Die Piloerektion beim Hund

Die Piloerektion beim Hund

„Boah, jetzt macht der sich wieder groß und hat eine Bürste, der ist so dominant!“. Äh, nee. Ist der nicht, der hat eine Piloerektion. 

Umgangssprachlich wird sie gerne als Kamm oder Bürste bezeichnet. Sie ist nichts anderes als eine Gänsehaut bei uns. 

Bei der Piloerektion handelt sich um eine Reaktion des vegetativen Nervensystems. Die Wollhaare stellen sich durch die Kontraktion eines Muskels in der Haut auf. Bei unseren Hunden häufig gut sichtbar über die Rückenlinie. Bei uns ebenfalls im Nacken, aber auch an den Armen und den Beinen. 

Evolutionär ist die Entstehung noch nicht abschließend geklärt. Denn auch wenn es einen Zusammenhang mit der Wärmeregulation gibt, wird die Piloerektion nicht nur bei Kälte ausgelöst. 

Die Ursachen sind auch Kälte, Angst, Ekel und Erregung.

Anders als bei uns, kann der Hund diese nicht über die Gedanken an etwas Erregendes oder Ekelndes erzeugen. Während dein und mein Gehirn nicht zwischen Gedanken und Realität unterscheiden kann und es dich beim Gedanken an bestimmte Dinge schon schüttelt, kann der Hund nicht gezielt Erinnerungen wachrufen. 

Und damit sind wir beim ersten Mythos: Die Piloerektion ist keine vom Hund bewusst steuerbare Reaktion. Dein Hund stellt die Haare nicht auf, damit andere ihn für besonders stark oder groß halten. Würde er das unter diesem Aspekt können, wäre das eher ein Indiz dafür, dass er nicht der wirklich starke und souveräne Kandidat ist. 

Die Piloreaktion beim Hund

Was kannst du aus der Piloerektion erkennen?

Das Wichtigste: Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Hund gerade angespannt ist, ist riesig! Wenn es nicht gerade bitterkalt ist, kannst du also davon ausgehen, dass die Situation für deinen Hund schwierig ist.

Seine Anspannung ist sehr hoch und es kann sein, dass er an einem Punkt in seiner Erregung angekommen ist, bei dem er eher reflexiv reagiert. Wie schon so oft geschrieben, sind die Gründe für starke Erregung meistens Konflikte, Frustration, Stress und Angst. Auch Kälte und Ekel wären jetzt nicht wirklich angenehm. Daher kannst du dir durchaus das Fazit erlauben, dass die Situation für deinen Hund nicht wirklich angenehm ist und er noch keine für ihn sicheren Strategien hat um sie zu lösen. 

Die Piloreaktion beim Hund

Irrglaube um die Piloerektion

Vorne Haare aufgestellt bedeutet Aggression, hinten eher Angst – wie oft habe ich das schon gehört. Es deckt sich weder mit meinen Erfahrungen, noch konnte ich irgendwelche Studien oder wissenschaftlichen Arbeiten dazu finden. 

Wann immer sich jemand erlaubt pauschal aus einer Sache Verhalten abzuleiten werde ich skeptisch. Denn dazu gehören eine Menge mehr Faktoren. Je mehr du siehst, desto besser kannst du das Verhalten insgesamt einschätzen. Wo ist z.B. der Körperschwerpunkt, wohin gucken die Augen, bewegt sich die Rute? 

Je mehr du an Ausdrucksverhalten siehst, desto besser kannst du die Reaktionen deines Hundes einordnen, vorhersehen und auch passend beeinflussen. Ein Merkmal alleine reicht dafür nicht! 

Trotzdem kann ich bei meinen Hunden durchaus Unterschiede an der Ausführung der Piloerektion erkennen. 

Minnie hat je nach Erregung nur vorne im Nacken, im Nacken und kurz vor dem Rutenansatz oder über den ganzen Rücken einen „Kamm“. Durch ihr kurzes glattes Fell, kann man das super sehen! Je mehr Haare zu Berge stehen, desto erregter ist sie. Hat sie vorne und hinten eine sichtbare Piloerektion wird sie meist stocksteif und still. Bei den anderen Varianten hingegen geht es oft mit zickzack rennen und bellen einher. 

Bei unserer Nayeli sieht es anders aus. Wenn sie nicht geschoren ist, kann es sein, dass einem lediglich auffällt, dass die Löwenmähne am Kragen irgendwie plüschig aussieht. Sie friert dann kurz ein, schüttelt sich und geht mittlerweile meistens weiter. Ist bei ihr das Fell am Rücken aufgestellt, wird sie starr, duckt den Kopf eher ab und knurrt. Über den ganzen Rücken habe ich es bei ihr nur einmal erlebt: Als wir in der Morgendämmerung in Nordschweden einem großen Wildtier begegneten. 

Du siehst: Zwei Hunde, zwei unterschiedliche Muster und jeweils drei Formen.

Die Piloerektion beim Hund

Drei Dinge, die du tun solltest, wenn du bei deinem Hund die Piloerektion aus Anspannung siehst

Unterstütze deinen Hund, sprich ihn freundlich an, mache ihm ein Angebot, dass die Situation verbessert. Wenn du ein Marker- oder ein Entspannungssignal hast: Gib es! 
Merke dir die Situation. Was könnte es gewesen sein, dass ihn so angespannt hat? Welche Strategien fehlen ihm? Ermittle daraus euren Trainingsbedarf und gehe es an!
Sollte dein Hund in solchen Reaktionen zu Aggressionsverhalten oder zur Flucht neigen, sichere ihn.
Wenn du diese Anspannung oder auch andere Stresssymptome bei deinem Hund regelmäßig siehst, solltest du dir Unterstützung suchen. Über das Thema „Wie du Stress beim Hund erkennst“ habe ich dir hier einen Blogartikel geschrieben.
Die Piloerektion beim Hund

Dinge, die du lassen solltest, wenn dein Hund angespannt ist und eine Piloerektion hat

Denke daran, dein Hund ist vermutlich gerade extrem angespannt. Alles, was jetzt noch dazukommt, könnte das Fass zum Überlaufen bringen. Deswegen: 

Vermeide plötzliche Berührungen. Wenn du deinen Hund anfassen musst, z.B. zum Anleinen, kündige es ihm laut und deutlich an. 

Mache die Distanz lieber größer als kleiner. Wenn du jetzt näherkommst, dich runterbeugst, kann es sein, dass du deinen Hund einengst. Oft ist das der Punkt, wo Hunde vorschießen. Das gilt auch für das Stramm nehmen der Leine. Tritt lieber einen Schritt zurück und lasse deinen Hund wissen, dass du Platz machst, z.B. in dem du beim Weggehen lobst. Er hört, dass die Stimme sich entfernt. 

Erinnere dich selbst: Er macht es nicht mit Absicht. Auch wenn deine Alarmglocken schrillen, weil er danach oder dabei schon mal echt doof geworden ist, atme durch und versuche die Situation ohne weiteren Druck aufzulösen. Je mehr jetzt an Aufregung dazukommt, desto wahrscheinlicher, dass er nächstes Mal noch aufgeregter reagiert. 

Also atme durch, denke an etwas Gutes und unterstütze deinen Hund!

Die Piloerektion beim Hund

Mehr über die Körpersprache deines Hundes erfährst du auch in diesem Artikel.

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