Freudige Erwartung beim Hund macht kein Erregungsproblem

Freudige Erwartung beim Hund macht kein Erregungsproblem

Bei uns hat es diese Woche zum ersten Mal in diesem Jahr geschneit. Keine weiße Pracht, Stille und knirschender Schnee – eher matschige Leinen und Hunde, Schlamm und dreckige Pfoten. Grau in grau eben. Und doch spüre ich sie, diese „Jahresendfreude“. Die Vorfreude auf heißen Tee, Kamin, Kerzen und auch auf die besondere Stimmung im Dezember. Dabei bin ich kein Weihnachtsfan, es ist nicht das Fest, sondern die Stimmung und der Moment, in dem das Pendel von geschäftig auf geruhsam umschlägt. 

Diese Vorfreude hat einen Namen

SEEKING ist die Emotion hinter Vorfreude. Jaak Panksepp nannte sie so. Um vom englischen Begriff „seeking“ (suchend) zu unterschieden, schrieb er sie einfach komplett groß. 

Sie macht glücklich, sie erregt und sie hat Suchtpotential. Der Neurotransmitter dahinter ist das Dopamin – Dope für’s Gehirn. Doch dazu später mehr. Bei uns Menschen sind Dinge wie das Planen schöner Ereignisse oder auch das Bestellen toller Dinge durch SEEKING getriggert.

Bei unseren Hunden ist SEEKING eng mit der Jagdsequenz, Neugier- und Erkundungsverhalten verknüpft. Suchaufgaben, Entdecken und Erforschen triggert die Emotion. Ebenso wie die freudige Erwartung von Belohnungen oder angenehmen Ereignissen in Ritualen und Routinen. SEEKING ist immer anregend und motivierend, doch diese Erregung hat eine Grenze. 

Vorfreude macht kribbelig, überdreht jedoch nicht

Dopamin erregt und steigert die Motivation zur Bewegung. Es bringt uns in Gang. Man bekommt Hummeln im Hintern und möchte loslegen. 

Das Aufhören von SEEKING hingegen geht nicht selten mit Enttäuschung einher. Der erwartete Moment entpuppt sich als anders – Enttäuschung und damit Frustration stellt sich ein. Einer der Gründe, weshalb Weihnachten dann für viele stressig wird… 

Frustration ist erregungssteigernd und anders als die Erregung von SEEKING, hat diese Erregung die Fähigkeit, sich ins Unermessliche zu steigern. Wird eine Situation mit Frustration verknüpft, so wird auch die Erwartung der Situation mit Frust verknüpft und die Erwartungshaltung bekommt einen anderen Touch. Sie wird frustrierend und damit stark erregend und unangenehm… 

Dieser Aspekt führt dazu, dass eine einst freudige Erwartung immer unangenehmer und stärker erregend wirkt. Ein Teufelskreis, denn nun wollen wir Menschen nicht selten mehr Kontrolle ausüben und die Erregung deckeln. Das Fazit: Der Frust steigt!

Wie du aus diesem Teufelskreis wieder rauskommst, verrate ich dir in meinem Kurs „Vom Raketenhund zur coolen Socke“

Die Sache mit der freudigen Erwartung beim Hund

Dopamin – Dope für’s Gehirn

SEEKING kann süchtig machen, doch diese Sucht verrät uns vielmehr, als manch einer denkt. 

Menschen, die stapelweise Bücher kaufen, diese aber nicht lesen oder tausend Visionen und Pläne aufstellen, diese aber nicht umsetzen, lieben die Vorfreude und das Dopamin unbewusst so sehr, dass sie danach direkt wieder diesen kleinen Kick haben wollen. 

Hunde, die sich nur noch ins Jagen, ins Hüten oder auch ins Ballspielen stürzen, sind ebenfalls auf dieser Schiene unterwegs. Vorfreude, die häufig frustriert wird, macht die Tür zum „Balljunkie“ und zu exzessiven Verhaltensweisen weit auf. 

Doch welche Hunde und Menschen sind gefährdet? Bei Hunden sind es nicht nur diejenigen, die auf ein bestimmtes Element der Jagdsequenz selektiert sind, sondern auch diejenigen deren Bedürfnisse unterdrückt werden. Außerdem sind es prinzipiell die Individuen, die Probleme mit der Umwelt oder einzelnen Dingen in der Umwelt haben, denen sie häufig ausgesetzt werden. Das Gehirn sieht keinen Grund mehr aus dem exzessiven Verhalten aufzutauchen. Die Umwelt und Handlungen nach dem SEEKING sind zu unattraktiv, zu enttäuschend. Es gilt sie zu vermeiden….

Die Sache mit dem Balljunkie

Der Begriff „Junkie“ für einen solchen Hund ist für mich irreführend. Denn einmal Junkie, immer Junkie. Das stimmt in dem Fall jedoch nur, wenn man über Entzug arbeitet. Sinnvoller wäre es jedoch über ein systematisches Training die Spielzeuge wieder in das Leben des Hundes zu integrieren und mit weniger Erregung zu verknüpfen. Denn die meisten Hunde haben den Ball einfach mit Frustration verknüpft, das Spiel damit war anheizend, aber nicht befriedigend und meistens endet es auch noch abrupt, wenn wir Menschen keinen Bock mehr haben. 

Jagen endet in der Natur mit dem Fressen eines Beutetiers oder ist ein Misserfolg. Misserfolge machen Angst, frustrieren und erhöhen die Erregung und den Stress. Es gilt also das Spiel immer mit Futter ausklingen zu lassen und es nicht abrupt zu beenden. 

Interessiert dich das Thema? Schon im Februar bekommst du im Anders mit Hund Zirkel ein passendes Trainingstool, um genau das zu üben. 

Vorfreude treibt an – sie macht Energie

Vorfreude ist Motivation und freudige Erwartung, mit ihr beginnt Energie in uns aufzusteigen. Kann diese Energie nicht entweichen, weil dein Hund z.B. an der kurzen Leine ist, so braucht dein Hund andere Wege, um sie abzubauen. Das ist nicht selten mit hüpfen, ziehen oder in die Leine beißen verbunden. Mehr dazu kannst du in Podcast Episode #65: „Warum Nähe unter hoher Erregung schwerer wird“ nachhören.

Doch auch hier: Die Vorfreude endet in Frust, wenn die zugehörige Bewegung ausgebremst wird. Dann fühlt es sich eben nicht mehr gut an, sondern unangenehm. Ein wenig, wie im Stau auf dem Weg zu einer tollen Veranstaltung. Du freust dich, du willst pünktlich sein und nun stehst du rum und kannst nichts daran ändern. Je nach Situation kippt nun die Laune ganz schnell.

Keine Angst vor Erwartungshaltungen

Oft erzählen mir Menschen, dass sie bestimmte Sachen ins Training nicht einfließen lassen wollen, damit der Hund keine Erwartung bekommt. Doch eine freudige Erwartung ohne Frust ist nichts Schlimmes. Wichtig ist, dass der Hund eben das Richtige verknüpft und erwartet und wir es möglichst zuverlässig erfüllen. 

Diese Erwartungen sind nicht nur super zur Regulation von Erregung, sondern geben unsicheren Hunden auch mehr Halt und Struktur und sorgen für mehr Wohlbefinden. 

Über Routinen und Rituale kannst du mit deinem Hund gezielt Erwartungen und zugehörige Verhaltensmuster aufbauen, die euch im Alltag unterstützen und so Erregung- und Verhaltensproblemen vorbeugen.

Die Sache mit der freudigen Erwartung beim Hund

Ruheübungen sind oft frustrierend

In meinem Artikel „Bleib mir weg mit Ruheübungen“ habe ich dazu schon einiges aufgeschrieben. Bei freudigen Erwartungshaltungen und Erregungsanstieg begehen wir Menschen oft den Fehler „Ruhe“ vom Hund zu erwarten und ihn einzugrenzen. Das wiederum fördert leider den Frust und minimiert die Vorfreude!

Vorfreude macht Spaß und steigert das Wohlbefinden

Vorfreude ist ein Bedürfnis. Sie steigert das Wohlbefinden und die Motivation, es ist die Würze im Leben. Also verzichte nicht darauf. Weder für dich, noch für deinen Hund. 

Insbesondere, wenn du einen Hund mit Verhaltensproblemen, Ängsten oder anderen Herausforderungen hast, setze gezielt die erfolgreiche Vorfreude ein um sein Wohlbefinden und die Lebensqualität zu steigern!

Erregung einordnen und klassifizieren – Vorfreude oder Frust?

Die Unterscheidung ist meistens gar nicht so schwer, sobald du Lautäußerungen wie fiepen oder hohes Bellen hörst, ist es in der Regel Frustration. Das gilt auch für viele vermeintlich spaßige Hundeveranstaltungen. Wenn gesabbert und gebellt wird, ist es in der Regel kein Spaß! Doch auch Konfliktsignale, Stressanzeichen oder Übersprungverhalten, wie z.B. das Aufreiten, sind Zeichen für unangenehme Erregung. Die Erregungsspitzen gehen viel höher, als bei Vorfreude. Die Bewegungen sind in der Regel angespannter.

Oft kannst du auch nach diesen Situationen noch den Dampf bei deinem Hund merken, so muss er vielleicht erst einmal flitzen oder zuhause Dampf ablassen. Du weißt dann, dass sich etwas aufgestaut hat. 

Bei Vorfreude geht die Erregung weniger weit hoch, der Hund bewegt sich geschmeidig. Du siehst keine Stress- oder Konfliktzeichen und vor allem: Dein Hund ist nach dem Ausführen der Handlung entspannt und kann sich wieder anderen Sachen zuwenden oder relaxen.

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