Qualzuchten - Wenn das Leben Leid beinhaltet

Qualzuchten – Wenn das Leben Leid beinhaltet

Was sind Qualzuchten und wie kannst du etwas dagegen tun?

Viele Hunde leiden still, manche von ihnen, weil wir sie auf ein bestimmtes Bild selektiert haben. Stummelruten, Fellveränderungen, Falten oder Kinderköpfe – alles hat seine Konsequenzen!

Erfahre in dieser Podcast Episode:

Was eine offiziell Qualzucht ist.

Wie wir dazu stehen.

Was für Kriterien es gibt.

Was du beachten solltest, wenn du einen Hund aus Qualzucht hast.

Warum du unbedingt an die Zuchtverbände melden solltest, wenn dein Hund Auffälligkeiten hat.

Denke stets daran: Gemeinsam haben wir die Chance etwas zu verändern!

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Transkript zur Podcast Episode

#50 Qualzuchten – Wenn das Leben Leid beinhaltet | Was sind Qualzuchten und wie kannst du etwas dagegen tun?

 

[00:00] – Anne

Hallo und herzlich willkommen zu einem etwas brisanten Thema, für das wir letztes Jahr schon einmal ein bisschen Schelte auf Social Media bekommen haben. Es aber uns nicht nehmen lassen, es gleich noch einmal aufzugreifen: Nämlich das Thema Qualzuchten.

[00:46] – Anne

Liebe Anja, wir haben in der Vorbereitung dieser Podcast Episode ja schon festgestellt, dass Deutschland und Österreich sich ein bisschen unterscheiden, was das Thema angeht. Unsere persönlichen Meinungen sich aber sehr gut zusammenfügen lassen. Lass uns doch mal damit anfangen:

 

Was ist offiziell in Österreich eine Qualzucht?

 

[01:09] – Anja

Sehr gern. Also in Österreich ist alles eine Qualzucht, was dem Hund Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst zufügt. Das heißt, wenn die körperliche Verfassung des Hundes zu einem oder mehreren dieser Symptome führt, dann wird es unter Qualzucht geführt. Es ist auch genau definiert, was genau darunter zu verstehen ist. Ist das in Deutschland auch genau aufgeführt?

[01:37] – Anne

Leider nein. Also in Deutschland ist es leider gar nicht so genau aufgeführt. Es gilt auch hier, alles was mit Leiden verbundene Verhaltensstörungen auftreten lässt, alles was artgemäße Kontakte mit Artgenossen bei ihnen selbst oder mit einem Artgenossen zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führt oder was auch direkt bei der Haltung Schmerzen oder Leiden auslöst. Das heißt, auch hier geht es um Verhalten, Schmerzen, Leiden oder körperliche Schäden.

Aber unser Tierschutzgesetz ist an der Stelle schon relativ alt und es gibt dazu lediglich ein Gutachten aus dem Ende des letzten Jahrtausends, was das Ganze nochmal näher definiert und was dann im Prinzip nochmal Empfehlungen ausspricht. Aber erstens aus dem Ende des letzten Jahrtausends, wo ja viele Rassen noch gar nicht so populär waren, die jetzt sehr populär sind und das andere ist: Es nur eine Empfehlung. Es ist ein Gutachten, wie der Paragraph auszulegen ist, aber es ist eben keine juristische wirkliche Möglichkeit, geschweige denn eine konkrete Formulierung. Also sehr, sehr fragwürdig in Deutschland.

[02:57] – Anja

Also bei uns sind es 13 Punkte, die schon relativ gut zusammenfassen. Zusätzlich ist auch noch geregelt, dass man weder solche Hunde züchten darf, noch solche Hunde erwerben darf und/oder solche Hunde ausstellen darf. Also das ist schon relativ konkret das Ganze. Für die Zucht – Weil man sich ja bewusst ist, dass bei der Zucht nicht vom einen Tag auf den anderen Veränderungen da sind – ist es eben so, wenn man trotzdem mit solch einer Rasse, die bekannt dafür ist, dass sie Qualzuchtmerkmale aufweist, züchtet, gibt’s Übergangsbestimmungen. Dann muss man als Züchter monitoren, planen und evaluieren. Das muss man alles schriftlich dokumentieren und vorlegen.

[03:54] – Anne

Nein, das ist hier leider nicht so. Allerdings kann in bestimmten Fällen hier auch die zuständige Behörde die Kastrationen bzw. das Unfruchtbarmachen anordnen.

Im Übrigen sind Hunde nicht die einzigen Tiere, die von Qualzucht betroffen sind. Das wollen wir euch gar nicht vorenthalten. Das gibt es bei Katzen. Es gibt es bei Vögeln, da sind die Tauben ganz vorne an zu erwähnen. Aber auch bei so etwas wie Hühnern und Gänsen gibt es das bei den Vögeln und auch bei den Kleintieren. Also ist das schon eine ganze Menge.

Qualzuchten - Wenn das Leben Leid beinhaltet
Lass uns mal auf unsere persönliche Meinung kommen zum Thema Qualzucht. Was ist für dich, Anja, Qualzucht?

 

[04:46] – Anja

Also, ich sage mal so, ich stimme dem österreichischen Tierschutzgesetz vollumfänglich zu und es sind dann vielleicht auch schon leichtere Ausprägungen davon, wo mein Herz höher schlägt im Sinne von: „Oh, da müsste man vielleicht nochmal genauer hinschauen.“ Also wir kommen dann noch auf die ganzen Formen, die dort drinnen sind. Aber ich bin sehr sensibel, was das Thema angeht, weil ich auch quasi selbst betroffen bin. Ich habe eine Hunderasse, die sehr groß ist und mir war damals bei der Auswahl meiner Hunde nicht bewusst, dass das tatsächlich Probleme machen kann.

[05:30] – Anne

Für mich ist immer dann eine Qualzucht vorliegend, wenn wir in irgendeiner Art und Weise den Körper so verändern, dass der Hund sich nicht mehr in seinem Körper ohne Einschränkungen – auch temporäre Einschränkungen, wie zum Beispiel, dass er vielleicht durch übermäßiges Fell, – da kommen wir gleich noch zu – vielleicht super hitzeempfindlich ist etc. in den Gefilden, in denen er leben soll – bewegen und aufhalten kann. Dann ist für mich definitiv eine Qualzucht vorliegend.

Auch ich bin da wirklich sehr kritisch, weil ich auch bestimmte Rassen, die jetzt hier gleich gar nicht vorkommen, auch durchaus als sehr, sehr kritisch sehe. Wenn z.B. die Rücken so lange gezüchtet werden, dass mit Problemen, mit eigentlich Sollbruchstellen sozusagen, zu rechnen ist. Oder auch wenn Zuchtbücher so angepasst werden oder Hüftgutachten so angepasst werden, dass eigentlich etwas, was nicht mehr funktional ist, trotzdem noch weil es „schön“ ist z.B., in Ordnung ist. Dann ist das für mich auch definitiv eine Qual. Also ich glaube, ich bin da noch viel viel viel viel enger gesteckt.

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Bevor wir jetzt mal auf die verschiedenen Formen eingehen, möchten wir dir zwei, drei Sachen mit auf den Weg geben.

Nämlich als erstes: Egal was wir gleich besprechen, egal welche Form wir besprechen, du kannst nie im Körper nur an einem Stellrädchen drehen. Also wenn du z.B. auf bestimmte Genveränderung selektierst, um eine Haarlosigkeit zu bekommen, dann veränderst du damit unter anderem die Zähne.

Wenn du auf bestimmte Sachen wie Stummelruten selektiert, geht das teilweise über die Neuralleistenaktivität und damit verändert sich auch so etwas wie der Knorpel. Damit verändert sich so etwas wie die Schilddrüsenfunktion und und und. Das ist ein extrem komplexes Thema und niemand von uns weiß, was passiert, wenn er auf ein bestimmtes Merkmal selektiert.

[07:58] – Anja

Genau so ist es. Also ich komme jetzt nochmal darauf zurück, dass du als Züchter, das ist in Österreich jeder, der einen reproduktionsfähigen Hund hat. Also unabhängig davon, ob du es über Zuchtverband, Tierarzt oder wer auch immer das Ganze macht, machst. Du bist Züchter, sobald der Hund sich vermehrt. Und dieser muss bei Hunden, die unter Qualzuchtmerkmalen registriert sind, das Monitoring machen. Darunter fällt z. B. auch, dass du die Nachkommen notierst, die die Anzahl der Nachkommen, einschließlich der abgestorbenen Föten und der Totgeburten. Das ist genau das, was die Anne sagt: Es sind so viele Faktoren. Wenn du irgendwo an einem Rädchen drehst, dann passiert etwas. Und wenn es dann dazu führt, dass Föten nicht mehr lebensfähig oder überlebensfähig sind, dann gehört das auch da mit rein.

[08:59] – Anne

Der zweite Aspekt, auf den wir dich hinweisen wollen: Ganz egal, ob du einfach jemand bist, der gerne einen Hund hätte oder schon einen Hund aus einer Qualzucht hat oder auch keinen aus Qualzucht, aber Kontakt zu welchen. Oder ob du selber darüber nachdenkst, mit deinem Hund zu züchten, weil du dieser Rasse wieder was Gutes tun willst. Oder weil du Trainerin und Trainer bist und Kontakt zu diesen Rassen hast. Wir alle haben immer die Macht, etwas mit zu verändern, indem wir uns als Konsumenten, als diejenigen, die Geld fließen lassen, in irgendeine Richtung einschalten. Wir können wirklich drauf achten, dass wir nichts unterstützen, was in irgendeiner Art und Weise Qualzuchten fördert.

Für mich ein ganz wichtiges Beispiel an der Stelle kommt nicht aus dem Hundebereich, sondern aus dem Pferdebereich. Da ist es mir lange gegen den Strich gegangen, dass dieses Thema der Schlachtpferderettung so hochgekocht wurde. Also nicht, dass ich etwas gegen Schlachtpferderettung habe, aber bitte auch da mit Sinn und Verstand. Weil es gibt Rassen, die sind in den letzten Jahren vermehrt für die Fleischproduktion eingesetzt worden, und die sind eben darauf selektiert worden, dass die sehr schnell sehr viel Masse aufbauen an verzehrbarem Fleisch. Das heißt, die haben häufig gar nicht mehr die Knochenstruktur, die haben häufig gar nicht mehr den Bewegungsapparat um schmerzfrei alt zu werden. Wenn ich ein solches Pferd, was auf dem Weg zum Schlachter ist, dann rette, weil es zwei, drei oder vier Jahre ist und möchte das quasi ein Leben lang behalten, dann gehört dazu,  dass ich immer darauf achte: „Ist diese Haltung für dieses Tier wirklich noch schmerzfrei? Was kann ich tun, damit sie schmerzfrei ist?“ Und dass ich mir bewusst machen, dass in dieser Fleischproduktion durchaus auch der Abverkauf an Retter einkalkuliert wird.

Je nachdem, in welchen Bereich der Hundezucht du guckst, natürlich nicht in den Bereich der wirklich guten Züchter, aber die züchten auch keine Qualzuchten, dann hast du eben hier genau den gleichen Effekt. Es wird teilweise mit einkalkuliert, dass der Tierschutz Tiere mit abnimmt und an der Stelle wirklich: „Augen auf!“.

[11:35] – Anja

Ja, wenn du nach reiner Schönheit selektierst und ganz unreflektiert das, was dir gefällt, nimmst und so in dieses Denken gehst, der ist ja schon nun mal da, der braucht mich. Denk mal einfach um die Ecke, denk mal weiter, was das auch bedeutet. Weil es ist nun mal so, dass solche Hunde auf Nachfrage produziert werden. Ja, ich habe das jetzt bewusst gesagt.

[12:07] – Anne

Also Augen auf, setz dein Geld da sinnvoll ein, auch nicht nur im Bereich Hunde, sondern du kannst auch sonst gucken: „Wen unterstütze ich eigentlich mit meinem Geld und was machen die Personen damit?“ Das mag am Anfang ein bisschen anstrengender sein, schont aber an vielen Stellen auch den Geldbeutel und auch vieles andere. Definitiv, wenn du Hundetrainerin oder Hundetrainer bist, bitte berate Kunden, die zu dir kommen, die sich gerne einen Hund anschaffen wollen. Klären sie darüber auf, was Qualzucht sind, was das für den Hund bedeutet. Kläre sie eben auch darüber auf, dass das für sie bedeutet, dass sie ein Leben lang auf diese Einschränkungen Rücksicht nehmen müssen und was sie damit konkret unterstützen.

[12:57] – Anja

Ja, und letztendlich ist es auch ein wahnsinniger Kostenfaktor. Denn diese Hunde, so wie die Anne schon sagte, müssen ein Leben lang unterstützt werden und es bedarf medizinischer, tierärztlicher Betreuung. Und das kostet.

Qualzuchten - Wenn das Leben Leid beinhaltet

[13:10] – Anne

Anja, bei euch ist es, wenn ich das richtig im Kopf hab, ja auch so, – Das ist bei uns ja auch nicht geregelt. – dass man Hunde, die zu Qualzucht gehören, auch nicht als Therapiebegleithunde einsetzen darf, richtig?

 

Darf man Hunde, die zur Qualzucht gehören als Therapiebegleithunde einsetzen?

 

[13:23] – Anja

Ja, also Therapiehunde und Assistenzhunde, die sind ganz klar davon ausgeschlossen und bei den Therapiehunden gibt’s noch eine Grauzone, in Anführungszeichen, für die so genannten brachiocephalen Rassen. Da kommen wir gleich noch zu. Die müssen wirklich ganz genaue Untersuchungen über sich ergehen lassen.

[13:42] – Anne

Ja, legen wir mal los. Du hast ja die Liste da, was in Österreich wirklich gelistet ist. Wieviele Punkte sind das bei euch? In Deutschland gibt es das auch, aber nur als Gutachten sozusagen. Fangen wir mal an. Was hast du als erstes?

[14:01] – Anja

Atemnot

[14:02] – Anne

Atemnot?

[14:05] – Anja

 

Brachiocephale Rassen

 

Ja, Atemnot kann durch Züchtungen entstehen. Wir sind jetzt eh schon im Thema brachiocephale Rassen: Alle Rassen die auf Kurzschnäuzigkeit gezüchtet werden. Das heißt, wo der Oberkiefer immer kürzer wird. Das hat auch noch andere Auswirkungen. So wie wir schon gesagt haben: Wenn wir an einem Stellrädchen drehen, dann wird auch etwas anderes passieren. Aber Atemnot. Also kurze Schnauze ist absolut einschränkend im Leben.

[14:44] – Anne

Die Brachycephalie: Das bedeutet dein Hund hat einen breiten, sehr runden Schädel. Der sieht fast ein bisschen aus wie ein Puppenschädel. Also der wird wirklich unserem Schädel wieder ähnlich. Das wird fast ein Rundkopf. Das sorgt dafür, dass der Oberkieferknochen und der Nasenknochen sich zurückbilden. Diese sind relativ häufig auch mit den Stummelruten verbunden. Du kennst das z.B. vom Boxer, von Bulldoggen, vom Mops. Was haben wir noch? Den King Charles Spaniel, den Shih Tzu… Hab ich was vergessen? Den Chihuahua – der hat es auch relativ häufig.

[15:29] – Anja

Das geht häufig mit einem Luftröhrenkollaps einher, was natürlich für solche Hunde, die eh schon schwer Luft durch die Nase kriegen, katastrophal ist, und mit dem verlängerten Gaumensegel. Das betrifft dann andere Bereiche auch noch.

[15:48] – Anne

Das heißt, diese Hunde sind z.B. durch die Atemprobleme, durch den verkürzten Kopfbereich des Atemapparats häufiger von Hitzschlägen betroffen. Deswegen auch diese Folge jetzt im Sommer. Weil, wie du vielleicht im letzten Blogartikel und im letzten Podcast mitbekommen hast bzw. im vorletzten, wird Hitzschlag dadurch ausgelöst, dass das Blut nicht mehr runter gekühlt werden kann, durch den Atemapparat, bevor es ins Gehirn kommt. Dann kann es zu massiven Geburtsproblemen kommen, die eben auch große Schmerzen bei der Mutter auslösen, wegen der großen Schädelformen die einfach nicht mehr durch passen.

[16:36] – Anja

Ja, das Verhältnis vom Becken der Hündin zum Schädel des Welpen das passt einfach nicht mehr und die können dann teilweise eben nicht mehr natürlich gebären.

[16:50] – Anne

Dann kommen häufig dazu: Massive neurologische Probleme, weil das Gehirn zusammengedrückt wird.

Es kommen dazu: Massive Probleme im Bewegungsapparat, weil diese Kurzschnäuzigkeit wirkt sich auch auf den Rücken aus, z.B. in Form von Blockwirbeln, also mehr oder weniger zusammengewachsenen Wirbeln, Hüften und Knien. Es findet eine viel größere Außenrotation in den Knien statt.

Übrigens verändert sich bei diesen Hunden auch die Knochenform, wenn so ein Hund so sehr breit und kompakt gezüchtet wird. Häufig haben sie Augenprobleme, wegen der flachen Höhlen.

[17:31] – Anja

Ja, die Augenhöhlen: Also der Schädel verändert sich da so, dass die Augen nicht mehr, wie bei einem üblichen Hundekopf, seitlich angeordnet sind, sondern die wandern immer mehr nach vorne und die Augen selbst werden zu groß für die Augenhöhlen. Die können dann teilweise die Lider nicht mehr komplett schließen, was natürlich zu Augenentzündungen und generell Probleme mit der Tränenflüssigkeit usw. führt. Wenn die Augen zu groß sind, können die auch herausfallen aus den Hüllen.

[18:06] – Anne

Damit sind wir bei noch einem wichtigen Aspekt bei diesen Hunden, nämlich dass sich auch noch Falten bilden können und in diesen Falten häufig dann auch Entzündungen entstehen, sich Bakterien einnisten, solche Sachen.

Auch da nochmal: Durch die veränderte Schädelform und durch den verändernden Körper entstehen diese Falten überhaupt. Und dann haben diese Falten z.B. einen erhöhten Pflegeaufwand und das findet nicht jeder Hund toll.

[18:36] – Anja

Vor allem, weil häufig mit dieser ganzen Deformation, mit den Bewegungsanomalien, einhergeht, dass die Hunde z.B. kurze Extremitäten haben. Das heißt, die haben auch Einschränkungen in der Körperpflege, weil sie sich selber nicht mehr kratzen können an gewissen Stellen.

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[18:55] – Anne

Damit sind wir beim nächsten Merkmal, oder Anja? Steht bei euch übermäßige Hautfaltenbildung nicht mit drauf?

 

Übermäßige Hautfaltenbildung

 

[19:03] – Anja

Doch natürlich. Die übermäßige Faltenbildung, Entzündungen der Haut z. B. ist Punkt D. Wir haben Entzündung der Lid-, Binde- oder der Hornhaut: Punkt F. Also wir haben schon einiges jetzt benannt, aber tatsächlich steht die übermäßige Faltenbildung nicht dezidiert drin, fällt mir jetzt gerade auf.

[19:32] – Anne

Also in dem deutschen Gutachten zum Auslegen der Merkmale steht die übermäßige permanente Hautfaltenbildung. Das sind Hautfalten, die teilweise, also partiell am Körper, oder über den kompletten Körper in Erscheinung treten. Die führen eben zu Hautprobleme und auch zu Reizungen der Hornhaut mit Keratitis. Also auch da haben wir nochmal das Auge dabei.

[20:03] – Anja

Es ist bei euch definiert und schöner ausformuliert.

[20:06] – Anne

Ja. Da können wir dir natürlich nennen: Den Bluthund z. B., den Bessert und auch den Shar-Pei.

[20:15] – Anja

Ja, alles was Falten bildet.

[20:17] – Anne

Alles was Falten bildet und auch alle brachyzephalen Rassen wie z.B. der Mops – bildet ja auch Falten. Auch da: Augen auf!

[20:26] – Anja

Alle Bulldoggen!

[20:27] – Anne

Bei den Bulldoggen, genau. Dieser Hautfalten sorgen für regelmäßigen Juckreiz, für Entzündungen, für weniger Wohlbefinden und dadurch sind sie eben auch eine Qualzucht.

[20:44] – Anja

Was auch noch einhergeht damit, also auch mit brachyzephalen Rassen ist, dass das Gebiss und die Schädeldecke sich deformieren.

Das hat natürlich auf die Lebensqualität und auf die Gesundheit große Einflüsse. Es gibt kleine Hunderassen, bei denen die Schädeldecke nicht zusammenwächst. Das heißt, die haben eine offene Fontanelle. Das birgt natürlich riesige Gefahren im Alltag. Und beim Gebiss: Naja, was soll man sagen? Jeder weiß, wie das ist, wenn man Zahnschmerzen hat und richtig beißen kann. Es ist definitiv einschränkend für die Lebensqualität.

[21:26] – Anne

Definitiv! Gerade im Hautbereich gibt’s ja dann auch noch ganz andere Bereiche, andere Sachen, die dazugehören. Dazu können wir z. B. nennen das Auswärts- oder Einwärtsrollen des Augenlidrands. Das steht bei uns auch mit auf der Liste. Das ist vielleicht gar nicht so auffällig, aber du kennst das vielleicht auch vom Bloodhound, Neufundländer oder Bernhardiner. Die neigen gerne zum Auswärtsrollen. Aber auch so Hunde wie der Pudel gehören zu den Hunden – und auch der Rottweiler – wo es sich gerne mal nach innen rollt.

[22:01] – Anja

Ja. Aus meiner persönlichen Erfahrung weiß ich, dass Retriever zum Beispiel, oder Wasserhunde auch, zu diesen Problemen neigen. Da kenne ich auch viele.

[22:15] – Anne

Das Ausrollen siehst du vor allen Dingen bei Hunden mit faltenreicher Haut – also wieder die eben genannten. Deswegen hab ich da jetzt auch die Überleitung gemacht. Das Einrollen siehst du vor allen Dingen bei den Hunden mit tiefliegenden oder kleinen Augen. Also wirklich, wirklich gut hingucken, ob das z. B. mit dazugehört.

Ja und jetzt haben wir so viel Haut gemacht. Es gibt eine sehr selten bekannte Geschichte, nämlich die Hauteinstülpungen am Rücken. Das ist das Dermoid und das sieht man z. B. bei Ridgebacks.

[22:52] – Anja

Ja und das bringt auch neurologische Probleme mit sich.

[22:55] – Anne

Das bringt auch neurologische Probleme mit sich. Weil da Sachen mit dem Wirbelkanal und dem Rückenmark noch passieren können. Das ist vermutlich, das weiß man noch gar nicht, an das Gen des Ridges gekoppelt.

Anja, was haben wir noch rund um die Haut? Hast du da noch etwas?

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​[23:19] – Anja

Ja. Haarlosigkeit.

 

Haarlosigkeit ist Qualzucht

 

Nackthunde dürfen nicht gezüchtet werden. Das macht Sinn. Ein Hund kann sich nur mit Fell vor Sonneneinstrahlung schützen.

[23:42] – Anne

Dazu kommt, dass bei der Haarlosigkeit die Gebissanomalien und ein Immundefizit dazukommt.

[23:55] – Anja

Es können auch die Vibrissen fehlen. Das ist ein wichtiger Tastsinn für die Hunde.

[23:59] – Anne

Ein ganz ganz wichtiger Tastsinn. Ihr wisst ja vielleicht schon, dass ich die Krise kriege beim Vibrissenabschneiden oder -kürzen nicht wegen der Schmerzen, die man vielleicht beim Hund damit auslöst, sondern weil wir sie im Grunde blind machen. Wir nehmen ihnen ein ganz wichtiges Erkennungs- und Lebensqualitätsmerkmal.

Die Nackthunde haben definitiv auch ein Problem mit Allergien, Sonnenbrand oder Klimaanpassung.

[24:33] – Anja

Dementsprechend alle Hautprobleme, die es halt so gibt, bis hin zum Krebs.

[24:39] – Anne

Auch das sogenannte Blue Dogs Syndrom, das blaue Dobermann Syndrom. Das ist so ein blaugraues, helleres Fell. Das hat eben auch mit zur Folge, dass weniger Pigmente gebildet werden und dass es mehr Hautentzündungen gibt. Da ist es eben eine gestörte Verhornung. Da kommt es häufig auch zu Schuppen, zu Pickeln. Ich weiß, die heißen offiziell anders, aber wir machen das jetzt mal so.

[25:10] – Anja

Ja, es sind Hautprobleme. Wir sind ja keine Mediziner.

[25:13] – Anne

Genau. Es können auch Ödeme entstehen und solche Sachen. Also auch da: Augen auf!
Da haben wir schon eine ganze Menge, oder?

[25:26] – Anja

‚Ne ganze Menge.

[25:27] – Anne

Mir fällt es übrigens immer wieder auf bei unserer Friesenstute, die auf eine Farbe, schwarz, selektiert ist, die den dicken Behang an den Beinen haben. Und ich kenne so viele Friesen, die ein Stoffwechsel- und Hautprobleme haben. Es ist echt kein Spaß, wenn die das haben. Also weder für’s Portemonnaie des Besitzers, aber natürlich noch viel weniger für ein Pferd, einen Hund oder was auch immer, der dauernd Juckreiz hat, der dauernd behandelt werden muss, der sich da wirklich nicht wohlfühlt.

Was haben wir noch?

[26:01] – Anja

Wenn wir schon bei Fell und Haut sind. Was viele vielleicht gar nicht wissen ist, dass wenn man weiße Hunde hat oder weiß mit schwarzen Schecken, dann kann das mit Taubheit einhergehen.

[26:16] – Anne

Yes!

[26:17] – Anja

Der klassische Fall ist der Dalmatiner.

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​[26:25] – Anne

Wenn wir schon bei Weiß sind, dann sollten wir auch über das Merlesyndrom sprechen.

 

Merlesyndrom

 

[26:31] – Anja

Ja, definitiv. Das ist auch etwas ganz Wichtiges.

[26:34] – Anne

Das Merlesyndrom, das kennst du. Das sind diese, ich sag mal „Tigerschecken“, diese Weißtiger. Da geht es darum, dass eben Bereiche nicht mehr pigmentiert sind. Das geht einher z. B. mit Sinnesorgandefekten. Es treten dabei unter anderem Probleme mit Augen und Ohren auf, eine eingeschränkte Seh- und Hörfähigkeit und teilweise auch wirklich Störungen des Gleichgewichtsorgans.

[27:06] – Anja

Ja. Die Hunde sind sehr sensibel. Es dürfen auch manche Medikamente nicht gegeben werden. Das solltest du auf jeden Fall beachten, wenn du einen Merlehund hast. Man darf auch nicht Merle mit Merle verpaaren. Also es müssen auch Gentests gemacht werden, bevor diese Verpaarungen stattfinden. Also das ist schon ein sehr komplexes Thema. Das ist wirklich rein – ich sage das jetzt – aus dem Schönheitsideal des Menschen heraus entstanden dieses Problem.

[27:34] – Anne

Das Merlesyndrom kennst du wahrscheinlich von Collies, Shelties und Australian Shepherds z.B.. Wo es nicht so bekannt ist, aber eben auch auftritt ist z. B. die Deutsche Dogge…

[27:45] – Anja

Und Chihuahua…

[27:47] – Anne

Und der Bobtail. Ich nenne immer die Großen, merkt ihr das?

[27:53] – Anja

Und ich gleiche aus.

 

Rutenlose Hunde

 

[27:54] – Anne

Genau. Ja, was wir noch haben – ich habe selber einen Hund, der davon ein Stück weit betroffen ist und einen anderen Hund, den man damit betroffen gemacht hat. Wobei es da eben keine Qualzucht ist – ich habe ja zwei rutenlose Hunde bzw. Stummeruten. Das ist die sogenannte Brachyurie und Anurie, wo man unterschiedlich lange Schwanzwirbelsäulen hat und eine Stummelschwänzigkeit oder einen Knick- oder Korkenzieherschwanz. Das ist natürlich auch nochmal so eine etwas schwierige Sache. Wobei man da nicht nur auf Genetik im Übrigen zurückschließt, sondern dass es da auch noch den Verdacht von Umweltfaktoren gibt. Ist es bei euch in Österreich auch?

[28:54] – Anja

Ja. Mir haben nur gerade deine Worte zu denken gegeben. Die Umweltfaktoren: Superwichtig! Aber es gibt ja viele Rassen, die grundsätzlich rutenlos zur Welt kommen. Es sind ja auch häufig die bra­chy­ze­phalen Rassen. Das ist halt wirklich für den Bewegungsapparat eine Katastrophe. Das kann man nicht anders sagen.

[29:17] – Anne

Total. Also häufiger sind dann z.B. Blockwirbel, also auch wieder zusammengewachsenen Rückenwirbel und solche Sachen. Das können Störungen in der Bewegung der Hintergliedmaßen sein, wodurch übrigens auch eine Inkontinenz entstehen kann. Also auch da definitiv: Augen auf!

Wir waren uns bei der Nayeli sehr sicher von Anfang an, dass die Rute abgetrennt worden ist, weil wir eben Fotos von ihr kennen, wo sie vier Wochen alt ist und noch eine wunderschöne Rute hat. Als sie dann zu uns kam, hatte sie die nicht mehr. Bei der Minnie aber, ist es tatsächlich so, dass die eine Stummelrute hat. Allerdings hat die ja noch eine sieben bis acht Zentimeter lange Rute. Wir sind uns sehr sicher bei ihr, das die nicht abgetrennt wurde.

[30:08] – Anja

Also da solltest du auf jeden Fall hinschauen. Alles, was den Bewegungsapparat betrifft, also Lahmheit z. B. darf auch nicht vorkommen. Wo sollte man da hinschauen: Langer Rücken, kurze Extremitäten, das ist immer so der schlimmste Fall. Ich denke jetzt an den Basset: Extrem kurze Extremitäten, extrem langer Rücken und noch die langen Ohren, die richtig Schwierigkeit machen, sehr viel Haut im Gesichtsbereich, die die Augen auch noch problematisch machen.

Qualzuchten - Wenn das Leben Leid beinhaltet

[30:38] – Anne

Damit haben einen ganz wichtigen Bereich, in dem der Basset auch definitiv vorkommt: Den Zwergenwuchs.

 

Zwergenwuchs

 

Also Hunde, wo man nicht die Länge des Rückens verändernd hat, sondern die Kürze der Beine. Dazu gehört z. B. der Basset, aber auch natürlich diverse Dackel. Das Problem an der Geschichte ist, da achtet – Entschuldigung – „keine Sau drauf“, dass unsere Knochen ja eine Speicherfunktion haben. Also bei uns Menschen bis zum 37. Lebensjahr sind die sozusagen wichtigster Bestandteil vom Calcium- und Phosphatstoffwechsel. Das heißt da wird Calcium eingelagert, wieder abgebaut, eingelagert, wieder abgebaut…

Bei Hunden mit Zwergwuchs ist vielleicht sogar die Ursache der Calcium- und Phosphatstoffwechsel, der aus den Fugen gerät. Die bekommen damit auch an vielen anderen knöchernen Strukturen Probleme und nicht selten durch die Länge des Rückens dann auch noch Bandscheibenvorfälle.

[31:48] – Anja

Das Gegenteil wäre übrigens der Riesenwuchs.

 

Grey Collie Syndrom

 

[31:52] – Anne

So Anja… Also ich wüsste jetzt noch das sogenannte Grey Collie Syndrom. Ich weiß nicht, ob das bei euch drauf ist. Das ist diese silberne Farbaufhellung und damit einhergehend z.B. eine Störung der Blutbildung. Die haben weniger Granulozyten und damit haben sie eine hohe Empfindlichkeit für Infektionen. Besonders auf die Schleimhäute.

[32:27] – Anja

Das ist natürlich schlimm. Ja. Weil das heißt ja im Grunde Dauermedikationen.

[32:34] – Anne

Bei uns stehen noch zwei Punkte auf der Gutachtenliste. Welche von deinen haben wir denn jetzt noch nicht?

[32:42] – Anja

Wir haben es schon kurz erwähnt, was da noch drauf steht.

 

Also alle Körperformen, die darauf schließen lassen, dass eine natürliche Zeugung und Geburt nicht möglich sind

 

Also auch der Deckakt. Es gibt ja Hunde, die nicht mehr natürlich decken können. Die gehören raus aus der Zucht.

[32:57] – Anne

Wie ist das bei der Zucht? Hab ich das richtig im Kopf, Anja, dass in der Regel der erste Sprung sozusagen natürlich sein muss beim Rüden?

[33:06] – Anja

Ja, das ist nicht gesetzlich geregelt. Aber in den Verbänden ist es üblicherweise so, dass wenn man auf künstliche Befruchtung setzen will, das ist nicht überall erlaubt, aber grundsätzlich oder üblicherweise ist es so, dass der Rüde einmal natürlich gezeugt haben muss. Bei den Hündinnen wird unterschiedlich geregelt.

[33:27] – Anne

Weißt du, ob das die Ursache ist, dass man das verhindern will? Also damit sozusagen den Gegenbeweis antritt?

[33:34] – Anja

Ich weiß das nicht. Ich vermute, dass das vielleicht ein Faktor ist.

Qualzuchten - Wenn das Leben Leid beinhaltet

[33:39] – Anne

Bei der nächsten Sache auf der Liste muss ich euch ganz ehrlich sagen: Ihr werdet mit den Ohren schlackern, weil wir kaum noch Hunde kennen, die es nicht haben. Nämlich eine HD.

 

HD – Hüftgelenksdysplasie

 

Also die Hüftgelenksdysplasie, eine mangelhafte Hüftbildung, Ausprägung der Hüfte. Ich meine, wir kennen das alle: Fast alle Rassen werden mittlerweile hüftgeröntgt, ehe sie zur Zucht zugelassen werden. Allerdings sind die Verfahren da tricky. Ich weiß, dass es Zuchtverbände gibt, die sich bewusst gegen neuere andere Hüftröntgverfahren gewehrt haben, weil sie dann einfach zu viele aussortieren hätten müssen.

[34:31] – Anja

Ja, ist so.

[34:34] – Anne

Es steht und fällt nicht mit dem massiv abfallenden Rücken des Schäferhundes, liebe Leute! Das ist natürlich dann die Extremvariante irgendwann. Aber wenn ihr euch alle Retriever anguckt, die Sennenhunde, Doggen, Boxer, ihr werdet fast überall HD finden.

[34:57] – Anja

Ja. Ihr werdet sie finden. Und weil es ja schon seit einigen Generationen von Hunden die Aufzeichnungspflicht gibt, ist das nachgewiesen. Ihr könnt ja nachschauen, welchen Grad der HD dieser Hund hat.

[35:11] – Anne

Bei der HD ist es eben so, dass nicht das Gelenk die Schmerzen macht, sondern es macht ihm die Muskulatur die Schmerzen. Die versucht die Instabilität der Hüfte auszugleichen. Häufig hat man dadurch eben auch noch mal Folgeerscheinung, wie z.B. funktionelle Überlastungen an anderen Stellen.

​[35:29] – Anja

Bei uns ist da auch noch die Patellaluxation, besonders bei den kleinen Rassen, auch noch so ein Punkt, auf den man schauen muss. Die ist nämlich auch sehr häufig. Geht auch manchmal einher mit Problemen in der Hüfte.

[35:46] – Anne

 

Hypertrophie des Aggressionsverhaltens

 

Last but not least steht übrigens in Deutschland drauf die Hypertrophie des Aggressionsverhaltens. Laut dieses Gutachtens kann das grundsätzlich bei vielen Rassen vorkommen, aber es werden explizit keine Rassen genannt. Und es ist nach wie vor nicht genetisch nachgewiesen.

[36:07] – Anja

Ja, tatsächlich steht zum Verhalten in dem Sinne bei uns nichts drin.

[36:13] – Anne

Also dieser Punkt ist dann wahrscheinlich auch wirklich schwer nachweisbar, weil was ist erlernt, was ist sozusagen vererblich da? Da wäre ich auch vorsichtig.

Du siehst, es gibt eine ganze Menge an Faktoren, die zu einer Qualzucht sprechen.

Und der Grund, weshalb wir uns beim letzten Mal mit diesem Beitrag unbeliebt gemacht haben, ist einfach, dass wir ja wissen, dass jeder seine Lieblingsrasse hat und dass viele ihre Lieblingrasse dann auch bis aufs Blut verteidigen.

Und ja, es mag sein, dass dein Züchter, dein Hund, deine Planung eben ganz anders aussieht. Der Alltag, was wir sehen, ist eben doch noch so, dass wir sagen: „Es sind zu viele da draußen, denen es einfach nicht gut geht, die tägliche Einschränkungen in ihrem Leben haben, die einen hohen Preis dafür zahlen, dass wir Menschen aus irgendeinem Grund auf ein nicht natürlich vorkommendes Körperbild abfahren.“ Und ich finde, an der Stelle sollten wir Menschen uns gut überlegen: „Warum ist das der Fall? Warum sind wir dieser Rasse verfallen? Was finden wir an ihr toll?“ Und wenn du einer Rasse verfallen bist und die gehört in diesem Bereich: Es gibt sie auch im seriösen Tierschutz.

[37:45] – Anja

Ja. Und wenn du schon eine hast, dann schau, dass du daraus das Beste jetzt machst für dein Tier. Und für dich einfach entscheidest, wie du in Zukunft damit umgehen willst. Ich sage das jetzt einfach mal aus meiner Perspektive: Bei mir wird’s kein Landseer mehr werden. Viel zu groß, viel zu viel Fell…

 

Wir haben das Fell gar nicht erwähnt….

 

[38:09] – Anne

Nö.

[38:09] – Anja

Ja, weil es gar nicht im Tierschutz drin ist.

[38:11] – Anne

Nee.

[38:11] – Anja

Aber übermäßiges Fell – also wirklich, ich kann es nicht anders sagen – pervers ist es bei den Landseern. Die würden in unseren Breiten einfach massiv leiden. Es wird einfach kein Landseer mehr werden. Das ist meine persönliche Entscheidung.

[38:31] – Anne

Wenn du einen Hund hast, der eines dieser Merkmale aufweist, dann finde ich persönlich das noch extrem wichtig, dass der Zuchtverband das erfährt und auch der Züchter. Dass du eben sagst: „Hey, mein Hund hat… Damit eben in der Linie geguckt wird, ob da vielleicht die Elterntiere, die Geschwistertiere etc. eben auch aus der Zucht genommen werden müssen. Also da hast du definitiv die Möglichkeit zu agieren. Scheue dich da nicht für deinen Hund einzustehen, im Alltag und für die Rasse.

[39:14] – Anne

Wir danken dir für’s Zuhören. Es ist erneut eine etwas längere Folge geworden.

In den kommenden Wochen widmen wir uns dann nicht mehr der Zucht, sondern der anderen Seite des ganzen Hunde Marktes: In den nächsten Wochen geht es vor allen Dingen um das Thema Tierschutz.

[39:36] – Anja

Hör mal wieder rein.

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