Was aber mache ich, wenn ich es „ANDERS“ machen will?

Unser Weg ist ein anderer! Zum einen, wollen wir, dass unsere Hunde Strategien kennenlernen, die für sie, uns und die Umwelt angenehm sind. So haben wir bei weitem nicht die Stressauslöser und Belastung.

Dafür dosieren wir den Stress und die Belastung so, dass das Tier diese Erfahrungen sammeln kann und sich zügig erholt. Wir sorgen dafür, dass Ausgleich stattfindet und die Stressbelastung im Alltag ein gewisses Pensum nicht übersteigt.

Dabei ist es ein nicht unwesentlicher Aspekt, dass die Kommunikation zwischen dir und deinem Hund eindeutig und klar ist. Dein Körper und deine Worte für deinen Hund das gleiche ausdrücken und du alleine dadurch Sicherheit vermittelst. Hier geht es nicht um Strenge, die gerne mit Konsequenz gleichgesetzt wird, sondern um Sicherheit und Eindeutigkeit.

Ein ganz wichtiger Schritt ist, dass wir unser Training so gestalten, dass es nicht nur im denkenden Bereich, sondern auch gezielt an den tieferen Strukturen ansetzt. So haben wir die Möglichkeit auf verschiedenen Ebenen zu unterstützen und das bestmögliche Resultat für alle zu erzielen.

Es gibt tolle Trainingselemente, die sich dieses Wissen um die verschiedenen Strukturen zu Nutze machen und statt auf einen Kadavergehorsam zu setzen, die wichtigen Aspekte und damit Motivatoren des Lebens (Sicherheit – Stimulanz – Dominanz) geschickt nutzen. So ist der innere Antrieb perfekt genutzt und das Tier kommt automatisch im Training einer Balance immer näher.

Der ist zu gestresst zum Lernen

Und wenn ich ein total stressempfindliches Tier habe?

Gerade wenn ein Hund aktuell den Lebensraum gewechselt hat oder vielleicht unter Schmerzen leidet, werden die inneren Motivatoren für sein Gehirn elementar.

Es gibt Lebensphasen in denen können wir unseren Tieren den Stress nicht ersparen. Wir können gerade in diesen Zeiten jedoch besonders auf die vermeidbaren Situationen und Auslöser schauen – auch wenn sie noch so klein und albern erscheinen – und dem Tier damit Erleichterung schaffen.

Gut aufgebaute Rückzugsorte, eine gute Strukturierung des Tages, angepasste Interaktionen und vor allem das Ausleben lassen der eigenen Bedürfnisse werden dein Tier dabei unterstützen die Stress-Belastung bald wieder zu reduzieren.

Möchtest du mehr zum Thema Stress erfahren? Dann höre doch auch mal in unseren Podcast „Anders mit Hund“ rein! Anja Landler und ich geben dir Tipps und Anregungen zum Leben mit Hund.

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