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Mit Futter spielt man doch! - Futter sinnvoll unterwegs einsetzen

Mit Futter spielt man doch!

​Futter sinnvoll unterwegs einsetzen

In dieser Episode erfährst du:

Warum wir Futter auf den Spaziergang mitnehmen.

Was es uns sagt, wenn unsere Hunde unterwegs nicht essen wollen.

Worauf du beim Einsatz von Futter achten solltest.

Wann du es einsetzen kannst und wann du es lassen solltest.

Höre gern rein oder lies das Transkript.

Du bist unschlüssig über den Einsatz von Futter und möchtest es nur punktuell? Dann schau dir unseren gratis Mini-Kurs „Vom Problemhund zum besten Freund“ an und baue Wohlfühl-Inseln auf.

Du hast Lust Futter einzusetzen, bist aber unkreativ? Dann hol dir die kostenfreie Basisanleitung zum „X-Leckerchen-Spiel“ hier.

Ergänzend empfehle ich dir die Podcast Episoden #25 Wie Jagen & Erregung zusammenhängen und #01 Warum der Hund kein Futter annimmt.

Mit Futter spielt man doch! - Futter sinnvoll unterwegs einsetzen

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Transkript zur Podcast Episode:

#27 Mit Futter spielt man doch!
Futter sinnvoll unterwegs einsetzen

 

[00:00] – Anja

Schön, dass du wieder mit hörst.
In dieser Podcast Episode dreht es sich um Futter und ums Fressen. Wir wollen die Frage klären, warum die Beschäftigung mit Essen erlaubt ist und sogar wichtig ist.
Anne, warum macht es Sinn, dass sich unsere Hunde draußen mit Futter beschäftigen.

[00:22] – Anne

Es ist so, dass unsere Hunde in ihrem Tagesablauf ein natürlich angeborenes Zeitfenster für den Nahrungserwerb haben. Dieses Zeitfenster sorgt dafür, dass der Hund in der freien Wildbahn die Energie aufbringt um sich in Bewegung zu setzen und sich mit Futter versorgt. Ganz egal, ob er dabei wie ein Straßenhund einfach nur stöbert und Mülltonnen leert oder wie die Verwandten unserer Haushunde, quasi wirklich noch jagen geht und sich die Beute beschafft. Auf jeden Fall haben unsere Hunde dieses Zeitfenster und das Ausleben dieses Zeitfensters. Die Biologie hat das ganz geschickt eingerichtet. Sie ist ein sehr wichtiges Bedürfnis, damit der Hund sich auch wirklich in Bewegung setzt und seine Nahrung findet.

[01:15] – Anja

Wie kann ich bei meinem Hund erkennen, dass dieses Zeitfenster bzw. dieses Bedürfnis jetzt da ist?

 

Das Bedürfnis zu fressen hat jeder Hund

 

[01:27] – Anne

Das ist ganz unterschiedlich. Erst einmal möchte ich sagen, das Bedürfnis zu fressen hat jeder Hund. Wir hatten ja bereits schon eine Podcast Episode erstellt, woran es liegen kann wenn dein Hund kein Futter nimmt. Diese verlinken wir dir hier noch einmal. Grundsätzlich sollte dein Hund draußen immer folgendes Bedürfnis haben

  • neugierig zu sein
  • zu erkunden
  • zu stöbern
  • zu schauen was die Welt ihm alles so zu bieten hat.

Wenn er das nicht tut, dann kannst du von einer Hemmung ausgehen. Dabei ist es uns erst einmal egal, ob er z.B. im sozialen Kontext oder einfach im Neugier- und Erkundungsverhalten unterwegs ist oder wirklich im Bereich des Nahrungserwerbs. Und es macht wirklich Sinn, alle drei Aspekte zu berücksichtigen.

Heute wollen wir uns jedoch auf das Futter fokussieren. Deswegen würde ich gar nicht mal sagen woran erkenne ich, dass mein Hund dies jetzt machen möchte, sondern kann er sich mit mir darauf einlassen, hat er Lust dazu etwas mit mir zu machen? Dies kannst du gezielt und geschickt einsetzen. Wenn du zum Beispiel dort spazieren gehst wo es reichlich Wild gibt und du einen Hund hast, der gerne jagen geht dann lasse ihn, was er mit dem Wild machen würde, am Futter ausleben.

 

Mit Futter können wir Schwerpunkte setzen

 

Oder dass du sagst, du hast draußen Wohlfühlinseln aufgebaut, in denen du mit Futter ins Training gehst und deinen Hund damit beschäftigst. Uns ist es ganz wichtig, dass wir mit Futter Schwerpunkte setzen können. Wir können über das Futter den Hund so belohnen, dass wir seinen Radius sowie seinen Fokus verändern. Dies kannst du dann ganz gezielt einsetzen und gleichzeitig auch seine Bedürfnisse damit stillen. Deswegen ist es richtig sinnvoll das Futter mit in den Gassigang zu integrieren.

Mit Futter spielt man doch - Futter sinnvoll unterwegs einsetzen
Anja

Also ich biete es ihm an und kann damit herausfinden, ob das Zeitfenster geöffnet ist?

Anne

Wir können damit nicht nur prüfen, ob das Zeitfenster offen ist, sondern wir können auch damit sehen ob unser Hund überhaupt in der Lage ist zu fressen? Ja, selbst wenn der Hund gerade nicht das Zeitfenster „Fressen / Nahrungserwerb“ offen hat, ist fressen ja immer noch ein Barometer. Hierzu haben wir die andere Podcastfolge noch für dich.

 

Vorsicht mit dem Einsatz von Futter, wenn andere Hunde in der Nähe sind

 

Wir können das natürlich im wildreichen Gebiet einsetzen. Wir können es einsetzen, wo dein Hund gerne Essen findet, du es aber nicht willst, dass er es frisst. Wenn du z.B. auf einer beliebten Joggerstrecke unterwegs bist und dein Hund findet zwischen den Sträuchern gerne mal die weißen Zipfel mit dem Zubehör, dann schau, dass du an einem anderen Punkt auf der Strecke, nicht genau zwischen den Sträuchern, sondern mit etwas Distanz Futtersuchen machst. Dein Hund sich erst gar nicht auf die Sträucher fokussiert.

  • Du kannst es fürs Training einsetzen.
  • Als Belohnung für ein Training.
  • Für spezielle Aufgaben.
  • Für freiwillige Dinge die dein Hund zeigt.
  • Natürlich kannst du es auch begrenzt im sozialen Kontext einsetzen.

Begrenzt deswegen, falls andere Hunde in der Nähe sind, wäre ich vorsichtig mit dem Einsatz von Futter. Darüber würde ich mir vorher Gedanken machen. Und natürlich darf man nicht vergessen, dass es Hunde gibt die, wenn sie in einem anderen Kontext unterwegs sind, nicht so verfressen sind vor allem wenn es der soziale Kontext ist.

[05:06] – Anja

 

Worauf sollten wir achten, wenn wir Futter einsetzen und wie wir es einsetzen?

 

[05:14] – Anne

Wenn dein Hund total futtermotiviert ist und er danach nicht mehr in die Umwelt abtaucht, müsstest du ihm bei der Essenzubereitung, zusätzliche Signale aufbauen. Wie jetzt ist kein Futter mehr verfügbar oder dies über strukturierte Spaziergänge lösen.

Schau zum Beispiel, ob es an der Stelle sinnvoll ist, dass der Hund Futter vom Boden aufnimmt oder eben nicht, weil dort vielleicht Splitt liegt oder sonst was, was wir nicht unbedingt im Hund haben wollen. Ich würde die Varianten wie bekommt der Hund das Futter unterwegs sehr groß streuen. Und es gibt natürlich noch den Fall, wenn du z.B. einen Hund hast, der bestimmte Medikamente nüchtern bekommt, so dass du vielleicht auf dem ersten Gassigang morgens kein Essen einsetzen kannst.

Ansonsten gibt es für mich eigentlich keine Gründe, Futter als Belohnung nicht zu verwenden. Es sei denn du merkst, dass du nur noch Futter verwendest. Denn dann bist du irgendwann am Bedürfnis des Hundes vorbei und dann kann es sinnvoll sein, sich mal wieder Gedanken zu machen.

  • Wie sieht denn ein Spaziergang ohne Futter aus?
  • Welche Belohnung habe ich?
  • Welche Interaktionsmöglichkeiten habe ich noch, die meinem Hund so richtig Freude machen?

Was kann ich einsetzen damit ich eben nicht, und das ist ja die Angst von vielen, der Futterautomat bin. Wir sind nie nur der Futterautomat, wenn wir mit Futter mit dem Hund interagieren. Es ist immer eine soziale Komponente dabei und es befriedigt seine Bedürfnisse. Und wir sind nie ein reiner Futterautomat, dies ist gar nicht möglich. Aber viele Menschen haben Angst davor, dass der Hund nur noch auf die Signale reagiert, wenn wir Futter dabeihaben. Und da kann ich aus Erfahrung sagen, dies ist nicht so. Du kannst Futter sinnvoll nutzen. Wir nutzen es auf fast jedem Spaziergang. Aber nutzen es nicht permanent, sondern wir nutzen noch viele, viele andere Komponenten.

Mit Futter spielt man doch! - Futter sinnvoll unterwegs einsetzen
[07:18] – Anja

Wenn wir jetzt Futter werfen und die Hunde sich das Futter holen dürfen, oder der Hund – ich rede immer in der Mehrzahl, weil ich mehrere Hunde habe – wird ja oft die Angst geäußert, dass es das Jagdverhalten fördert oder wie du schon früher gesagt hast, Futter einsetzt im wildreichen Gebiet. Wenn er jetzt dem Keks hinterherläuft, dann läuft er auch dem Reh hinterher. Wie können wir diese Ängste nehmen?

[07:55] – Anne

Erst einmal dürfen wir uns bewusst machen, dass Jagdverhalten angeboren ist. Das heißt, unsere Hunde lernen die Verfeinerungen des Jagdverhaltens im Laufe ihres Lebens. Sie lernen auch, auf welchen Auslöser es sich lohnt zu reagieren und wie sie es am geschicktesten anstellen. Sie lernen aber nicht das Jagen an sich. Das können sie, das hat die Natur ihnen mitgegeben. Es wäre dramatisch, wenn ein Hund das nicht von alleine könnte. Du brauchst also keine Angst davor zu haben, dass du das Jagdverhalten durch Futterspielchen größer machst, sondern im Gegenteil, du kannst es dadurch verfeinern.

 

Du kannst den Hund lernen lassen, wo es sich lohnt und wann es sich lohnt!

 

Nämlich bei dir, mit dir und auf welche Art. Du kannst sein Zeitfenster befriedigen und kannst ihn dadurch davon abhalten mehr und anderes zu jagen. Das gleiche gilt übrigens auch bei der Angst, dass der Hund, falls er Futter vom Boden essen darf, was du gestreut hast, dann auch mehr auf anderes Futter vom Boden abfährt. Das Gegenteil ist in der Regel der Fall.

Es sei denn du arbeitest an der Stelle mit viel Druck, Zwang, Impulskontrolle oder Übungen mit viel Unterbrechung. Wenn du das Futter einmal gestreut hast, dann lass es den Hund bitte auch in Ruhe aufsammeln. Wenn du also das Signal gegeben hast dann achte darauf, dass du nicht mit Druck dazwischen gehst oder es wieder unterbrichst. Denn dann würdest du Frustrationen auslösen. Und das sorgt dafür, dass der Hund einfach immer schneller alles in sich reinschlingt, was er hat.

Das heißt, wir brauchen keine Angst haben, dass diese Verhalten dadurch grundsätzlich größer werden. Im Gegenteil, wir können sie lenken, können sie vernünftig ausleben lassen und den Hund seine natürlichen Verhaltensweisen bzw. sein Handeln ausüben lassen. Das ist mir ganz wichtig, denn es geht hier wirklich um die Handlung an sich.

Mit Futter spielt man doch! - Futter sinnvoll unterwegs einsetzen
[09:34] – Anja

Wenn ich jetzt mit meinem Hund Wurfspiele mache, wie Futter werfen. Dann steigt seine Erregung. Jetzt weiß ich, dass die Erregung nicht so stark ansteigt wie jetzt bei einer Rehsichtung. Aber trotzdem entsteht ein gewisses Risiko, wenn diese Regung steigt. Wie gehe ich damit um?

[10:10] – Anne

Wenn du natürlich plötzlich die Interaktion stoppst und es plötzlich beendest, z.B. weil ein anderer Hund kommt, du ein Reh siehst oder sonstiges. Dann ist dein Hund erstens auf dem Erregungslevel im Stich gelassen und zweitens vielleicht frustriert, weil es zu plötzlich endet. Und dann kann es dir passieren, dass er sich sofort was anderes sucht, wo er diese Erregung oder auch den Frust daran abbauen kann.

 

Futter einsetzen, um eben auch Jagdverhalten zu befriedigen

 

Vor allem wenn dein Hund Begegnungsprobleme hat. Du siehst einen anderen Hund auftauchen und hörst mit den tollen Spielchen auf, da sagt sein Gehirn natürlich „anderer Hund kommt, doof“. Damit vergrößerst du eher das Problem. Für uns ist es ganz wichtig Futter einzusetzen, um eben auch Jagdverhalten zu befriedigen. Auch mal schneller zu werden, ein bisschen mehr Erregung einzubauen, um das Ganze wieder ausklingen zu lassen.

Auch für das ausklingen lassen vom Spielen mit Ball oder ähnlichem lässt sich Futter super einsetzen. Weil die Jagdsequenz und die Erregung ja sehr eng zusammenhängen und die Jagdsequenz auch mit Fressen abgeschlossen wird. Hierzu haben wir ja bereits einen Podcast aufgenommen bzw. eingestellt und diesen verlinken wir dir hier nochmals.

[11:19] – Anja

Somit ist also nicht das Futter an sich das Probleme entstehen lässt, sondern die Verwendung. Magst du uns zusammenfassen, worauf wir beim Futter verwenden achten sollen?

 

Worauf wir beim „Futter verwenden“ achten sollten!

 

[12:01]  – Anne

Wenn du viel mit Futter arbeiten möchtest – du über Futter den Nahrungserwerb deines Hundes befriedigen möchtest, Beutefangverhalten befriedigen oder erhalten möchtest und auch Erkundungsverhalten stimulieren und begünstigen willst, dann kannst du diese fünf Punkte beachten.

Wenn du einen Hund hast, der sehr futtermotiviert ist oder auch der sich draußen schwer auf Fressen einlassen kann. Dann fang erst mal an, an bestimmten Orten mit dem Futter zu arbeiten. So hast du von vornherein eine Struktur drinnen und der Hund weiß, wann es sich lohnt, wann es sich nicht lohnt bzw. wo sicher genug ist zum Essen. Das lösen wir z.B. über die Wohlfühlinseln.
Sorge dafür, wenn du Erregung mit dem Futter hoch- und runterfahren willst, dass du es vorher übst, mit der Erregung und dem Essen zu spielen. Essen aus der Hand ist häufig für Hunde langweiliger und unattraktiver als geworfenes Essen oder Essen was man vom Boden aufsammeln kann. Wenn du wirfst, sorgt es für mehr Erregung, als wenn du streust. Sodass du auch hier wieder eine Struktur reinbringen kannst und den Hund immer dort und das ist.
Tipp 3, hole den Hund auf dem Erregungslevel ab, wo er gerade ist und dann leite es durch die Interaktion dahin, wo du es haben willst. Wenn du ihn ruhiger haben willst und er war vorher sehr aufgeregt, dann wirfst du vielleicht erst etwas, dann streust du etwas und schon ist die Erregung etwas weiter unten. Oder umgekehrt.
Wenn du über Futter arbeiten möchtest. Bau ein Markersignal auf und schalte es vor die Futterbelohnung. So weiß dein Hund, dass jetzt gleich von dir etwas Gutes kommt. Du kannst es wirklich effizient für das Training einsetzen und vor allen Dingen brauchst du dir keine Sorgen machen, dass der Hund nicht oder dass der Hund quasi jedes Futter nimmt, sondern du kannst damit gleichzeitig auch signalisieren, das hier kommt jetzt von mir, das hat unseren Stallgeruch und das nutzen wir.
Wenn du gerade nicht über Futter mit deinem Hund interagieren willst, dann schließe die Leckerchentasche und schieb sie auf den Rücken. So weißt du und dein Hund, dass jetzt gerade keine Leckerchen verfügbar sind. Und dann steht es dir frei, ob du andere Belohnungen einsetzt oder ob vielleicht jeder einfach für sich geht und du gerade gar nicht großartig belohnst. Sondern eher vielleicht gemeinsam einfach nur schlendert, erkundet, die Stille genießt oder was auch immer.
Und last but not least ein kleiner Zusatz von uns. Achte darauf, wenn du über Futterbelohnungen arbeitest, das maximal 60 bis 80 Prozent Futterbelohnung sind und der Rest bitte, bitte, bitte andere Bedürfnisse befriedigt. Nicht nur das Essen.
Mit Futter spielt man doch! - Futter sinnvoll unterwegs einsetzen
Anja

Ein wunderschönes Spiel, das auch sehr einfach in der Umsetzung ist und du dennoch sehr viel machen kannst, wie Anne schon erwähnt hat, die Erregung deines Hundes ein bisschen Steuern, ist das x Leckerchen Spiel!

Wir verlinken dir das auf jeden Fall in den Shownotes. Wir wünschen dir viel Freude in der Umsetzung unserer Tipps und freuen uns natürlich umso mehr, wenn du wieder mal vorbei hörst.

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