Anti-Giftköder-Training - Trainingskonzepte betrachtet

Anti-Giftköder-Training – Trainingskonzepte betrachtet

Das Anti-Giftköder-Training ist mittlerweile ein fester Bestandteil in den Kursprogrammen der Hundeschulen geworden. Kein Wunder, denn die Meldungen über Giftköder gehen wohl kaum an dir vorbei, wenn du Social Media nutzt und einen Hund hast. Die Angst davor, dass der eigene Hund sich vergiftet, ist riesig. 

Auch ich möchte nicht, dass dein Hund etwas Unverdauliches oder Gefährliches frisst. Doch sehe ich den Begriff „Anti-Giftköder-Training“ als durchaus kritisch und auch das Training, das sich oft dahinter verbirgt. 

Klassischerweise verbirgt sich hinter dem Begriff, dass der Hund lernt Dinge, die wir als nicht passend empfinden, nicht zu fressen. Wie so oft liegt beim Training die Tücke im Detail. 

Die Trainingskonzepte unterscheiden sich nicht unbedingt im Erfolg des Trainings, sondern eher in der Auswirkung und der Umsetzung. Und natürlich deiner Bereitschaft mitzugehen und dabei zu bleiben. 

Anti-Giftköder-Training - Trainingskonzepte betrachtet

Anti-Giftköder-Training über Verbot

Die einen Trainingskonzepte setzen auf Verbote. Sie greifen damit unsere Kultur gut auf. Wir alle haben ausreichend Erfahrung damit, korrigiert und ermahnt zu werden, wenn wir etwas falsch machen. Und es ist für uns normal. Was sich dahinter verbirgt, ist eine Hemmung. Denn nur, wenn ich den Hund hemme sein Bedürfnis zu unterdrücken, wird er aufhören, zu fressen, wenn ich über Verbote arbeite. 

Bei entsprechend sauberem Training funktioniert das Konzept. Damit es jedoch wirklich klappt, muss die Hemmung:

prompt erfolgen, sobald der Hund etwas hat. Hemmst du zu früh – ehe der Hund etwas hat – dann wird er dir die Vorboten (z.B. eine sichtbare Orientierungsreaktion und das Ansteuern) des Findens seltener zeigen. Hemmst du, wenn der Hund bereits abschluckt, bist du zu spät, der Erfolg ist da. Im Falle der zu frühen Hemmung wird dein Hund immer gewiefter darin, die Vorboten nicht mehr zu zeigen und immer rascher finden. Im Falle der späten Hemmung wird er schneller schlucken.

hart genug sein, dass dein Hund ihr zugunsten auf das für ihn überlebenswichtige Konzept Nahrung verzichtet, um der Hemmung aus dem Wege zu gehen. Und nein, er weiß nicht, dass es um 17:00 den nächsten Napf gibt. 

stets erfolgen. Wenn du mal hemmst, mal nicht, wird es nicht ausreichend funktionieren. Dein Hund lernt rasch, wann du nicht nah genug dran bist.

Gerade wenn du über das Verbot arbeiten willst, musst du also sehr aufmerksam, gut im Timing und in der Beobachtung sein, damit du nicht das Falsche hemmst. 

Ein Nachteil der Hemmung ist, dass du Drohverhalten gegenüber deinem Hund ausführst. Abgestuft und dosiert vielleicht, dennoch ist Hemmung eine Bedrohung. Das ist ein Grund, weshalb ich das „Blocken“ nicht einsetze. Du erfährst mehr dazu in diesem Artikel. 

Bedrohliche Kommunikation zwischen zwei Individuen kann drei Arten von Antworten ausüben: 

Angst beim Gegenüber (damit Hemmung und Ziel in diesem Fall erreicht).

Ignoranz – die Bedrohung muss stärker werden, um den anderen zu hemmen.

Abwehrverhalten – dein Gegenüber beginnt dich zu bedrohen. Es kann sich dabei sowohl um Ressourcenverteidigung handeln, bei der dein Hund einfach nur das Futter behalten will, als auch über Aggressionsverhalten, um die eigene Haut zu schützen.

Ein weiterer Nachteil ist, dass dein Hund die Bedrohung nicht unbedingt nur mit dem gefundenen Fressen verbindet, sondern mit allem, was drumherum auch noch passiert. Also ggf. mit dir, dem Ort, andere Menschen oder Hunden, Sonnenschein oder Wind. Es kann die Ängstlichkeit fördern. 

Für mich passt dieser Weg nicht zu meinen Werten, meinen Bedürfnissen in einer Beziehung und im Leben. Ich will nicht über Angst, Druck und Zwang arbeiten, sondern einen Hund, der sich in meiner Nähe pudelwohl und sicher fühlt. Es ist mein persönliches Bedürfnis mein Training so zu gestalten, dass Druck durch Struktur ersetzt wird. Daher wirst du zu diesem Weg keine Anleitung oder Empfehlung von mir erhalten. 

Anti-Giftköder-Training - Trainingskonzepte betrachtet

Anti-Giftköder-Training über die Anzeige von Futter

Eine weitere Möglichkeit ist das Training über die Anzeige von Futter. Der Hund lernt, dir mitzuteilen, wenn er etwas Spannendes entdeckt. Anders als beim Verbot lernt der Hund also die Vorboten auszuleben, darüber einen Teil seiner Bedürfnisse auszuleben und den Rest von dir erfüllt zu bekommen. 

Bei diesem Trainingsweg belohnst du das Verhalten vor dem Aufnehmen und Fressen des Gefundenen und machst es größer. Dazu baust du ein Anzeigeverhalten auf, dass der Hund zeigt, damit du erkennst, dass er was hat. 

Das Konzept liegt mir schon eher. Doch es hat – je nach Umsetzung – Stolpersteine:

Wenn der Hund dabei das Anzeigeverhalten direkt am Gefundenen zeigt, kostet das Ganze eine Menge Selbstbeherrschung. Ist diese aufgebraucht und du noch nicht da, kann das griffbereite Futter mit einem Haps verschwinden. 

Du brauchst wieder ein wachsames Auge, damit du es im Alltag bemerkst. Außerdem musst du deinen Hund im Blick haben. Bei uns mit vielen Gebüschen, Hängen und Bäumen ist das nicht immer der Fall. Meine Hunde können 10 Meter entfernt und dennoch außer Sicht oder nicht erreichbar sein. Ich könnte verpassen, sie für das Anzeigeverhalten zu belohnen, das ist frustrierend und führt ggf. zum Auffressen – sie holen sich ihre Belohnung selber. 

Es gibt Hunde die nun dauernd etwas finden und als fressbar definieren und dich nun regelmäßig auffordern, dass du sie dafür belohnen sollst. Da du das Anzeigeverhalten nicht schwächen willst, musst du das auch tun. 

Dieses Konzept ist mir tausendmal lieber, als das über Verbote und mit guter Unterstützung wirst du die Stolpersteine sauber überwinden. 

Anti-Giftköder-Training - Trainingskonzepte betrachtet

Mein liebstes Konzept für das Training

Vielleicht ist es für dich nur Wortklauberei. Für mich nicht: Ich mag es nicht „Anti-Giftköder-Training“ nennen. Das Wort „Gift“ bringt mich sofort in eine Not und das Wort „Anti“ bedeutet ich kämpfe gegen etwas. 

Ich mag es, wenn Training nicht aus der Angst oder dem Ziel „weg von“, sondern aus dem Bedürfnis nach gemeinsamen schönen Erlebnissen besteht. Die meisten Elemente des Trainings kommen aus dem Alltag und aus der schönen Nasenarbeit, warum also nicht ein ernstes Thema mit Freude und Spaß angehen? 

Auch ich trainiere mit meinen Teams ein Anzeigeverhalten, allerdings etwas anders, als oft gezeigt. Ich bediene mich am sogenannten „Freiverweis“. Lang bewährt bei Jägern und anderen Profis. Gut ausgeführt super effektiv und fernab bestimmter Risiken, wie z.B. dem Hund der so tut, als ob er was gefunden hat um abzustauben und dem Hund, der schlingt um zu verheimlichen. 

Kurz zusammengefasst: Der Hund findet, läuft zu seiner Bezugsperson und meldet mit einem Anzeigeverhalten. Das wird kurz belohnt und dann darf der Hund seinen Menschen zum Gefundenen führen. Ist dort echt etwas, gibt es eine echte Highlight-Belohnung. 

Klingt aufwendig, ist aber gut in Einzelteilen im Alltag zu üben und macht dabei auch noch Freude. In Podcast Episode #57 gehe ich näher darauf ein und erkläre dir auch mein „Warum“ für diesen Weg. 

Daneben trainiere ich mit meinen Hunden im Übrigen:

den Rückruf, auch mit Fressbarem vor der Nase.

bestimmte Bereiche automatisch zu umgehen.

gefundene Dinge auszuspucken.

mich an Gefundenes heranzulassen.

von Müll und Co. mit mir gemeinsam wegzugehen.

Anti-Giftköder-Training - Trainingskonzepte betrachtet

Egal, für welches Anti-Giftköder-Training du dich entscheidest…

Es gibt Sachen ohne die kannst du es vergessen und wirst im Ernstfall immer der Situation ausgeliefert sein.

1. Ohne Training wird es nichts!

Training bedeutet, gezielt Situationen zu trainieren und vorzubereiten, statt blindlings in den Ernstfall zu rennen. Du schaffst über geplantes und strukturiertes Training Lerngelegenheiten für deinen Hund.

2. Du brauchst Beständigkeit.

Training ist ein Prozess, der sich schrittweise in Nuancen verändert. Viel zu oft reagieren wir Menschen jedoch in gleichen Situation komplett anders auf unseren Hund. Eben im Training lohnte sich das Verhalten, 5 Minuten später im „kleinen“ Ernstfall nicht. Wenn du willst, dass etwas zuverlässig funktioniert, musst du zuverlässig sein. Ein systematisches und planvolles Vorgehen hilft dir dabei! 

3. Ihr braucht Erholung.

Niemand kann permanent aufmerksam sein, auch du nicht. Plane und strukturiere eure Spaziergänge so, dass ihr euch wirklich erholen könnt. In den meisten Fällen reicht es aus, bestimmte Streckenabschnitte zu umgehen, wo immer etwas liegt. Geht das nicht, suche dir Orte an denen ihr temporär verweilen und Spaß haben könnt ohne, dass die „Gefahr“ droht. Und wenn du sie dafür im Vorfeld absuchst.

4. Nach jedem Ernstfall wieder trainieren.

Es passiert immer wieder, dass wir in die echte Situation kommen und dann vielleicht doch kopflos reagieren. Wenn dir das passiert, gräme dich nicht. Dein Training hat einen Unterbau geschaffen. Nun heißt es auffrischen und dranbleiben. 

5. Eine Garantie hast du nie.

Egal, wie gut ihr seid: Ihr seid Lebewesen. Lebewesen machen Fehler. Du wirst bei nichts in deinem Leben eine Garantie haben. Wenn Hunde stark erregt oder gestresst sind, können sie nicht unbedingt klar denken und handeln intuitiv. Je weniger gestresst sie draußen sind, desto mehr Chancen hast du, dass sie dein trainiertes Verhalten zeigen können.

6. Schau auf die Ursachen.

 In meinem Artikel „Hilfe! Ich habe einen Staubsaugerhund!“ Und in Podcast Episode #56 habe ich dir bereits über die Ursachen für das Fressen draußen berichtet. Je mehr du davon angehst, desto schneller wird dein Training funktionieren.

7. Zu viele Konzepte verderben den Brei oder besser die Beziehung.

Eigentlich ist es mit „Beständigkeit“ schon gesagt und dennoch möchte ich es noch einmal betonen. Mische nicht verschiedene Konzepte und Herangehensweisen. Das wäre für eure Beziehung das größte Desaster. Wenn du mal hemmst und mal nicht, weiß dein Hund nicht, woran er ist. Auch wenn für dich ganz klar ist, wann du was tust, weißt du nicht, ob er in seiner Wahrnehmung in der Lage ist das Muster zu erkennen. Das wäre also unfair! Du wärst wie ein:e launische:r Chef:in – kaum etwas vergrößert die Unsicherheit mehr. 

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