11 Fragen und Antworten zu Belohnungen im Hundetraining

11 Fragen und Antworten zu Belohnungen im Hundetraining

Wenn wir uns wünschen, dass unser Hund bestimmtes Verhalten zeigt, sollte das für ihn Sinn machen. Das bedeutet, dass es aus seiner Perspektive maßgeblich zur Verbesserung seiner Situation und der Erfüllung seiner aktuellen Bedürfnisse beitragen muss. Ist das nicht der Fall, sind wir dafür zuständig, dass es sich lohnt. Auf Belohnungen durch uns zu verzichten, ist nur dann sinnvoll, wenn der Hund durch das Verhalten sowieso an ein Ziel kommt. 

Doch nicht nur das, das Belohnen hat auf viele weitere Dinge einen schönen Effekt, dazu berichte ich dir bald mehr. Bevor wir darauf einen Blick werfen, lass mich dir erzählen, was ich als Belohnung definiere und welche Sorgen regelmäßig an mich herangetragen werden.

11 Fragen und Antworten zu Belohnungen im Hundetraining

1. Was ist eine Belohnung?

Für mich ist eine Belohnung alles, was als Konsequenz auf Verhalten, also nach dem Beginn eines Verhaltens, angeboten wird, mit dem Ziel die Situation weiter zu verbessern und Bedürfnisse zu befriedigen. 

2. Welche Wirkungen haben Belohnungen auf das Verhalten?

Belohnungen haben das Ziel, Handeln zu festigen und dafür zu sorgen, dass es in Zukunft

weiterhin

schneller

internsiver

häufiger

länger

auftritt. 

Wenn Belohnungen dieses Ziel erreicht haben, haben sie das Verhalten „verstärkt“. Vielleicht hast du den Begriff „Verstärker“ oder „Verstärkung“ schon mal gehört. Gemeint ist nichts anderes, als Belohnungen, die eben diesen Effekt haben.

Anja,Anne und Maren lachend, liegend auf einer Wiese

3. Welche Belohnungen haben diesen Effekt?

Wenn durch die Belohnung Bedürfnisse erfüllt werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie einen verstärkenden Effekt haben. Je besser du dich mit den Bedürfnissen auseinandersetzt, desto effizienter kann dein Training werden! Unter anderem nehmen die Bedürfnisse einen sehr großen Part im B.R.A.V.E. Training und in unseren Programmen ein. In „Ein echtes Team“ erstellst du zum Beispiel eine Bedürfnisliste und machst daraus – in Kombination mit anderen Aufgaben – eine Persönlichkeitsmatrix. 

4. Was können Belohnungen sein?

Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Alles, was für deinen Hund schön und angenehm ist, was ihm Freude macht, kannst du als Belohnung einsetzen und solange es niemanden in Gefahr bringt oder ungesund ist, sogar ganz bedenkenlos und unlimitiert. 

Hier kommen einige Beispiele für dich:

Interaktion mit dir (z.B. spielen, kuscheln, tricksen)

Interaktion mit der Umwelt (schnüffeln, buddeln, beobachten)

Sozialkontakte (z.B. Begrüßung vom Kumpel – vielleicht sogar an der Leine?)

Bewegung (Rennspiele, Kreise ziehen dürfen, klettern)

Futter (suchen & finden, verfolgen, fressen)

Und dann gibt es noch die Belohnungen, mit denen wir vorsichtiger und sehr fein dosiert umgehen müssen. Das sind die Belohnungen, bei denen der Hund Erleichterung empfindet, zum Beispiel, weil wir von etwas Unangenehmen weggehen.

Führen diese zu einem verstärkenden Effekt, nennt man sie „negativer Verstärker“. Negativ, weil etwas ENTFERNT wird und dadurch die Situation besser wird. 

Wir dosieren hier sehr fein und bringen die Hunde in der Regel nicht mit Absicht in Situationen, um negative Verstärkung zu nutzen. Denn sie funktioniert nur, wenn vorher Druck bestand. Was bringt Erleichterung ohne Druck? 

Doch genau dieser vorher bestehende Zustand kann eben stressend sein und die Situation für das Tier (und den Menschen) verschlimmern. Deswegen ist es völlig legitim, wenn man es im Alltag einsetzt, falls die Situation überraschend da ist, zu einem gut geplanten Training gehört es regulär nicht.

Ein weiteres Beispiel für das Weichen von Druck, kann die Hand sein, die den Po ins Sitz drückt und dann stoppt, im Falle, dass der Hund sich setzt. Oder der scharfe Blick, mit bedrohlicher Körperhaltung – wie zum Beispiel beim hier beschriebenen Blocken – welcher aufhört, wenn der Hund sein Verhalten anpasst. Diese beiden Anwendungsbeispiele findest du in meinem Training nicht. 

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5. Warum wird so oft mit Futter belohnt?

Wenn der Hund gut und gerne frisst, ist Futter eine einfache Art zu belohnen. Gehört dein Hund zum Typ „Futter nimmt der eh nicht“, dann lausche mal in unsere Podcast Episode #01

Futter ist leicht mitzunehmen und gut portionier- und dosierbar. Es ist mühelos umzusetzen und der Nahrungserwerb hat ein naturgemäß verankertes Zeitfenster im Alltag von jedem Hund. 

Kurzum: Futterbelohnungen sind bequem.

6. Aber ist Futter nicht langweilig?

Das kommt darauf an, was du damit machst. Es ist nicht der Keks alleine, sondern das Drumherum. Die soziale Interaktion mit dir, das Erfüllen von jagdlichen Motivationen (mehr dazu in dieser Podcast Episode), das Erleben von Erfolg beim Suchen und Finden, beim Ergattern und dafür Klettern. 

Mit Futter kannst du deinen Hund überraschen und hast dennoch eine verlässliche, vertraute Belohnung. Lass deiner Kreativität freien Lauf. Was findet dein Hund besonders toll?

Dein Hund spielt nicht mir dir? Dann schau dir gern diesen Blogartikel an.

Wenn dein Hund keine Lust auf Training hat, dann höre gern in diese Podcast Episode.

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7. Brauche ich ein Super-Leckerchen?

NEIN! Klar, ist es spitze, wenn du Dinge kennst, die dein Hund fürchterlich liebt. Doch ich würde nie ein Signal ausschließlich mit dem einen Highlight verknüpfen. Und auch nicht den Knüller für das eine Signal verwahren. Lernen lebt auch von Überraschungen und Bedürfnisse verändern sich. Das super Highlight kann morgen am Wunsch vorbei sein… Wenn dein Hund die Erwartung hat, dass nach dem Rückruf immer Fleischwurst kommt, schwächst du den Rückruf, wenn Fleischwurst ausgerechnet mal kein Bedürfnis ist, z.B. weil der Bauch zwickt. Und: Du enttäuschst, wenn du sie mal nicht dabei hast. 

8. Funktionieren meine Signale denn, wenn ich keine Belohnungen dabei habe?

Wenn du dir diese Frage stellst, hast du eines übersehen: Wenn du ein Signal geben kannst, bist du da und damit die Möglichkeit deinen Hund zu belohnen. Zumindest, wenn du dich nicht vorher ausschließlich um Futterbelohnungen gekümmert hast, sondern viele Varianten genutzt hast. 

Solange du in der Nähe bist, kannst du interagieren und andere Dinge als Futter einsetzen. Je nach Situation liebt meine Nayeli es, wenn ich sie zum Kuscheln einlade, vor ihr wegrenne, damit sie mich verfolgen kann, wir gemeinsam Wildwechsel suchen gehen… 

Ich denke, du verstehst, was ich meine! 

Nur, wer seinen Hund mit Futter ablenkt, statt zu honorieren, hat ggf. ein Problem, wenn er kein Futter mehr hat. Der Unterschied ist einfach: Wir belohnen Verhalten, dass bereits begonnen hat – Ablenken bedeutet, dass man Futter so einsetzt, dass der Hund möglichst nichts mitbekommt. Das ist mal, als Notfallmaßnahme, okay. Aber der Effekt des Lernens und beim Aufbau neuer Strategien ist es futsch…. 

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9. Manipuliere ich meinen Hund damit?

Manipulation bedeutet im Prinzip „Einflussnahme“. Ja, du beeinflusst deinen Hund. Aber ist das nicht der Sinn von Erziehung und Training? Wenn du nicht beeinflussen wolltest, müsstest du ja deinen Hund die ganze Zeit machen lassen, was er will… 

Für mich ist es nicht die Frage, OB ich Belohnungen einsetze, sondern WIE. Ich nutze Belohnungen, um Motivation zu verändern, alltagstaugliche Strategien zu fördern und unerwünschtes Verhalten zu verringern. 

Höre dazu auch gern in die Podcast Episode #42 „Schön-Füttern, ablenken oder belohnen?“. Dort berichte ich dir über drei verschiedene Methoden, wie du herausfordernde Situationen mit deinem Hund meistern kannst.

10. Er soll mich wegen mir lieben!

Das höre ich so oft. „Nein, ich will nicht belohnen, er soll das für mich machen“. Für mich hinkt hier der gerne gemachte Vergleich mit dem Gehalt und dem Chef. Denn ganz ehrlich, wenn mir etwas überhaupt keine Freude macht und gegen meine Werte geht, dann habe ich auch kein Interesse, es gegen Geld zu machen! 

Doch wenn wir uns in der Biologie umsehen, finden wir wunderbare Beispiele dafür, dass Bindung, Vertrauen und Nähe entstehen, weil etwas ausgetauscht und geteilt wird, z.B.:

Wärme

Sicherheit

Futter

Pflege- und Spielverhalten. 

Wenn du diese Aspekte als Belohnung einsetzt, entsteht dadurch eine tiefe Bindung. 

Klar, man rückt auch näher zusammen, wenn es einen gemeinsamen Feind gibt, doch diese Beziehung zerbröseln meist, wenn der Feind das Feld räumt…

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11. Ich will ihn nicht bestechen!

Bei Bestechung läuft es so, dass ich dir mit etwas die Nase lang mache und dann etwas von dir im Gegenzug verlange. Das ist nicht das Gleiche, wie: Du zeigst ein Verhalten und ich tue dir danach etwas Gutes! 

Ohne Frage gibt es ungeschickt eingesetzte Belohnungen, Fehler, die man beim Belohnen machen kann und Grenzen des Ganzen, aber erst einmal bereichert es und kann deinem Training einen echten Schub geben. 

Für mich ist es eine Entscheidung entsprechend meiner Überzeugung und Werte, dass ich lieber auf Belohnungen, statt auf Korrektur setze. Das Leben macht so mehr Spaß und ist viel mehr auf die schönen Dinge ausgerichtet. Ausserdem müsste ich für das Arbeiten über Korrektur das unerwünschte Verhalten erst beginnen lassen und das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Warum, das verrate ich dir in diesem Blogartikel.

Wenn du im Übrigen Nayelis Lieblingsfutterspiel das X-Leckerchen-Spiel kennenlernen willst, hole dir gleich hier die gratis Basis-Anleitung.

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