Warum dein Hund kein Problem mit Erregung hat

Warum dein Hund kein Problem mit Erregung hat

Unsere Hunde sind Erregungskünstler. Es liegt ihnen in der Natur blitzartig auf Reize mit einem drastischen Erregungsanstieg zu reagieren. Und sich nach Verschwinden des Reizes genauso schnell wieder abzuregen. Gelingt das nicht, haben wir einen Hund, der unter Dauerstrom steht – und dann stimmt etwas nicht.

Erregung ist überlebenswichtig und kann nicht automatisch schädlich sein. Viel zu oft wird sie mit Stress gleichgesetzt. Das ist schlichtweg falsch. Was Stress ist und wann und wieso er schädlich für deinen Hund ist, kannst du hier nachlesen.

Und was ist Erregung?

Ein Begriff. Mehrere Definitionen. Es gibt nicht die Erregung. Das wäre langweilig. 

In der Ethologie (Verhaltensforschung) beschreibt man mit Erregung einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit oder Wachheit. Der Hund ist reaktionsbereit. Im Bereich der Psychologie wird Erregung häufig mit einem Zustand stärkerer Emotionen und Gemütsbewegungen gleichgesetzt. Im Bereich der Physiologie handelt es sich bei Erregung um die Reaktion auf einen elektrischen Impuls, welcher eine chemische Reaktion zur Folge hat. 

Aha – und das heißt für meinen erregten Hund?

Erregung entsteht nicht ohne Grund und sie kann von deinem Hund nicht gezielt gesteuert werden. Vor allem jedoch ist sie nicht grundsätzlich schädlich, ungesund oder stressend. Sie ist schlichtweg überlebensnotwendig und ohne sie gäbe es weder Aufmerksamkeit noch Motivation. 

Warum dein Hund kein Problem mit Erregung hat

Wie entsteht die Erregung bei deinem Hund?

Grundsätzlich ist Erregung eine Reaktion. Das heißt, sie entsteht durch verschiedene Faktoren. Diese können angeboren oder erlernt sein. 

Alles, was angeboren Unwohlsein auslöst, kann die Erregung steigern. Dazu gehören Bewegungseinschränkung, Angst, Aggression, Frustration, Konflikte. Die Erregung steigt blitzschnell und durchaus drastisch. Warum? Ganz einfach: Situationen, die Unwohlsein auslösen müssen schnellstmöglich verlassen oder verändert werden, damit Wohlbefinden und Überleben erfolgreich stattfinden können. Dafür braucht es schnelle Energie. Diese geht mit Erregung einher. Tritt die Frustration aufgrund biologisch notwendiger Mechanismen auf, wie z.B. jagen oder Fortpflanzung, dann ist sie besonders hoch. Bringt auch der Erregungsanstieg keinen Erfolg, tritt Stress auf. 

Natürlich gibt es nicht nur unangenehme Erregung, doch bei angenehmer und zielführender Erregung wird sie für uns nicht zur Bedrängnis. Ein Beispiel: Der Hund wittert etwas Attraktives. Das Gehirn schraubt die Erregung hoch, damit die Verfolgung aufgenommen werden kann. Der Hund startet die Verfolgung – die Energie fließt ab. Es gibt kein Erregungsproblem. Gerade beim Thema Jagen ist die Erregung ein wesentlicher Faktor. Mehr dazu kannst du auch in diesem Podcast hören „Wie Jagen und Erregung zusammenhängen“!

Erst die emotionale Färbung bzw. das Wohlbefinden macht also den Unterschied. Ausgelassene Freude ist in den meisten Fällen kein Problem – Frustration schon.

Und wenn die Erregung nicht abfließen kann?

Tja, und dann haben wir den Hund, der eben nicht die Verfolgung aufnehmen und die Erregung nicht ablassen kann, weil er an der Leine ist. Oder den Hund, der bei ausgelassener Freude gerne „einen Flitz“ bekommt und ausgebremst wird. Ein weiteres Beispiel sind die Hunde, die gerne immer sofort auf andere zustürmen. Mehr dazu in diesem Podcast „Mein Hund will zu jedem Hund hin“! Kann die Erregung nicht abfließen, tritt Frustration auf und zack haben wir ein Problem. Denn diese schießt ja die Erregung deines Hundes noch höher… Die Maßnahmen sind für mich klar: 

  • Frustration lässt sich zum großen Teil über passendes Training und entsprechende Lebensgestaltung vermeiden bzw. verringern und verändern. Allerdings bedeutet das, dass du aktiv werden und bereit für Veränderungen sein musst.

     

  • Bedürfnisbefriedigende Belohnungen helfen Frust zu verringern und können Erregung aufgreifen und lenken.
  • Entspannungstraining hilft etwaige Spitzen der Erregung abzumildern. Hier berichten Anja und ich dir von der Magie des Entspannungstrainings.

Einfach nur den Deckel draufzumachen und die Erregung zu unterdrücken, z.B: über Ruheübungen, ist kontraproduktiv. Mehr dazu in meinem Artikel „Bleib mir weg mit Ruheübungen“ Viel wichtiger ist es, dass du den Anstieg rechtzeitig erkennst und lenkend eingreifen kannst, sowie durch Maßnahmen im Alltag dafür sorgst, dass die Erregung nicht mehr so massiv auftritt.

Genau darum geht es im Übrigen in meinem 4-Wochen-Kurs „Vom Raketenhund zur coolen Socke“ für nur 29€. Hast du Lust auf Schritt für Schritt Anleitungen? Dann lege hier direkt mit dem Kurs los! 

Woran erkennst du den Erregungsanstieg bei deinem Hund?

Wenn mehr Energie bereitgestellt wird, verändert sich die Muskelspannung, die Atmung und oft auch die Mimik im Gesicht. Nicht selten bleibt bei Anspannung die Lefze auf den Zähnen kleben, sodass der Hund eine „hochgezogenen Lippe“ hat. 

Alle Konflikt-, Stress- oder Übersprungsverhalten, von A wie Aufreiten oder Anspringen bis Z wie Züngeln sind Signale dafür. Dazu gehören auch die Klassiker wie blinzeln, hecheln, gähnen, kratzen, Backen blasen, weißer Rand im Auge sichtbar, angezogene Vorderpfote, scharren…… Du merkst, die Liste ist endlos. 

Deswegen ein paar kleine Merksätze für dich: 

  • Je mehr der Hund gegen die Schwerkraft arbeitet, desto mehr Muskelspannung ist nötig. 

  • Verhaltensweisen, die gerne als „Dominanzverhalten“ abgestempelt werden, wie das Aufreiten oder Scharren sind eher ein Zeichen von Konflikten, Unsicherheit und unangenehmer Erregung.

  • Wenn dein Hund etwas „eigentlich kann“, jetzt aber nicht, z.B. an lockerer Leine laufen, ist vermutlich die Erregung zu hoch. 
Warum dein Hund kein Problem mit Erregung hat

Das Problem an zu hoher Erregung ist…

Tritt die Erregung über eine gewisse Schwelle, kann das Gehirn nicht mehr klar denken. Der Hund fällt in impulsive und reflexive Verhaltensweisen. Er ist quasi im Überlebensmodus und weiß nicht mehr, was deine Signal – wie z.B. Sitz heißen. 

Damit wird der Hund für dich nicht mehr lenkbar. Zugleich wird es risikoreicher, in dem Freiraum zum Abfließen der Energie zu geben. 

Erregung dieser Art sehe ich eigentlich immer nur in dem Kontext Konflikt, Frust und Erleichterung. Das Wissen hilft dir nur leider nicht, wenn es soweit gekommen ist. 

Doch machtlos bist du nicht! 

Was tun, wenn dein Hund super-aufgeregt ist? 

Neben dem Vorbeugen von extremer Erregung, solltest du dir Werkzeuge aufbauen, mit denen du die Erregung aufgreifen und lenken kannst. 

Diese würde ich mit einer Erregungsskala sauber generalisieren, bis sie auch in extrem hohen Erregungslagen funktionieren. So kannst du sie als Barometer nutzen und an der Ausführung erkennen, ob dein Hund noch „mitdenken“ kann. Je unsauberer die Ausführung, desto mehr solltest du die Erregung wieder absinken lassen. 

Wenn du geschickt bist, nimmst du dafür aufgebaute Werkzeuge und Belohnungen, die die Energie abfließen lassen – im kontrollierbaren Rahmen und eingebaut in Rituale, die mit wenig Erregung enden. 

Und das Coole daran: Damit das alles funktioniert, darfst du nicht nur lernen, die Erregung zu senken, sondern sie auch dosiert hochzufahren. So fließt direkt ein Teil der Energie im Training sinnvoll ab und das Problem „Erregung“ wird weniger. 

Der wichtigste Aspekt bei diesem Training ist das Ausklingen lassen. 

Hast du Lust, das Alles umzusetzen? Dann schaue hier in meinen Kurs „Vom Raketenhund zur coolen Socke“

Du bist dir sicher, dass die Erregung eher Unsicherheit und Angst geschuldet ist? 

Dann heißt es primär Angst und Unsicherheit verändern und so mehr Wohlbefinden ins Leben zu bringen. Die Erregung wird sich dann automatisch wandeln. 

Statt auf Frustrationsabbau solltest du auf den Aufbau von Maßnahmen zur Sicherheit setzen. In diesem Blogartikel erfährst du mehr dazu. 

Wenn du Lust hast, deinem Hund mehr Sicherheit zu schenken und dir Anleitungen  dazu wünschst, schaue gerne in meinem Kurs „Sicherheit schenken und Bindung stärken“ vorbei, dort legen wir den Fokus nicht auf das Lenken der Erregung, sondern auf Sicherheit und Entspannung.

Meine besten Tipps, Tricks und Ideen direkt in Dein Postfach.

Trage dich hier zu meinem Newsletter ein und erhalte ungefähr wöchentlich E-Mails mit Anregungen, Angeboten und wertvollen Inhalten als Dankeschön. Details zum Newsletterversand findest du in der Datenschutzerklärung.

Hinweis zur Datenverarbeitung in den USA

Deine Anmeldedaten, deren Protokollierung, der Mailversand, sowie statistische Auswertungen des Leseverhaltens, werden über ActiveCampaign (USA) verarbeitet. Nach der Rechtsprechung des EuGH (Urteil vom 16.07.2020, Az.: C-311/18 („Schrems II“)) besteht in den USA kein angemessenes Datenschutzniveau. Ferner kann es in den USA zu staatlichen Überwachungsmaßnahmen  kommen, bei denen kein hinreichender Rechtsschutz gegen diese Maßnahmen in Anspruch genommen werden kann. Die Datenverarbeitung in den USA im Zusammenhang mit meinem Newsletter basiert insoweit auf deiner Einwilligung i.S.d. Art. 49 Abs. 1 lit. a) DSGVO. Du kannst deine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen.

Beitrag teilen:

Weitere interessante Themen

Verhaltensprobleme? Der Hund ist nicht ausgelastet!

Verhaltensprobleme? Der Hund ist nicht ausgelastet!

Verhaltensprobleme? Der Hund ist nicht ausgelastet! Ich habe es so satt. Immer diese dämlichen Sprüche und Vorwürfe: Sobald ein Hund unangenehm auffällt und nicht funktioniert, kommen sie auf den Tisch und "Die kümmert sich nicht genug. Der ist nicht ausgelastet, so...

mehr lesen