Tierschutz - Rettet was das Zeug hält

Tierschutz – Rettet was das Zeug hält!

Seriöser Tierschutz – Was bedeutet das?

Bist du im Konflikt, ob du einem Tierschutzhund ein neues Zuhause geben solltest oder doch lieber zum Züchter gehst? Ich teile meine Gedanken zum Thema Tierschutzhund mit dir, denn RETTEN alleine REICHT NICHT! Wenn du wirklich etwas Gutes tun willst, setze dich mit dem Thema auseinander und schau dir den Verein dahinter gut an!
Woran erkennst du guten Tierschutz?
Warum solltest du nicht auf die Dankbarkeit des Tierschutzhundes setzen?

Höre gern rein oder lies das Transkript. Du willst mehr zum Thema wissen? Dann schaue unbedingt im Blog und Podcast vorbei!

Podcast Episode #49: Der gute Züchter
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Transkript zur Podcast Episode

#53 Tierschutz – Rettet was das Zeug hält! 

 

[00:07] – Anne

Herzlich Willkommen zu einer weiteren Podcast Episode von Anders mit Hund. Vor ein paar Wochen haben die liebe Anja und ich darüber gesprochen, was denn einen guten Züchter ausmacht. Und in den letzten Wochen haben wir viel über das Thema Anschaffung eines Hundes sowie über Zucht, Qualzuchten und auch das Dasein als Pflegestelle gesprochen. Und so fehlt jetzt für mich noch ganz klar ein Thema, nämlich das Thema: Was ist denn überhaupt guter Tierschutz und wann kann ich denn überhaupt einen Hund aus dem Tierschutz nehmen?

Rettet, was das Zeug hält, haben wir diese Folge genannt. Weil genau das ist manchmal das, was gut gemeint passiert und am Ende schlecht umgesetzt wird.

 

Retten bedeutet für mich erst einmal, dass man das Gefühl hat, man tut dem Tier etwas Gutes.

 

Man holt es aus einer eher bescheidenen Situation und gibt ihm eben etwas Besseres. Nur das alleine reicht nicht. So wie Liebe alleine nicht reicht. Wir müssen uns einfach bewusst sein, dass das Tier nicht weiß, dass wir es gut meinen und dass das Tier erst mal damit, dass es von A nach B verpflanzt wird, total überfordert ist.
Dass das für das Tier ein Dauerstress bedeutet, der wiederum auch Verhaltensprobleme verursachen kann. Der auf das Immunsystem schlägt. Der ja ganz viele, viele, viele Auswirkungen hat. Und an der Stelle bin ich z.B. je nachdem, wie die Situation ist. Auch ein großer Freund davon direkt ein Verhaltensmediziner gegebenenfalls mit ins Boot zu holen. Also ich spreche hier natürlich nicht von dem Hund, der mal ein bisschen Angst hat. Aber wieviele Tierschutz erleben wir, die eben aus dem absoluten Niemandsland von irgendeiner Müllkippe, wo sie nicht mit Autos, nicht großartig mit Menschen oder sonst
was konfrontiert waren, jetzt vermittelt werden und dann in irgendeiner Großstadt in der Innenstadt leben. Und ja, vielleicht sogar den Umgang mit Autos gelernt haben, aber noch nie vorher an der Leine waren. Und jetzt ratterte ein Auto oder LKW nach dem anderen vorbei und sie sind einfach massiven Ängsten ausgesetzt. Und solche Vermittlungen sind eben Gang und Gäbe und sie sind auch für mich mit ein Grund diese Podcast Episode zu machen. Wenn du dann nämlich noch einen Adoptanten hast, der vielleicht denkt: Nee, dem muss man einfach nur Zeit geben und genug Liebe schenken und abwarten und dann wird das schon. Dann kann das für das Tier ein wirkliches Drama werden. Denn bei Angst
sollte man nicht auf Gewöhnung setzen. Dazu verlinke ich dir auch noch einen Blogartikel.

Das heißt, was ist denn überhaupt für mich seriöser Tierschutz?
Seriöser Tierschutz ist es für mich immer dann, wenn es sich nicht primär darum dreht, Tiere neuen Besitzern zuzuführen, sondern im Fall eines Tierheims z.B.: Den Tieren wirklich eine gute Obhut zu schenken und ihnen auch mit Ruhe ein neues Zuhause zu suchen.
Viele Tierheime machen das schon ganz gut und es gibt auch welche, die sind wirklich Vorzeigemodelle. Vielleicht hast du schon mal gehört von Häuser der Hoffnung, was geleitet wird von Clarissa von Reinhardt. Das kann ich dir sehr ans Herz legen. Dort sind ganz viele Sachen umgesetzt, wo ich sage: Yes! Die finde ich richtig, richtig wichtig.

Zum Beispiel ist es dort so, dass sich wirklich mit den Adoptanten, dem potentiellen neuen Zuhause, beschäftigt wird, dass das mehrfach ins Tierheim kommt, den Hund wirklich kennenlernt. Man die Familie und den Hund wirklich gemeinsam sich kennenlernen lässt und auch die neue Familie wirklich unter die Lupe nimmt. Das finde ich ein ganz, ganz wichtigen Aspekt. Was dort auch der Fall ist, ist, dass du eben als Besucher nicht durch die Reihen gehst und von Gehege zu Gehege, von Zwinger zu Zwinger und damit mal eben ein bisschen Aufruhr in der ganzen Runde machst, sondern dass das Tierheimpersonal den Hund oder die Hunde nacheinander, die vielleicht für dich in Frage kommen, zu dir holt. Das heißt, dadurch bleibt viel, viel mehr Ruhe für die anderen Hunde und es kommt nicht so viel Halligalli rein.

Was dort auch total super ist, ist einfach die Gestaltung der Räume für die Hunde und der Außenbereiche für die Hunde. Es wird dafür gesorgt, dass die Hunde sich zügig an Gassi gehen und Autofahren ein bisschen gewöhnen, damit sie Ausflüge machen können. Sie können auf dem Trainingsgelände von Animal Learn, von der Hundeschule von der Clarissa und eben aber auch Gassi gehen und es gibt geschulte Gassi Gänger, die wirklich auch beigebracht bekommen, dem Hund Zeit zu lassen zum Erkunden, zum Schnüffeln. Die Hunde bekommen Beschäftigung für den Kopf.
Die Zimmer sind richtig schön eingerichtet mit hohen Liegeplätze, niedrigen Liegeplätze, weichen, harten, warmen, kalten. Und ja, bei Gewitter und solchen Sachen wird dann auch noch Entspannungsmusik über Boxen ausgestrahlt.
Du merkst, da hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht und das Konzept dieses Tierheims ist eben: Wir bieten Tieren ein Zuhause und wenn sie kein besseres finden, dann bleiben sie eben hier. Und genau so sieht für mich ein guter Vermittlungstierschutz aus.

 

Es geht also nicht darum, möglichst schnell möglichst viele Tiere zu vermitteln, sondern Tiere nachhaltig zu vermitteln und richtig gut zu begleiten auf dem Weg dorthin.

 

Wenn ein Tierschutzverein zum Beispiel Hunde aus dem Ausland vermittelt, dann kannst du darauf achten, ob die wirklich rein die Vermittlungstätigkeit machen oder ob die gleichzeitig wirklich noch nachhaltigen Tierschutz betreiben. Also zum Beispiel dafür sorgen, dass das Tier in der Gegend, aus der sie es holen, einen anderen Stellenwert bekommt. Dass es vielleicht sogar als Wirtschaftsfaktor angesehen wird und dadurch sich etwas in der Region für den Hund verändert. Das es Kastrationkampagnen vor Ort gibt und das auch nicht jeder Hund nach Deutschland gekarrt und vermittelt wird. Also meine Lieblingsbeispiele sind da mal wieder die Herdenschutzhunde. Nicht jeder  Herdenschutzhund aus der absoluten Pampa findet sich im dicht besiedelten Deutschland zurecht. Und da ist wirklich die Frage auch wie viel Lebensqualität bekommen die Hunde?

Du wirst auf solchen guten Tierschutzseiten auch von der Quote her nicht 50%, 60%, 70% Welpen finden, sondern wirklich einen wilden Mix. Und was für mich ganz wichtig ist, ist alles was psychischen Druck ausübt auf dich, im Sinne von, adoptieren jetzt sonst stirbt er, oder adoptieren jetzt, weil er ist so bemitleidenswert. Adoptiere jetzt, weil sonst müssen wir einen Hund abweisen, wir haben Aufnahmestopp. Also alles was auf dich psychischen Druck ausübt und somit versucht, deine Entscheidung schneller oder auch vielleicht unbedacht zu machen, das ist für mich unseriöser Tierschutz, denn das sorgt dafür, dass du gegebenenfalls etwas tust und am Ende davor stehst und sagst: Ah shit, das ist nicht das, was ich machen wollte. Oder da hab ich mich übernommen.

Sondern ein guter Tierschutzverein begleitet dich, der spricht mit dir, der sagt, welche Herausforderungen auf dich zukommen können. Dazu findest du auch Blogartikel, die ich dir hier in den Shownotes verlinke. Und ein guter Tierschutzverein, der hält auch
regen Kontakt zu dir vor der Vermittlung und der besucht dich. Also es kommt jemand und macht bei dir zu Hause einen Vor-Besuch und guckt sich dein Lebensumfeld an, guckt ob alle Angaben, die du vorher gemacht hast auch wirklich so passen. Ob da irgendwelche Sachen sind, die du vielleicht nicht bedacht hast.

Ich gebe dir ein Beispiel. Bei einer meiner letzten Vor-Besuche, die ich für den Tierschutzverein gemacht habe, da bin ich angekommen und es ging um die Vermittlung eines 40 Kilo Hundes, also eines relativ großen schweren Hundes. Und ich kam da an und die hatten eine ganz, ganz enge, rutschige Wendeltreppe nach oben, mit offenen Stufen, die nach hinten hin offen waren. Holz, ganz rutschig. Und ich habe gesagt: Liebe Leute, der Hund hat ein Hüftschaden, der kommt diese Treppen auf Dauer nicht hoch und runter. Ihr könnt ihn aber nicht tragen. Das ist für mich ungeeignet.

Und das sind halt so Sachen, die ergeben sich vielleicht aus einem Fragebogen oder einem Vorgespräch nicht. Und im Übrigen der Grund, weshalb ich nur noch für ganz wenige Tierschutzvereine Vor-Besuche mache, eigentlich nur noch dann, wenn ich einen persönlichen Kontakt dahin habe, ist, dass der Hund trotzdem dahin vermittelt worden ist. Das heißt, es war abzusehen, dass das nicht gut geht.

Es gab noch mehr Faktoren, die dagegen gesprochen haben und der Tierschutzverein hat sich eben nicht an meine Vor-Besuchs-Empfehlung, dass der Hund eben nicht passt, gehalten, sondern er hat ihn trotzdem vermittelt. Und das fand ich so doof, und das ist mir so oft passiert, dass ich dann gesagt habe: Okay, dann mach ich das wirklich nur noch für ausgewählte Vereine, wo ich dann auch wirklich weiß, dass wenn ich sage, ich finde, das passt nicht, dass es dann auch wirklich heißt: Okay, dann vermitteln wir einen Hund
weniger, aber das hier wäre keine gute Vermittlung.

 

Ein seriöser Tierschutzverein begleitet dich nach der Übernahme des Tieres

 

Der bereitet dich darauf vor. Der sagt dir, welches Equipment du brauchst, oder stellt dir das sogar für die ersten Wochen. Z.B. wie du deinen Hund doppelt sichert, wie du bekommst ganz viele Infos, wie es dir gelingt, dass er dir nicht vielleicht durch die Tür entwischt, hilft dir vielleicht auch dabei noch zu gucken, ob es ein passendes Kinderngitter gibt, mit dem du was sicher machen könntest. Der lässt dich an seinen Erfahrungen teilhaben.
Was du wissen solltest: In den meisten Tierschutzvereinen sind viele, viele Leute, die ehrenamtlich gerne mit Hunden arbeiten wollen und die auch ein gewisses Know How und Erfahrung haben. Aber die müssen nicht irgendwie eine professionelle Ausbildung oder großen Hundesachverstand haben. Das reicht, wenn das ein oder zwei Leute aus dem Tierschutzverein haben, um die Genehmigungen zu kriegen. Und der Rest, der muss es nicht unbedingt haben.
Das heißt: Lausch da auch immer gut in dich rein, ob die Empfehlungen für dich wirklich plausibel und gut klingen. Und ansonsten zieh bitte unbedingt noch jemanden anderes zu Rate, z.B. deine Hundetrainerin, die du dir ausgesucht hast oder wen auch immer, jemanden der davon einfach noch Ahnung hat.

Wonach ich immer fragen würde, wenn ich einen Hund übernehme, der nicht aus dem örtlichen Tierheim ist oder eben von einer Tierschutzorganisation mit Pflegestelle, wobei auch bei denen solltest du fragen, ist: Was passiert, wenn ich in ein, zwei, drei Wochen merke, das ich es nicht schaffe. Es geht einfach nicht gut. Der Hund fühlt sich bei uns nicht wohl. Wir kommen mit dem Hund nicht zurecht. Was passiert dann? Gibt es einen Plan B?
Was passiert vor allen Dingen dann, wenn du einen Hund direkt vom Flughafen übernimmst? Dann finde ich das eine ganz, ganz wichtige Frage. Auch wenn du noch andere Hunde oder Kinder im Haus hast, finde ich das super wichtig. Und vor allen Dingen sollte das so gestaltet sein, dass du dich nicht schuldig fühlen musst. Du hast es versucht. Du hast dein Bestes gegeben und es gibt einfach Konstellationen, die man so nicht absehen konnte, wo es nicht funktioniert. Und wir hatten auch mal so eine Vermittlung von einem Pflegehund von uns. Der ist wirklich, also wir kannten die Leute saugut, wo der hin vermittelt worden ist. Ich bin mit diesen Leuten bzw. dem Mann aus der Familie großgeworden, denn es war mein Onkel und mein Onkel hat sich in diesen Hund verliebt und seine Frau und deren Sohn auch. Und die haben wollten den unbedingt adoptieren und die wollten ihn sogar als Zweithund. Die hatten schon einen Pflegehund von uns adoptiert, der da wirklich rundherum glücklich war.

Und da haben wir gesagt: Ja klar, das passt, das ist super. Großes schönes Haus, schöner eingezäunter Garten. Der Hund kennt den zweiten Hund, die kommen miteinander aus, der Hund kennt den Sohn, die kommen miteinander aus. Alles ist super. Wir vermitteln den Hund dahin. Und dann waren wir natürlich in engem Kontakt. Aber ich war die ersten Tage natürlich nicht da, damit der Übergang für den Hund leichter ist.

Und dann riefen die nach 3 Tagen an und sagten: Anne, der weint in einer Tour, der schreit, der will nicht aus dem Haus gehen, aber er muss halt zwischendurch. Das heißt, er macht uns das ganze Haus voll. Er hat auch Durchfall vor Stress. Der fühlt sich hier überhaupt nicht wohl. Der verhält sich ganz, ganz anders als dann, wenn wir zusammen spazieren waren. Der hat so viel Panik auf einmal. Er möchte auch nicht, dass der andere Hund in seine Nähe kommt und wir fühlen uns dem einfach nicht gewachsen. Und ja klar, der David hat sich ins Auto gesetzt, hat ihn wieder abgeholt und wir haben ihn dann sofort wieder zu uns genommen. Wir haben aber auch mit Absicht gesagt, wenn er frisch vermittelt ist oder immer, wenn ein Hund von uns vermittelt ist – erst wenn wir uns sicher sind, dass die ersten ein, zwei, drei Wochen reibungslos laufen, dann nehmen wir wieder was Neues auf. Und selbst dann hat man eben keine Garantie. Weil, wenn so ein Tierschutzhund bei dir einzieht, dann sage ich dir: Warte mal das erste Jahr ab. Im ersten Jahr verändert sich eigentlich laufend irgendwas.

Ein guter Tierschutzverein, der kümmert sich wirklich darum, dass noch anderer Tierschutz als rein die Vermittlung betrieben wird. Der klärt auf oder der macht Kastrationskampagnen oder der bietet Tieren wirklich ein gutes Zuhause, wie das sehr viele Tierheime tun. Und der kümmert sich auch um die Gesundheit der Tiere. Das heißt, wenn du deinen Hund bekommst, dann hat er alle vorgeschriebenen Tests, die notwendig sind, um den Hund einzuführen, vielleicht sogar ein bisschen darüber hinaus. Die Hunde sind untersucht. Du kriegst auch eine Information darüber, ob es irgendwelche Verdachtsmomente gibt.

Eine Garantie hast du nie, dass der Hund gesund ist. Aber trotzdem würde ich z.B. bei einem Hund mit einer Auslandsvergangenheit oder bei bestimmten Regionen in Deutschland wären mir die sogenannten von Zecken übertragenen Krankheiten relativ wichtig, zumindestens die Mittelmeerkrankheiten wären mir noch relativ wichtig. Da gibt’s ja auch welche, wie z.B. die Leishmaniose, die von Mücken übertragen wird. Also wenn der Hund schon mal in einem Leishmaniose-Gebiet war für längere Zeit, dann wäre mir das sehr wichtig und es ist auch teilweise gefordert vor der Einfuhr – und das macht ein seriöser Tierschutzverein.

Außerdem ist es so, dass ein seriöser Tierschutzverein Welpen bis zur zwölften Woche bei der Mutter lässt, wenn die Mutter da ist und auch vorher nicht einführen darf nach Deutschland. Das heißt, wenn ein Tierschutzverein jüngere Welpen vermittelt, dann würde ich ganz kritisch fragen: Wo ist denn bitte die Mutter? Weil ein wirklich seriöser Tierschutzverein löst das über so genannte Welpenpflegestellen und sorgt dafür, dass die Welpen bis zur zwölften Woche wirklich gut aufgehoben sind. Das sind so erst einmal die Eckdaten, die du haben kannst. Was ist denn überhaupt ein seriöser Tierschutzverein?

Natürlich kannst du noch gucken ist der Geschäftsbericht der letzten Jahre online? Wie sieht es da aus?

 

Wofür sind die Gelder verwendet worden? Stehe ich da tatsächlich hinter?

 

Da kann man sich durchaus auch einlesen. Und ich kann dir an der Stelle nur wirklich sagen: Es gibt im Tierschutz Gute und es gibt schwarze Schafe. Und es ist nicht immer leicht, die voneinander zu trennen. Und es ist halt immer die Frage, worauf läuft es am Ende hinaus? Für mich persönlich ist es ganz, ganz wichtig, dass wir eben die Guten unterstützen und dass es eben nicht darum geht, dass wirklich jeder Hund gerettet wird. Weil viele Hunde wollen nicht gerettet werden. Ich habe das in einem der letzten Blogartikel geschrieben: Herrenlos ist nicht Heimatlos.

 

Es gibt viele Hunde, die leben auf der Straße, ohne großen Stress. Die leben dort gut, die sind dort zufrieden.

 

Die bekommen dort ihre Bedürfnisse gestillt und die sind mit dem, wo wir sie hin verschleppen, total überfordert. Das gilt nicht nur für Straßenhunde, sondern das gilt auch für Herdenschutzhunde – eines meiner Lieblingsbeispiele, die vielleicht lange in der Herde waren, dort ausgedient haben, aus irgendeinem Grund abgegeben werden, schon sehr alt sind und vielleicht….Ich habe so einen Fall mehrfach erlebt oder solche Fälle mehrfach erlebt. Die wandern 10, 11 Jahre in der Herde und jetzt können sie das eben nicht mehr. Oder die Herde wird aufgelöst. Der Schäfer hört auf. Und jetzt sollen sie vermittelt werden. Die haben noch nie wirklich mit einem Menschen gelebt. Die haben noch nie im Haus gelebt. Die haben noch nie in einer Stadt gelebt. Die kennen nichts. Das einzige, was sie wissen, ist, dass sie in ihrer Herde leben und dort unter anderem dafür da sind, Eindringlinge fernzuhalten. Und wenn du dir jetzt vorstellst, dass solche Hunde in die Reihenhaussiedlung in der mittelgroßen Stadt vermittelt werden, mit dem 100 Quadratmeter Handtuch-Garten, wo dauernd jemand vorbeigeht. Das ist für mich kein Tierschutz. Das ist für mich eher Tierqual. Und da kannst du mir auch nicht sagen, dass die Menschen wirklich gut aufgeklärt werden, weil wenn sich jemand mit Bedürfnissen von Tieren und mit ihrer Herkunft und mit ihren Aufgaben und ihrem bisherigen Leben beschäftigt hat, wirklich ernsthaft….

Dann kann er nicht meinen, dass für so ein Tierchen, ein warmer Platz am Kamin mehr wert ist als das, was er vorher erlebt hat. Und da wird halt viel romantisiert. Das heißt, es geht nicht darum, den Tieren alleine einen warmen Platz zu schenken, sondern wenn man ein solches Tier aufnimmt, muss man sich einfach darüber bewusst sein, dass da eine ganze Welle auf dich zurollt.

Da rollt die Welle auf dich zu. Das es eben Ausgaben geben kann. Nicht jeder Tierschutzhund ist krank. Aber du kannst bei jedem Hund damit rechnen, dass es ordentlich Tierarztkosten gibt. Dass es eben nicht mit der jährlichen Impfung getan ist. Ich nenne die Nayeli nicht umsonst den 10 000 Dollar Hund. Und die war schon vielleicht ein bisschen tricky, was Gesundheit angeht, aber auch die Minnie und auch unsere Maggie vorher noch viele unserer Pflegehunde, die hatten einfach Baustellen. Ob das irgendwelche Parasiten sind, die sie mitgebracht haben, ob sie Probleme im Bewegungsapparat haben,
ob sie einfach ihre Zipperlein kriegen.

Ob sie erst einmal Aufbaufutter brauchen, all solche Sachen, ob sie aufgrund von jahrelanger Mangelernährung eben auch entsprechende Mangelerscheinungen haben oder Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, ob sie aufgrund von jahrelanger Fehlernährung bestimmte Sachen auch einfach nicht mehr vertragen. Das kann dir halt alles passieren und dir sollte der Kostenfaktor auf der einen Seite bewusst sein.

Auf der anderen Seite sollte dir aber auch bewusst sein, dass ein solcher Hund Energie von dir verlangt. Und zwar im ersten Jahr ganz besonders viel, ganz viel Aufmerksamkeit, ganz viel Energie in der Betreuung, ganz viel Anpassung.

 

Da ist es vielleicht nicht möglich, sich mal eben Besuch einzuladen oder mal eben den Kindergeburtstag zu feiern,

 

weil der Hund damit noch gar nicht umgehen kann. Und da braucht deine Familie definitiv mit dir zusammen ein gutes Durchhaltevermögen. Es kann dir passieren, dass du im ersten Jahr mit diesem Hund nicht in den Urlaub fahren kannst oder dass du zumindest mit dem Hund nicht irgendwo hinfahren kannst, wo auch noch andere Leute Urlaub machen. Das heißt, die Bereitschaft sollte schon da sein im ersten Jahr mit einem Hund – und es ist übrigens egal, ob du ihn aus dem Tierschutz hast oder eben vom Züchter – dein Leben massiv anzupassen. Wenn diese Bereitschaft nicht da ist, dann rette auch den Hund nicht, weil dann hast du ihn nicht gerettet, sondern dann hast du ihm ein bisschen Obhut gegeben. Und es kann sein, dass das eben nicht ausreicht.

Für mich ist immer der Super-Graus und das will ich hier ganz, ganz ehrlich sagen, weil das, was mich wirklich ankotzt. Wenn die Leute sich bei mir melden und sagen: Ja, ich habe einen Hund aus dem Tierschutz und der frisst mir jetzt die Haare vom Kopf und Verhaltensprobleme hat er auch noch. Und dann kannst du doch bitte deinen Hundetraining, weil es ein Hund aus dem Tierschutz ist, kostenfrei machen. Oder zum ermäßigten Preis.

Und das ist wirklich was, wo ich sage: Nee, ich unterstütze das nicht, da bin ich nicht dabei. Und zwar natürlich tut mir der Hund leid und ich habe Mitgefühl mit dir, dass du da in was reingeraten bist, was du so nicht abschätzen konntest. Aber es ist weder meine Pflicht als Hundetrainerin aus altruistischen Motiven für dich und deinen Hund einzustehen, noch ist es die Pflicht des Tierarztes oder sonst wer. Sondern du hast dich dafür entschieden, ein Lebewesen bei dir aufzunehmen und hast eben nicht das „Worst Case Szenario“ mal durchgespielt und dir überlegt: Kann ich mir das überhaupt leisten? Und das möchte ich dir dringend empfehlen.

 

Wenn du einen Hund zu dir aufnimmst, hast du einen vierstelligen Betrag im ersten Jahr über. Und vielleicht nicht mit einer eins, sondern vielleicht mit einer zwei vorne.

 

Hast du den über, hast du einen vierstelligen Betrag locker im ersten Jahr für Futter, tierärztliche Untersuchungen und Check-ups, Equipment, Training. Vielleicht noch eine Physiotherapeutin, vielleicht auch noch eine andere Unterstützung einer Osteopathen. Hast du die?
Wenn nicht, dann spare erst mal, bevor du diesen Hund zu dir holst. Denn du hast definitiv keine Garantie, dass der Hund bei dir ankommt und fit und gesund ist. Und es ist für mich der absolute, Graus, wenn Tiere adoptiert werden und dann nicht die Möglichkeit da ist, sie mit hoher Lebensqualität zu halten. Und hohe Lebensqualität kann eben auch heißen täglich Schmerzmittel oder eine extrem angepasste Fütterung oder oder oder. Und an der Stelle bitte bitte, wenn du das nicht hast, wenn du dir das nicht leisten kannst, sprich mit dem Verein sag: Ich kann es mir eigentlich nicht leisten. Steht ihr dann dafür mit gerade? Und wenn ja, lass dir das schriftlich zusichern. Auch in welchem Rahmen und wie auch immer das passiert. Und wenn nein, dann nimm erst mal Abstand und unterstütze vielleicht erst mal das örtliche Tierheim oder einen örtlichen Tierschutzverein darin, dass die vorhandenen Hunde gut betreut werden und spare in der Zeit an, was du kannst und dann legst du los.

Dieses Mal also erneut eine sehr persönliche Folge zu meiner Meinung zum Thema Tierschutz. Ich habe persönlich die aktive Tierschutzarbeit, wie du vielleicht herausgehört hast, in der Form für Vereine aufgehört. Was nicht heißt, dass ich nicht immer noch im Tierschutz tätig bin. Aber für mich war das ganz wichtig, dass wenn, es komplett meinen Werten und Vorstellungen entspricht. Und damit bin ich schlicht und ergreifend bei den meisten Vereinen nicht so weit gekommen, wie ich mir das gewünscht hätte. Und ich habe für mich festgestellt: Ganz oder gar nicht. Und in dem Fall habe ich deswegen eben mich für gar nicht entschieden. Und das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich für Fremde keine Vor- und Nach-Besuche mache oder auch keine Vermittlungshunde teile, die ich nicht persönlich kenne und wo ich nicht weiß, dass die Vermittlung auch wirklich, wirklich sinnvoll vonstatten geht.

In diesem Sinne freue ich mich, wenn dir diese Podcast Episode weiterhilft und vielleicht an der einen oder anderen Stelle, dich genauer hinschauen lässt. Nachdenken lässt. Und ansonsten wünsche ich dir alles Gute und freue mich, wenn du auch beim nächsten Mal wieder rein hörst. Da geht es dann, wenn ich es richtig im Kopf habe, um das Thema: Mehrhundehaltung und Rudel.

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